"Gemeinsam können wir Neues möglich machen"

Anne Michels, COO Microsoft Österreich, im Interview über Microsoft als Karriereschmiede, welche Rolle die Diversität dabei spielt, den Stand der Digitalisierung in Österreich und was getan werden muss, um den Anschluss an die internationale Wirtschaft nicht zu verlieren.

LEADERSNET: Wie kommt man aus Deutschland zu Microsoft nach Seattle und macht dort Karriere?

Michels: Da kamen bei mir tatsächlich einige Dinge zusammen. Ich habe in den Vereinigten Staaten studiert und es hatte mich schon immer gereizt, auch mal in die USA zu ziehen um dort zu Arbeiten. Diese Möglichkeit ergab sich dann für mich vor neun Jahren, als noch bei Microsoft Deutschland beschäftigt war. Heute bin ich sehr froh, dass ich den Schritt damals gewagt und die Möglichkeit ergriffen habe. Direkt mit Microsoft Engineering – in den letzten Jahren zum Beispiel mit den Entwickler*innen von Microsoft Teams – zusammenzuarbeiten und Produkte und Services zu managen, welche jeden Tag weltweit von Millionen von Menschen genutzt werden, das war eine ganz tolle Erfahrung für mich.

LEADERSNET: Ist Microsoft Österreich ein guter Platz, um ihr persönliches Potenzial zu entfalten?

Michels: Die Frage kann ich ganz klar mit Ja beantworten. Das liegt zum einem natürlich an den spannenden und innovativen Projekten, an denen wir mit unseren Kunden arbeiten dürfen. Teil der digitalen Transformation sein zu dürfen und diese voranzutreiben, gar zu ermöglichen, ist für mich ein ganz großes Privileg. Zum anderen liegt dies auch an dem Fokus, den Microsoft Österreich auf die Themen Diversität und Inklusivität legt. Diese Themen sind ganz klar Teil der Unternehmenskultur, und unsere Mitarbeiter*innen arbeiten gemeinsam daran, einen Arbeitsplatz zu schaffen, in dem sich jede Person inkludiert fühlt, zum Beispiel durch Projekte zur inklusiven Sprache und Frauen in der IT.

LEADERSNET: Wie sehen Sie den Stand der Digitalisierung in Österreich?

Michels: Ich sehe, dass bereits sehr viel möglich und auch im Gange ist. Ich sehe es an den Projekten, die unsere Mitarbeiter:innen mit unseren Kunden tagtäglich umsetzen, ich höre es in den Gesprächen mit unseren Partnern. Die letzten Jahre haben für einen Digitalisierungsschub gesorgt und mit einer ganzheitlichen Strategie können wir auch in der Zukunft sehr viel erreichen. Im europäischen Vergleich bewegt sich Österreich im Mittelfeld, Tendenz steigend – laut dem aktuellen Digital Economy and Society Index (DESI) belegen wir Platz 10 von 28. Wir wissen, dass das Potenzial vor allem im Bereich der klein- und mittelständischen Unternehmen groß ist und genau hier kann die Digitalisierung allgemein, Cloud-Technologien konkret den entscheidenden Unterschied machen. Da die Cloud skalierbar ist steht sie jedem Unternehmen zu Verfügung – egal wie groß oder klein. Das schafft Chancengleichheit und so können KMU große Konzerne auf Augenhöhe begegnen. Dafür gibt es auch in Österreich bereits viele gute Beispiele: So tragen Lösungen von KMUs aus unserem Partnernetzwerk – wie Tributech und Crayon – zur Digitalisierung unserer Kunden bei, in diesem Fall mit der Entwicklung neuer Industriestandards durch RHI Magnesita, einen österreichischen Weltmarktführer.

Das Microsoft Partnerökosystem ist ein weltweites Netzwerk mit Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen. Unsere Partner leisten einen Beitrag zu mehr als 95 Prozent der kommerziellen Einnahmen von Microsoft, entweder direkt oder in Zusammenarbeit mit uns. Allein in Österreich haben wir mehr als 4.000 Partner, die besonders im vergangenen Jahr Innovationen vorangetrieben haben. Sie haben eine entscheidende Rolle beim Bereitstellen von Diensten und Lösungen gespielt, die nicht nur die digitale Transformation einzelner Unternehmen, sondern ganzer Branchen ermöglichen.

LEADERSNET: Was haben Sie mit Microsoft diesbezüglich auf der Agenda?

