Coface Länder- & Branchencheck
Weltwirtschaft erweist sich trotz geopolitischer Spannungen als stabil

Eine großangelegte Länder- und Branchenbewertung sieht die globale Konjunktur im Spannungsfeld zwischen (US-)Zöllen und Zuversicht. Österreich befindet sich im A3-Risikobereich: Das Wachstum bleibt verhalten – Wachsamkeit ist gefragt.

Die Weltwirtschaft hat die Handelsturbulenzen der ersten Jahreshälfte 2025 weitgehend abgefedert, die langfristigen Folgen werden sich jedoch erst in den kommenden Quartalen zeigen. Diese Einschätzungen gehen aus der jüngsten Länder- und Branchenbewertung von Coface hervor. "Die Weltwirtschaft federt den Schock der neuen Zölle ab. Viele österreichische Unternehmen haben sich gut vorbereitet, konnten Szenarien planen und ihre Strategien entsprechend agil anpassen", sagt Dagmar Koch, Country Managerin von Coface Österreich.

So liegt der durchschnittliche US-Zollsatz derzeit bei rund 18 Prozent – deutlich über den 2,5 Prozent unter der Biden-Regierung. Starke Investitionen in künstliche Intelligenz stützten die US-Konjunktur, doch zeigten sich der Analyse zufolge erste Anzeichen einer Abschwächung bei Beschäftigung, Inflation und Wachstum. Coface berücksichtigt die verschärfte US-Handelspolitik in seinen Länder- und Branchenbewertungen. Insgesamt nahm die Kreditversicherung fünf Änderungen bei den Länderbewertungen (davon vier Hochstufungen) und 16 bei den Branchenbewertungen (neun Hochstufungen) vor.

Gemischte Konjunkturaussichten

Die USA halten sich dank starker Binnennachfrage vorerst besser als erwartet, während China voraussichtlich weiter an Dynamik verliert. In der Eurozone bleibt das Wachstum trotz einer leichten Erholung in Deutschland verhalten. Indien verzeichnete im ersten Halbjahr ein Plus von 7,6 Prozent, Polen bleibt mit 3,4 Prozent stabil, und auch für Afrika erwartet Coface eine Verbesserung auf 4,1 Prozent. Global rechnet das Unternehmen 2025 mit einem Wachstum von 2,6 Prozent und 2026 mit 2,4 Prozent.

Österreich: Nur verhaltene Erholung

Nach einer eineinhalbjährigen Rezession zeigte die österreichische Wirtschaft im Winterhalbjahr 2024/25 eine leichte Erholung. Stärkere Konsumausgaben – sowohl privat als auch öffentlich – trugen dazu bei. Angesichts des EU-Defizitverfahrens dürfte die öffentliche Nachfrage jedoch sinken. Da sich der erhoffte Nachfrageschub aus Deutschland verzögert, rechnet Coface für Österreich mit einem Wachstum von 0,4 Prozent im Jahr 2025 und 0,6 Prozent 2026.

"Angesichts der nur verhaltenen Erholung und des Defizitverfahrens behält Österreich seine A3-Bewertung bei", erläutert Christiane von Berg, Head of Economic Research BeNeLux & DACH bei Coface. Diese stehe für ein "befriedigendes Risikoumfeld für Geschäftsaktivitäten sowie für die wirtschaftliche und politische Lage".

Mehr Insolvenzen, wachsende Unsicherheiten

Die Unternehmensinsolvenzen sind in der ersten Jahreshälfte 2025 weltweit weiter gestiegen. Der Coface-Index für fortgeschrittene Volkswirtschaften legte gegenüber 2024 um vier Prozent zu – mit Zuwächsen in Europa (plus elf Prozent) und im asiatisch-pazifischen Raum (plus zwölf Prozent), während Nordamerika stabil blieb. Niedrigere Zinsen und ein leichterer Kreditzugang könnten 2026 für Entlastung sorgen, dennoch bleibe die Anfälligkeit vieler Unternehmen hoch.

Der Coface-Index für soziale und politische Risiken erreichte mit 41,1 Prozent einen historischen Höchststand. In zahlreichen Ländern – etwa in Teilen Afrikas, Pakistan, im Libanon und in den USA – nähmen die Spannungen zu. Auch in Europa verschärfe sich die politische Lage, etwa in Frankreich. Unternehmen seien daher gezwungen, Strategien laufend zu überprüfen und flexibel zu bleiben.

Golfstaaten setzen auf Diversifizierung

Laut Coface zählen die Golfstaaten (GCC) weiterhin zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen. Sektoren außerhalb der Ölindustrie machen mittlerweile fast 70 Prozent der Bruttowertschöpfung aus. Für 2025 erwartet Coface ein Wachstum von 3,8 Prozent, 2026 von vier Prozent. Getragen wird die Entwicklung von starker Binnennachfrage und staatlichen Initiativen wie der "Saudi Vision 2030".

Die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien verzeichneten 2024 Rekordzuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen (46 bzw. 32 Milliarden US-Dollar) und stärken ihre Einbindung in globale Wertschöpfungsketten. Sinkende Ölpreise könnten jedoch öffentliche Budgets belasten und Großprojekte verzögern.

Neue geopolitische Spannungen und Verschiebungen

Ein weiterer Risikofaktor bleibt laut dem Coface-Report die geopolitische Lage. Die anhaltenden Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten sowie die handelspolitische Neuorientierung der USA unter Präsident Trump prägen die wirtschaftliche Unsicherheit. Laut dem Bericht befinde sich Europa zunehmend in einer Beobachterrolle zwischen den Machtzentren Washington, Moskau und Peking. Diese Verschiebung hin zu einer "neuen Ordnung von Einflusssphären" könnte langfristig die Stabilität von Handels- und Sicherheitsbeziehungen beeinträchtigen.

Veränderungen in globalen Branchenrisiken

Zu den aufstrebenden Branchen zählen dem Kreditversicherer zufolge vor allem Informations- und Kommunikationstechnologie (ICT) sowie der Energiesektor – insbesondere in Polen, Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. In mehreren Ländern wurden die Branchenbewertungen dieser Sektoren heraufgestuft. Rückstufungen gab es hingegen im Chemie- und Textilbereich, etwa in Südkorea, Indien und Rumänien, was die anhaltende Belastung durch höhere Produktionskosten und schwache Nachfrage widerspiegelt.

Anpassungsfähigkeit bleibt entscheidend

Trotz der globalen Unsicherheiten erweist sich die Weltwirtschaft als widerstandsfähig. Coface erwartet, dass sich die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen auch 2026 als entscheidender Stabilitätsfaktor erweisen wird. Politische Risiken und strukturelle Veränderungen – etwa durch den Übergang zu grüner Energie und Digitalisierung – dürften jedoch weiterhin das globale Risiko- und Investitionsumfeld prägen.

www.coface.at

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