Die österreichischen Unternehmen setzen ihren restriktiven Kurs fort und agieren weiterhin überwiegend vorsichtig. Aktuell verfolgen 85 Prozent der Betriebe einen klaren Sparfokus, das sind um fünf Prozentpunkte mehr als im Jahr 2025 mit 80 Prozent. 14 Prozent der Unternehmen haben ein offizielles Sparprogramm installiert, während 71 Prozent im laufenden Betrieb sparen, verglichen mit 13 Prozent beziehungsweise 67 Prozent im Jahr zuvor. Gleichzeitig bleibt die Investitionsbereitschaft gering: Nur 18 Prozent der Betriebe planen 2026 konkrete Investitionen, nach 16 Prozent im Jahr 2025. Für 35 Prozent der Unternehmen hängt dies von der wirtschaftlichen Entwicklung ab, gegenüber 40 Prozent im Vorjahr, während 47 Prozent Investitionen bis Jahresende ausschließen, nach 44 Prozent im Jahr 2025. Das geht aus der aktuellen Austrian-Business-Check-Umfrage des KSV1870 hervor.
Die anhaltende Zurückhaltung bei Investitionen fügt sich damit in ein insgesamt angespanntes wirtschaftliches Umfeld ein, das auch strategische Grundsatzentscheidungen beeinflusst: So ziehen einzelne Betriebe zunehmend strukturelle Veränderungen in Betracht, etwa eine Verlagerung ins Ausland (LEADERSNET berichtete).
Unternehmen sichern Stabilität trotz Sparkurs
"Die Unternehmen reagieren auf die wirtschaftlichen Herausforderungen mit einem klaren Sparkurs. Sie bewältigen damit aktuelle Krisensituationen und schützen ihre Substanz so gut es geht. Investitionen, Kreditverbindungen, längerfristige Projekte – sprich, alles was Verbindlichkeiten für die Zukunft darstellen – werden vermieden. Kurzum: Die Betriebe leben im Jetzt", erklärt Günther Fasching, Prokurist der KSV1870 Information GmbH. Trotz dieser Zurückhaltung weisen 68 Prozent der Unternehmen eine stabile wirtschaftliche Struktur auf, 21 Prozent gelten sogar als sehr stabil. "Die finanzielle Vorsicht der Unternehmen in den vergangenen Jahren und die Zurückhaltung bei Investitionen ist zwar kein Zukunftsmodell, zeigt aber kurzfristig Wirkung", so Fasching.
Bonität verschiebt sich Richtung Mittelfeld
Auch die Analyse der Bonität zeigt eine Verschiebung: Zwar befinden sich 87 Prozent der Unternehmen weiterhin in einer Ratingklasse mit geringem Risiko, jedoch kommt es innerhalb dieser Klassen zu Bewegungen in Richtung schwächerer Bewertungen.
Ratingklassen © KSV1870
Konkret zeigt die Entwicklung der Ratingklassen zwischen 2019 und 2025 folgende Veränderungen: In der Klasse 100–199 liegt der Anteil bei 0,02 Prozent im Jahr 2019 und bei 0,01 Prozent im Jahr 2025, in der Klasse 200–299 bei 15,37 Prozent gegenüber 12,57 Prozent, in der Klasse 300–399 bei 72,12 Prozent gegenüber 74,44 Prozent, in der Klasse 400–499 bei 11,70 Prozent gegenüber 12,38 Prozent, in der Klasse 500–599 bei 0,26 Prozent gegenüber 0,23 Prozent, in der Klasse 600–699 bei 0,12 Prozent gegenüber 0,06 Prozent und in der Klasse 700 bei 0,41 Prozent gegenüber 0,31 Prozent. "Die Bonität hat sich im Laufe der Krisenjahre tendenziell Richtung Mittelfeld bewegt. Solche Bewegungen sind aufgrund der großen Menge der Unternehmen in unserer Datenbank eher selten und belegen, dass die Wirtschaft unter Druck ist", so Fasching.
Sparmaßnahmen betreffen viele Bereiche
Der Sparkurs betrifft laut der Umfrage zahlreiche innerbetriebliche Bereiche, insbesondere Einkauf, Energiemanagement sowie Kommunikation, Werbung und Events. Besonders häufig wird gespart in den wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen, darunter Architekturbüros, Forschung und Entwicklung, Rechts- und Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung, Werbung, PR, Marktforschung und Unternehmensberatung. Demgegenüber stehen Branchen wie Erziehung und Unterricht mit 37 Prozent sowie das Gesundheits- und Sozialwesen mit 30 Prozent, die am häufigsten ohne Sparmaßnahmen auskommen.
AB-Check – Fokus Finanzen © KSV1870
Investitionen bleiben die Ausnahme
Unter dem starken Kostenmanagement leidet auch die Investitionstätigkeit. Von den Unternehmen, die investieren wollen, geben lediglich zehn Prozent an, dies in hohem Ausmaß zu tun. Die Mehrheit spricht von Investitionen in geringem Ausmaß mit 38 Prozent oder in moderatem Ausmaß mit 52 Prozent, sodass insgesamt 90 Prozent der Investitionen nur begrenzt ausfallen. Besonders aktiv zeigen sich Finanz- und Versicherungsdienstleister, das Gesundheits- und Sozialwesen sowie das Grundstücks- und Wohnungswesen.
Digitalisierung steht im Mittelpunkt
Inhaltlich stehen Investitionen vor allem im Zeichen der Digitalisierung: 59 Prozent der Unternehmen nennen die Digitalisierung beziehungsweise die Implementierung von Künstlicher Intelligenz als wichtigste Motivation. Weitere 34 Prozent investieren in Maßnahmen zur Steigerung der Kundenzufriedenheit, während 31 Prozent auf reine Ersatzinvestitionen setzen, die notwendig sind, weil bestehende Systeme oder Produktionsmittel nicht mehr funktionieren.
"Auch wenn Österreichs Unternehmen derzeit nur in bescheidenem Ausmaß investieren, lässt sich zumindest ein klarer Fokus erkennen. Die Digitalisierung ist für die allermeisten Branchen ein zentraler Faktor, wenn es um die Frage der zukünftigen Wettbewerbsfähigkeit geht, insofern sind Investitionen in diesem Bereich zu begrüßen", sagt der Experte.
Eigenmittel und Cashflow dominieren
Bei der Finanzierung dominiert weiterhin der Einsatz von Eigenmitteln: 68 Prozent der Investitionen werden auf diese Weise finanziert. Gleichzeitig hat die Bedeutung des Cashflows deutlich zugenommen und ist innerhalb von zwölf Monaten um neun Prozentpunkte auf 46 Prozent gestiegen. Besonders häufig wird diese Finanzierungsform in der Gastronomie und Beherbergung genutzt, wo der Anteil bei 56 Prozent liegt. Bankkredite folgen mit 22 Prozent auf Rang drei. Allerdings verzichten viele Unternehmen weiterhin auf Fremdfinanzierung: Nur neun Prozent planen konkret, im Jahr 2026 einen Kredit zu beantragen, während 15 Prozent noch keine Entscheidung getroffen haben. Damit ist es möglich, dass der Wert von 20 Prozent aus dem Vorjahr nicht erreicht wird. Zwei Drittel der Unternehmen bewerten den Prozess der Kreditaufnahme zudem als unverändert schwierig.
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