Wie die Ergebnisse der aktuellen CFO-Studie von Horváth zeigen, bleiben die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Unternehmen angespannt. Für die Analyse wurden von der Managementberatung laut eigenen Angaben 240 internationale sowie rund 40 österreichische CFOs und Finanzvorstände unterschiedlicher Branchen befragt. Mehr als ein Drittel der Teilnehmenden verantwortet demnach Unternehmen mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Euro.
Geteiltes Stimmungsbild zur Wirtschaftslage
Die Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung für 2026 falle in Österreich heterogen aus, schreiben die Studienautor:innen. 47 Prozent der befragten CFOs bewerten die Lage ihres Marktumfelds als gut, drei Prozent erwarten eine leichte Verbesserung. Demgegenüber sehen 38 Prozent die Situation negativ, weitere zwölf Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Als zentrale Belastungsfaktoren nennen die Finanzverantwortlichen vor allem den gestiegenen globalen Wettbewerbsdruck, gefolgt von Bürokratie, Energiepreisen, Inflation, Lieferkettenproblemen und Zöllen. Nachhaltigkeitsthemen spielten hingegen erstmals keine zentrale Rolle mehr unter den negativen Einflussfaktoren.
Internationale Risiken bleiben den Ergebnissen zufolge prägend. Rund die Hälfte der Befragten stuft die Wirtschaftspolitik der US-Regierung weiterhin als Risiko ein, lediglich jede:r Sechste erkennt darin Chancen. Besonders belastend seien laut Studie die unvorhersehbare Zollpolitik, Änderungen internationaler Handelsabkommen sowie potenzielle Störungen globaler Lieferketten.
Kostenreduktion als zentrale Antwort auf Unsicherheit
Angesichts der volatilen Rahmenbedingungen setzen österreichische Unternehmen vor allem auf Effizienz und finanzielle Widerstandsfähigkeit. Kostenreduktionsprogramme gelten für 60 Prozent der CFOs als besonders wirksam. Ebenso hoch eingeschätzt werden der Aufbau von Liquiditätsreserven sowie der verstärkte Einsatz von Szenarioanalysen (je 57 Prozent). Rund jede zweite Organisation fokussiert zusätzlich auf Prozessautomatisierung sowie Anpassungen des Geschäftsmodells oder Produktportfolios.
Stefan Leber, Leiter Advisory CFO-Strategie bei Horváth in Österreich, betont: "Die Agenda der CFOs steht 2026 stärker unter Druck denn je: Globale Risiken, lähmende Bürokratie, volatile Energiepreise und ein massiver Investitionsstau verschärfen die weiterhin unsichere Lage." Besonders in Österreich zeige sich, so Leber, dass Unternehmen primär auf Kosteneffizienz und finanzielle Resilienz setzten, während Zukunftsthemen wie Digitalisierung und Automatisierung häufig nachgereiht würden.
Prozessoptimierung ganz oben auf der Agenda
Mit 86 Prozent ist die Harmonisierung, Standardisierung und Optimierung finanzieller Prozesse die wichtigste strategische Aufgabe der österreichischen CFOs. An zweiter Stelle steht mit 76 Prozent die Entwicklung von Mitarbeitenden und neuen Kompetenzen. Digitalisierung, globale Datenplattformen sowie verbesserte Planungs-, Reporting- und Forecast-Fähigkeiten folgen danach. Der zunehmende Veränderungsbedarf stoße jedoch intern häufig auf Widerstände: Jede:r zweite CFO nennt Silo-Denken und eine ablehnende Haltung gegenüber Veränderungen als größte Hürden.
Leber hält fest, der Ruf nach robusten Prozessen, neuen Fähigkeiten und konsequenter Transformation werde immer lauter und entscheide darüber, welche Unternehmen gestärkt aus der aktuellen Phase wirtschaftlicher Turbulenzen hervorgingen.
Investitionen: Vorsicht dominiert, Chancen bleiben
Auch bei Investitionen überwiegt demnach Zurückhaltung. Zwar versuche ein Fünftel der befragten CFOs, Chancen durch beschleunigte Investitionsprogramme zu nutzen. 30 Prozent führen ihre Vorhaben unverändert fort oder warten weitere Entwicklungen ab. Weitere 33 Prozent setzen zumindest strategische Investitionen um, während 17 Prozent ihre Programme laut eigenen Angaben kürzen.
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