Michels: Fortschritt baut auf Digitalisierung auf. Ich würde sogar behaupten, dass Digitalisierung in unserer vernetzten Welt zur Voraussetzung für Innovation geworden ist, und das Rückgrat macht dabei die Cloud aus. Einerseits haben wir viele österreichische Unternehmen, die die Cloud für neue Geschäftsmodelle nutzen, wir haben aber auch einige, die Digitalisierung begrüßen, bei der Cloud aber noch zögern. Diese Bremse wollen wir lösen. Gemeinsam mit zahlreichen Unternehmen und Organisationen rufen wir die Initiative „Mach heute Morgen möglich“ ins Leben. Damit wollen wir im Österreich ein positives Klima für Digitalisierung und Cloud schaffen und aufzeigen, was mit modernen Technologien alles möglich ist. Unternehmen und Organisationen wie Accenture, Asfinag, Blackshark.AI, fit4internet, Kapsch, TTTech und viele mehr haben sich der Initiative bereits angeschlossen. Gemeinsam wollen wir weitere Akteure ermutigen, Schritte in Richtung digitale Transformation zu setzen. Um die Vorteile greifbar zu machen, rücken wir die vielen erfolgreichen Transformationsprojekte, die in Österreich umgesetzt werden, ins Rampenlicht. Wir benötigen klare Zielbilder für die Digitalisierung.

LEADERSNET: Der Bogen ist  also weit gespannt?

Michels: Ja, von Pilotprojekten im Bereich nachhaltiger Präzisionslandwirtschaft mit TietoEvry, über die IT-Infrastuktur der Corona-Teststraßen hin zu maßgeschneiderten Lösungen für hybrides Arbeiten. Das ist auf Grund meiner beruflichen Vergangenheit eine Herzensangelegenheit für mich. Lass mich ein paar Beispiele nennen: Das Bundesrechenzentrum und das oberösterreichische Objektssanierungsunternehmen WABS - Unternehmen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Beide leben aber vor, was mit der richtigen Lösung alles möglich ist und wie hybrides Arbeiten zu mehr Effizienz, aber auch Zusammenhalt führt. Auch wenn die Mitarbeiter*innen sich an unterschiedlichen Orten befinden.

LEADERSNET: Welche Vorteile bringt ein wie von Microsoft angestrebtes, hybrides Arbeitsmodell?

Michels: Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren in unserer Arbeitswelt auf die Pandemie reagiert und dabei den Digitalisierungsturbo gezündet. Unsere gewohnte Denkweise unterlag einem Riesenwandel und vor allem das mobile Arbeiten, zuvor in vielen Unternehmen noch Gegenstand vorsichtiger Strategieüberlegungen, ist innerhalb kürzester Zeit zum Normalzustand geworden. Das letzte Jahr hat uns gezeigt, dass es funktioniert. Die Belegschaft arbeitet im Homeoffice, der digitale Austausch funktioniert, auch Kreativität, Produktivität klappen über weite Strecken gut. Doch das wird nicht so bleiben. Wir alle wollen zurück in eine Zeit ohne Lockdowns und Sicherheitsvorkehrungen. Endlich wieder Kolleg*innen auf einen Plausch bei der Kaffeemaschine treffen, unbeschwert die Köpfe zusammenstecken.
Aber wollen wir auch zurück in die Arbeitswelt vor Corona? Viele haben die Arbeit in den eigenen vier Wänden schätzen gelernt.

Die Antwort ist klar: Wir wollen beides. Das Beste aus beiden Welten. Die Zukunft der Arbeit ist hybrid und es gilt, die Vorteile der Flexibilität, die wir bewiesen haben, auch in die Zukunft mitzunehmen. Die Vorteile liegen dabei auf der Hand: Mehr Flexibilität in der Arbeitszeit und der Wahl des Arbeitsortes, bessere Vereinbarkeit mit dem Privat- und Familienleben und weniger klimabelastendes Pendeln von und zum Arbeitsplatz, um nur einige zu nennen. Auf der anderen Seite bedarf es an mehr Selbstorganisation, Selbständigkeit in der Aufgabenerfüllung und klarer innerbetrieblicher Regeln für die digitale Zusammenarbeit und die Unterstützung der gewünschten digitalen Arbeitskultur. Entlang einer neuen Rolle des Büros als Ort der Begegnung muss die Wahl der Kommunikationstools neu überdacht werden. Dabei stellt sich auch die Frage, welche neuen Formate gefragt sind.

LEADERSNET: Warum sind moderne Technologien für Österreich als Standort so wichtig?

Michels: Ohne moderne Technologien ist ein Anschluss an die internationale Wirtschaft nicht möglich. Sie sind zum grundlegenden Faktor für Wettbewerbsfähigkeit geworden und tragen zur Krisenfestigkeit bei. Der Treibstoff in dieser Maschinerie sind die Daten. Daten sind die neue Währung des 21. Jahrhunderts. Es geht darum, die heimischen Datenschätze zu heben, für die österreichischen Unternehmen zu monetarisieren und produktiv zu machen. Das geht nur mit der Cloud. Vor allem mit der österreichischen Cloud sind die Latenzzeiten so kurz, dass auch die Datenverarbeitung in Echtzeit erfolgen kann – was für Industriesteuerung, Automatisierung und viele weitere Anwendungsbereiche erfolgskritisch ist.

