Bank Austria Konjunkturindikator
Sinkende Teuerung schafft Spielraum für wirtschaftliches Wachstum

| Redaktion 
| 16.02.2026

Während der Dienstleistungssektor spürbar an Dynamik gewinnt, bleibt die Lage in Industrie und Bau angespannt. Für 2026 und 2027 wird ein moderater Aufschwung erwartet, unterstützt durch sinkende Inflation und eine stabile Entwicklung am Arbeitsmarkt.

Am Montag hat die UniCredit Bank Austria ihren aktuellen "Konjunkturindikator" vorgestellt. Dieser zeigt, dass sich zu Beginn des Jahres 2026 die schrittweise Aufhellung der wirtschaftlichen Stimmung fortsetzt. "Der volatile Aufwärtstrend des Bank Austria Konjunkturindikators setzte sich im Jänner mit einem Anstieg auf minus 0,5 Punkte fort. Der Indikator erreichte damit den höchsten Wert seit Sommer 2022 und signalisiert für den Jahresbeginn eine weitere leichte Expansion der österreichischen Wirtschaft in Fortsetzung der positiven Entwicklung des zweiten Halbjahres 2025“, sagte Bank Austria Chefökonom Stefan Bruckbauer.

Gleichzeitig bleibe die Erholung anfällig. Politische Unsicherheiten und schwelende Handelskonflikte belasteten weiterhin das Umfeld, auch wenn sich das globale Exportklima zuletzt stabilisiert hat. Der Optimismus im Dienstleistungsbereich deutet auf eine stärkere Binnenkonjunktur hin, während die anhaltend schwache Entwicklung im Bau die Erwartungen dämpft.

UniCredit Bank Austria Konjunkturindikator Österreich © Statistik Austria/Wifo/UniCredit 

Uneinheitliches Bild in den Sektoren

Die Stimmung im Bau verschlechterte sich im Jänner bereits den vierten Monat in Folge und fiel auf den niedrigsten Stand seit fast einem Jahr. Vor allem im Tiefbau und in den Nebengewerben hätten geringere öffentliche Budgetspielräume zunehmend für Zurückhaltung gesorgt.

Demgegenüber entwickelte sich der Dienstleistungssektor deutlich günstiger. Tourismus und Handel profitierten von einer starken Wintersaison beziehungsweise einem guten Weihnachtsgeschäft. Auch IT-Branchen und Finanzsektor bewerteten ihre Geschäftslage positiver.

UniCredit Bank Austria Ökonom Walter Pudschedl betont, dass die Stimmung im Dienstleistungssektor im Jänner sogar über dem langjährigen Durchschnitt gelegen ist und ist somit deutlich besser gewesen als im Euroraum. In Industrie und Bau hat dagegen weiterhin Pessimismus überwogen; dort ist die Einschätzung schlechter ausgefallen als im Euroraum. In der Industrie setzte sich eine moderate Verbesserung fort, gestützt durch ein etwas günstigeres internationales Umfeld.

Moderates Wachstum erwartet

Trotz fortgesetzter Erholung bleibe das Expansionstempo gedämpft. "Die Konjunkturerholung in Österreich setzt sich zu Jahresbeginn fort, jedoch fällt das Tempo der Erholung deutlich niedriger aus als in früheren Aufschwungsphasen“, so Pudschedl. 

Für 2026 und 2027 werde daher lediglich mit einem Wachstum von 1,0 beziehungsweise 1,5 Prozent gerechnet. Der private Konsum dürfte durch stabile Beschäftigung und sinkende Inflation gestützt werden. Gleichzeitig bleibe die Sparneigung der Haushalte überdurchschnittlich hoch, und Konsolidierungsmaßnahmen der öffentlichen Hand begrenzten zusätzliche Impulse.

Auch bei den Investitionen werde eine vorsichtige Belebung erwartet, unter anderem aufgrund von Nachholbedarf bei Ersatzinvestitionen. Allerdings würden eine unterdurchschnittliche Kapazitätsauslastung und verhaltene Industrieperspektiven die Dynamik bremsen. Der Außenhandel dürfte die Konjunktur 2026 weniger stark belasten als im Vorjahr, starke Wachstumsimpulse seien jedoch angesichts zunehmenden Protektionismus nicht zu erwarten.

Arbeitsmarkt zeigt erste Entspannungstendenzen

Die Arbeitslosenquote liegt saisonbereinigt seit Mitte 2025 stabil bei 7,5 Prozent. In den vergangenen Monaten ist die Beschäftigung laut den Experten leicht gestiegen, während die Zahl der Arbeitssuchenden geringfügig zurückging.

Pudschedl geht davon aus, dass die Arbeitslosenquote im Jahresdurchschnitt 2026 auf 7,3 Prozent sinken und 2027 weiter auf zumindest 7,2 Prozent zurückgehen werde. Die wirtschaftliche Stabilisierung sowie ein nur moderater Anstieg des Arbeitskräfteangebots könnten diese Entwicklung begünstigen. Als zentrale Stütze der Trendwende gilt der Dienstleistungssektor, während auch Bau und Industrie schrittweise zur Entspannung beitragen dürften. 

Österreich Konjunkturprognose © UniCredit 

Inflation deutlich rückläufig

Zu Jahresbeginn sank die Inflation spürbar. Maßgeblich dafür war unter anderem der Wegfall von Basiseffekten im Zusammenhang mit der Strompreisbremse sowie die Entspannung bei den Energiepreisen. "Der Rückgang der Inflation zu Jahresbeginn auf voraussichtlich 2,0 Prozent im Jahresvergleich fiel überraschend stark aus“, erklärt Pudschedl. 

Für die kommenden Monate werde eine Stabilisierung um dieses Niveau erwartet. Sinkende Energiepreise, ein nachlassender Preisanstieg bei Nahrungsmitteln sowie schwächere Zweitrundeneffekte im Dienstleistungssektor dürften die Teuerung zusätzlich dämpfen.

Die Inflationsprognose für 2026 wurde auf 1,9 Prozent im Jahresdurchschnitt gesenkt. Damit dürfte Österreich in etwa auf dem Niveau des Euroraums liegen.

Geldpolitik bleibt vorerst unverändert

Die EZB setzt ihren geldpolitischen Kurs fort und hält an der bisherigen Ausrichtung fest (LEADERSNET berichtete). Eine baldige Zinssenkung der Europäischen Zentralbank gilt als unwahrscheinlich. Bruckbauer hält fest: "Wir gehen davon aus, dass der Einlagensatz bis auf weiteres stabil bei 2 Prozent liegen wird.“ 

Der nächste Zinsschritt im Euroraum dürfte nach Einschätzung der Bank vielmehr nach oben erfolgen, voraussichtlich in der zweiten Hälfte 2027, sofern eine stärkere Konjunktur dies ermögliche.

www.bankaustria.at

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