Fatale Trump(f)karte: Google sägt Huawei ab

Verlust der Android-Lizenz nach Bann durch US-Präsidenten – Ausmaß der Auswirkungen noch nicht vollends geklärt.

Eine Machtdemonstration von US-Präsident Trump hat einen der am stärksten wachsenden Smartphone-Hersteller  ins Aus befördert: Huawei befindet sich derzeit in Schockstarre, denn nun dürfen amerikanische Unternehmen nicht mehr mit dem chinesischen Konzern zusammenarbeiten – Google inklusive. Die Auswirkungen scheinen – zumindest vorerst – fatal.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag berichtete, darf Google nicht mehr mit Huawei zusammenarbeiten. Ein empfindlicher Treffer: Google liefert mit dem Smartphone-Betriebssystem Android eine der wichtigsten Komponenten der Huawei-Smartphones.

K.O.-Treffer für Huawei?

Donald Trump setzte Huawei vergangenen Donnerstag auf eine schwarze Liste von Unternehmen, mit denen US-Unternehmen nicht mehr zusammenarbeiten dürfen. Der US-Präsident traut den Chinesen nicht und warf ihnen unter anderem Abhörung vor – vor allem wollte er damit den politischen Druck auf China erhöhen, mit dem man sich derzeit in einem Handelskrieg befindet. Doch dabei dürfte Trump auch der heimischen Wirtschaft erheblichen Schaden zugefügt haben.

Insbesondere Google verliert mit Huawei einen der wichtigsten Partner. Das chinesische Unternehmen wuchs zuletzt rasant, allein im Vorjahr lieferte man mehr als 200 Millionen Geräte aus. In den vergangenen Monaten überholte Huawei sogar Apple, dieses Jahr hätte man wohl auch dem südkoreanischen Konkurrenten Samsung die Marktführerschaft abgenommen, wie die Verkaufszahlen des kürzlich veröffentlichten Flaggschiff-Smartphones P30 Pro andeuteten. Nun ist alles anders. Statt Expansion und Marktführerschaft stehen die Zeichen nun ganz auf Schadensbegrenzung, vile Termine des CEO der Consumer Sparte von Huawei, Richard Yu, wurden abgesagt.

Update-Stopp und Launches in Gefahr – auch Österreich betroffen 

Der Konzern steht durch die Entscheidung des US-Präsidenten vor mehreren Problemen. Einerseits kann man keine neuen Produkte mit dem Betriebssystem Android auf den Markt bringen. Das betrifft unter anderem das 2300 Euro teure faltbare Smartphone Mate X, das im Sommer veröffentlicht werden sollte. Auch Google arbeitete am ungewöhnlichen Gerät mit, um Android an die faltbare Funktionsweise anzupassen. Zudem darf man jene Nutzer, die bereits ein Smartphone von Huawei besitzen - in Österreich etwwa jeder Dritte - nicht mehr mit offiziellen Updates beliefern.

Insbesondere die Update-Problematik bereiten dem Konzern und Experten Kopfzerbrechen. Android ist das derzeit beliebteste Smartphone-Betriebssystem und dementsprechend ohnehin ein beliebtes Ziel von Angreifern. Wenn Hacker aber auch wissen, dass gewisse Sicherheitslücken bei Huawei-Geräten offen bleiben, könnten diese nochmals verstärkt ins Visier genommen werden.

Huawei betonte in einer ersten Stellungnahme, dass alle bislang produzierten Geräte weiterhin Sicherheitsupdates erhalten werden. Wie das jedoch gelingen soll, ist unklar. Google stellt die wichtigsten Android-Sicherheitsupdates selbst im Monatstakt bereit, diese betreffen aber nur Teile des Betriebssystems. Huawei hat keinen Zugriff auf den Code der von Google entwickelten Android-Komponenten, um entdeckte Lücken zu schließen. Auch Google konnte bislang nur garantieren, dass man weiterhin Apps über den Play Store aktualisieren können wird. Abgesehen davon gab man sich ähnlich wortkarg wie Huawei.

Der steinige Weg ohne Android

Huawei hat zumindest Erfahrung mit Android ohne Google-Apps, denn in China wird es bereits in dieser Form ausgeliefert. China blockiert bereits seit 2010 die Google-Suche, 2014 folgten die restlichen Google-Dienste. Ob ein Smartphone in dieser Form Erfolg hätte, ist aber zweifelhaft. Nokia versuchte es beispielsweise 2014 mit der X-Reihe, die auf eine stark angepasste Android-Version ohne Google-Apps setzte. Das Experiment wurde nach nur wenigen Monaten wegen Erfolglosigkeit beendet.

Auch das Installieren der Google-Apps ist nur mühsam möglich und bleibt Nutzern mit technischem Wissen vorbehalten. Wie Huaweis aktualisierte Version von Android aussehen wird, könnte sich womöglich bereits am Dienstag zeigen. Huaweis-Tochtermarke Honor wird dann den Europa-Start des Honor 20 in London feiern, die Veranstaltung wurde nicht verschoben. Dennoch ist es schwer vorstellbar, dass sich die Smartphones ohne Google-Ökosystem weiterhin so gut verkaufen wie zuvor. Huawei verkaufte 2018 knapp 206 Millionen Smartphones, davon gingen 105 Millionen Stück nach China, 101 Millionen an den Rest der Welt.

Wanted: neue Partner

Google ist nicht das einzige Unternehmen, das vorerst keine Geschäfte mehr mit Huawei machen kann. Auch die Chip-Hersteller Intel, Qualcomm, Xilinx und Broadcom werden den chinesischen Konzern nicht mehr mit Bauteilen beliefern. Bloomberg zufolge hat Huawei sich aber auf eine mögliche Eskalation vorbereitet und ausreichend Komponenten von diesen Herstellern im Vorfeld gekauft, um zumindest drei Monate lang weiter produzieren zu können. Offen bleibt auch, ob Huawei weiterhin Windows-Geräte ausliefern darf, da es sich bei Microsoft ebenfalls um ein US-Unternehmen handelt. Huawei wollte das vorerst nicht kommentieren, eine Anfrage bei Microsoft läuft.

www.huawei.com

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