Was wir aber nie aus den Augen verlieren dürfen ist, dass die Technologie nur dann erfolgreich ist, wenn die Menschen damit umgehen können. Wir brauchen Fachkräfte mit den richtigen Kompetenzen, um Innovation und damit auch Wachstum zu treiben. Deswegen ist auch die Weiterbildung, das sogenannte Skilling, ein wichtiger Teil unserer Arbeit. Gemeinsam mit Bildungspartnern wie fit4internet und Skills Campus haben wir uns bereits 2020 das Ziel gesetzt, bis 2024 120.000 Menschen in Österreich aus- und weiterzubilden. Mehr und mehr Unternehmen merken, dass eine Unternehmenskultur, die lebenslanges Lernen sowie diverse Teams fördert, maßgeblich zum Erfolg beiträgt.

LEADERSNET: Stichwort Weiterbildung und Diversität: Die Branche sucht dringend Fachpersonal, andererseits stockt die Ausbildung weiblicher Fachkräfte. Was kann man dagegen unternehmen?

Michels: Hier gibt es viele Hebel, die gesetzt werden müssen. Sowohl die Politik als auch die Wirtschaft müssen das in Angriff nehmen, um für eine langfristige Wettbewerbsfähigkeit in Österreich zu sorgen. Gerade im IT-Bereich gibt es einen großen Fachkräftemangel und wir können es uns nicht leisten, auf Talente zu verzichten. In diesem Sinne bieten wir Anfang 2022 gemeinsam mit #thenewITgirls und unserem Bildungspartner Enterprise Training Center (ETC) eine umfangreiche digitale Weiterbildungsmaßnahme an. Damit wenden wir uns an digital affine und technologieinteressierte Frauen in ganz Österreich, die an einem Quereinstieg in die IT interessiert sind und Austausch mit weiblichen Vorbildern in diesem Bereich suchen. Die Ausbildung findet online statt und gibt den Teilnehmerinnen Einblicke in ein neues Berufsfeld, aber auch Anschluss an das Netzwerk von #thenewITgirls. Noch sind Plätze frei und die Kosten für die Teilnehmerinnen beschränken sich auf 99 Euro. Mit diesem leistbaren Programm wollen wir gezielt Hürden abbauen.

Wir müssen Frauen und Mädchen nicht nur für unsere Branche begeistern, sondern ihnen auch den Weg ebnen. Es geht um Ausbildung, Weiterbildung aber auch Rahmenbedingungen im Job selbst. Dazu zählt eine Unternehmenskultur, die alteingesessene Stereotypen aufbricht und das Vereinen von Familie und Beruf ermöglicht – egal ob Mann oder Frau.

LEADERSNET: Haben auch Quereinsteiger:innen noch erfolgversprechende Karrieremöglichkeiten?

Michels: Ja, gerade die IT-Branche bietet Quereinsteigerinnen, die Interesse an Technologie mitbringen, vielfältige und zukunftsreiche Karrieremöglichkeiten mit guter Bezahlung. Neben dem notwendigen Fachwissen sind Kompetenzen wir analytisches und kritisches Denken, komplexe Problemlösungsfähigkeit und Kreativität sehr gefragt.

LEADERSNET: Welche Vorteile soll die Zusammenarbeit mit #thenewITgirls für die Frauen mit sich bringen?

Michels: Ein gutes Netzwerk ist Gold wert, das betrifft unser erwähntes Partnernetzwerk genauso wie Networking innerhalb der eigenen Branche. Wir brauchen Vorbilder und Mentorinnen, die Quereinsteigerinnen und neue Talente beim Fußfassen in der IT-Branche unterstützen. Deswegen haben wir mit #thenewITgirls den perfekten Partner für unsere Weiterbildungsinitiativen für Frauen gefunden. Das achtwöchige Programm ist nicht nur in das Community-Netzwerk von #thenewITgirls eingebettet, es inkludiert zudem Karrierecoaching und Bewerbungstrainings. Was mir persönlich so gut an diesem Projekt gefällt ist die Zusammenarbeit dahinter - wie jeder Partner seine Kompetenz und Kapazität an den Tisch bringt. Gemeinsam können wir Neues möglich machen!

LEADERSNET:  Zum Abschluss noch eine persönliche Frage: Welchen Tipp würden Sie an ihr junges Ich geben, um eine Fachkarriere in der österreichischen IT-Branche zu machen?

Michels: Sei neugierig! Und sprich mit Leuten, die jetzt in der IT –Branche arbeiten, um die unterschiedlichen Bereiche und Möglichkeiten zu verstehen. Die IT-Branche ist sehr breit und bietet vielfältige und unterschiedliche Möglichkeiten, die vielen so nicht bewusst sind. (jw)

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