LEADERSNET: Sie haben zwei attraktive Angebote in Graz ausgeschlagen, um die Leitung des Kunsthauses Köflach (KHK) zu übernehmen. Warum nach Schauspiel und Oper nun der Wechsel zur Bildenden Kunst – und warum in der Provinz?
Ulrike Janach: Ich brauche in meinem Job Herausforderung. Ich will Neues lernen und mich weiterentwickeln, Stillstand ist langweilig. Die Bildende Kunst hat mich immer begleitet, sie war wie die Musik schon lange eine große Leidenschaft von mir. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Kulturmanagement und einem weitreichenden Netzwerk konnte ich eine solide Basis vorweisen. Und es ist auch eine Rückkehr zu meinen Wurzeln: Hier habe ich meine Kindheit und Schulzeit verbracht. Außerdem fand ich die Jobbeschreibung interessant und ich hab mich beworben. That's it.

Stellt die Kunst in den Vordergrund: Ulrike Janach, die neue Leiterin des Kunsthauses Köflach. © Agathon Koren
LEADERSNET: Was macht Ihre neue Aufgabe besonders herausfordernd und was reizt Sie daran?
Janach: Wer viele Jahre in der Privatwirtschaft und in der Kulturbranche gearbeitet hat, hat das Leistungsprinzip verinnerlicht. Soll heißen: ich agiere wie eine Unternehmerin im eigenen Unternehmen. Und der Erfolg gibt mir Recht. Schon nach kurzer Einarbeitungszeit hatte ich das Vertrauen des Bürgermeisters gewonnen und es entstand die Basis für eine sehr gute und tragfähige Zusammenarbeit.
Diese Saison gilt es noch, die beiden zuletzt übernommenen Ausstellungen mit drei spannenden Künstlern erfolgreich über die Bühne zu bringen. Alles Weitere kommt bereits von mir, und genau so kann ich arbeiten.
Ich verstehe mich als Botschafterin der Kunst und Kultur. Die Künstler:innen machen die Kunst und ich stelle sie nach bestem Wissen und Gewissen zur Schau. Bei der Auswahl berate ich mich mit einer kleinen und sehr feinen Auswahl von Kunstexperten.
Heute kommen Besucher:innen aus weit über die Region hinaus, und genau das ist mein Anspruch. Ich habe die kommenden Jahre bereits programmiert und stehe in laufendem Kontakt mit großartigen, international anerkannten Künstler:innen, die in unserem Haus ausstellen möchten. Ich mag den Austausch mit den Künstler:innen sehr, ihre Geschichten, das Emotionale – kann man so sagen. Ich lege allerdings auch Wert auf Höflichkeit und Wertschätzung gegenüber unserem Haus und der Region. Persönlichen Befindlichkeiten von außen will ich keinen Raum geben.

Leadersnet-Art Herausgeber Gerhard Krispl lässt sich von Ulrike Janach die aktuelle Ausstellung zeigen. © Leadersnet-Art / Gerhard Krispl
LEADERSNET: Was waren die bisherigen Highlights und welche sollen es noch werden?
Janach: Bereits mit der Ausstellung "Die Kunst ist weiblich!" hatten wir im Vorjahr großen Erfolg. In enger Zusammenarbeit mit der Initiatorin der Schau Christa Kodolitsch wurde den Künstlerinnen Olga Holzhausen, Margarethe Martiny-Holzhausen und Elisabeth-Charlotte Martiny die gebührende Bühne geboten. Unsere Ausstellung wurde in das Museum nach Bruck an der Mur und ins Stift St. Paul im Lavanttal verliehen. Networking at its best. Die zeitgenössische Glasausstellung mit 18 Künstler:innen aus ganz Österreich war vermutlich bisher meine erfolgreichste Schau.
Die aktuelle Ausstellung mit Marta Stamenov, wieder in der Kuration von Christa Kodolitsch, ist eine wunderbare Komposition aus Naturbildern. Mit ihr zeigen wir eine Künstlerin, die nicht nur aufgrund ihrer Tätigkeit als Restauratorin eine Expertin für Kunsttechniken und -materialien ist und damit auch höchst sinnliche und atmosphärische Werke schafft. Großartig! Zu Jahresbeginn eröffnete ich mit dem kolumbianischen Künstler Juan Callejas unseren neuen Salon als Bühne für zeitgenössische, experimentelle und junge Kunst. Und hier finden zudem Sonderausstellungen mit höchst renommierten Künstler:innen statt. Wie z.B. die Schau "Der Winkel des Blicks" mit Markus Hofer ab 14. April.
Eines der Highlights der Saison wird Koloman Wagner ab 18. Juni sein: ein junger Künstler, der bereits mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurde und aktuell auf dem internationalen Kunstmarkt Fahrt aufnimmt. Mit meiner jahrzehntelangen Erfahrung aus allen Kunstsparten möchte ich auch andere Disziplinen einfließen lassen: Am 19. Juni gibt es eine performative Führung durch die Ausstellung mit einem Ballettensemble der Oper Graz.
Das Kammermusik Festival geht am 31. Juli in die zweite Runde.
LEADERSNET: Welche Ziele verfolgen Sie für die Zukunft?
Janach: Mit meiner ersten eigene Ausstellung 2025 "Die Kunst ist weiblich!" wurde der Grundstein für "Vergessene Frauen in der Kunst" gesetzt. So wird jedes Jahr zu Beginn der Saison eine Künstlerin ausgestellt und ich lege Wert darauf, dass Künstlerinnen gleichberechtigt mit ihren männlichen Kollegen eine Bühne bekommen. Darauf basierte das erfolgreiche Kinder- und Jugendprojekt "Mein Frauenbild". Die (über 160) Einsendungen waren großartig und wurden dank eines großzügigen Sponsorings entsprechend honoriert
Kinder für Kunst zu begeistern ist ein weiteres großes Anliegen und Ziel für mich. Dieses Jahr gibt es gleich drei Projekte. Eines findet als Rahmenprogramm zur aktuellen Ausstellung Erde.Meer.Himmel. statt. Die Werke von Marta Stamenov sind prädestiniert zum Erzählen. "Erzähl mir Kunst" heißt das Projekt und die jungen Menschen sind aufgefordert, genau hinzusehen und daraus eine Geschichte zu formulieren oder bildhaft darzustellen. Was sehen sie, was empfinden sie beim Betrachten von Kunst - darum geht es doch in der Bildenden Kunst – oder? Auch hier machen die ersten Einsendungen bereits Freude und Hoffnung.
Fotos der aktuellen Ausstellung "Erde.Meer.Himmel." sehen Sie in unserer Galerie.
www.kunsthaus-k.at
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