Konjunktur
Handel startete überraschend stabil ins Jahr

| Redaktion 
| 07.05.2026

Der österreichische Einzelhandel zeigt sich zum Jahresauftakt widerstandsfähig. Laut aktuellem WIFO-Konjunkturreport im Auftrag des Handelsverbands sorgen stabile Konsumausgaben für leichte Umsatzsteigerungen. Erstmals seit drei Jahren steigt auch die Beschäftigung wieder.

Die österreichische Wirtschaft ist solide ins Jahr 2026 gestartet. Das heimische Bruttoinlandsprodukt legte laut den Wirtschaftsforscher:innen vom WIFO im ersten Quartal real um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Positive Impulse kamen dabei vor allem vom privaten Konsum. Auch der Einzelhandel entwickelte sich stabil. In allen drei Monaten des ersten Quartals konnten die nominellen Umsätze leicht gesteigert werden. Inflationsbereinigt ergibt sich allerdings ein differenzierteres Bild: Während der Jänner noch ein kleines reales Plus brachte, bewegten sich Februar und März weitgehend auf Vorjahresniveau.

Robuster Lebensmittelhandel

"Der österreichische Einzelhandel bleibt trotz geopolitischer Krisen stabil, was auf die solide Konsumnachfrage der privaten Haushalte zurückzuführen ist", analysiert Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. Vor allem der Lebensmittelhandel zeigte sich robust, während sich der Non-Food-Bereich weiterhin unterschiedlich entwickelte. Laut WIFO bestätigt sich damit eine schrittweise Stabilisierung des privaten Konsums nach den wirtschaftlich herausfordernden vergangenen Jahren.

Beschäftigung steigt erstmals wieder

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung am Arbeitsmarkt. Im März 2026 waren im österreichischen Einzelhandel inklusive Kfz-Bereich mehr als 328.000 Menschen beschäftigt. Damit wurde erstmals seit Februar 2023 wieder ein leichter Beschäftigungsanstieg verzeichnet. Parallel dazu sank die Zahl der offenen Stellen deutlich. Im April konnten rund 8.450 Stellen nicht zeitnah besetzt werden, ein Rückgang von mehr als 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. "Der Handel beweist einmal mehr seine Resilienz und bleibt ein stabiler Beschäftigungs- und Wirtschaftsmotor für den Standort Österreich", so Will.

Inflation bleibt Thema, Stimmung kühlt ab

Die Inflation liegt zwar weiterhin über dem Zielwert der Europäischen Zentralbank, hat sich aber deutlich gegenüber den Höchstständen der Krisenjahre abgeschwächt. Für April 2026 wird eine Teuerungsrate von 3,3 Prozent ausgewiesen. Belastend wirken derzeit vor allem steigende Energiepreise infolge des Iran-Krieges. Trotz stabiler Grundstimmung zeigt sich bei Händler:innen und Konsument:innen eine gewisse Vorsicht. Besonders die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich laut WIFO zuletzt eingetrübt. Viele Haushalte agieren bewusster und preisorientierter.

Gleichzeitig fallen die Auswirkungen der aktuellen geopolitischen Krisen auf das Konsumverhalten bislang deutlich moderater aus als etwa zu Beginn des Ukraine-Krieges im Jahr 2022. Für das Gesamtjahr rechnet das WIFO weiterhin mit moderatem Wachstum. Der Handel dürfte damit zwar nicht in Euphorie verfallen, aber zumindest wieder etwas ruhiger schlafen.

www.handelsverband.at
 
www.wifo.ac.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV