Nachfolger von Gregor Schütze
Franz Medwenitsch soll in den ORF-Stiftungsrat zurückkehren

| Larissa Bilovits 
| 15.09.2026

Für das vakante Regierungsmandat im obersten ORF-Gremium ist offenbar ein altbekanntes Gesicht vorgesehen. Der Jurist bringt nicht nur viel Erfahrung mit, sondern auch klare Vorstellungen zur Reform der Aufsicht.

Nur rund fünf Wochen nach dem Rücktritt von Gregor Schütze aus dem ORF-Stiftungsrat scheint die Frage seiner Nachfolge beantwortet. Schütze hatte seine Funktion als stellvertretender Vorsitzender am 11. August zurückgelegt, kurz nachdem das Gremium das neue Direktorium bestellt hatte. Als Grund nannte er, sich wieder ganz seiner Agentur widmen zu wollen (LEADERSNET berichtete). Weil sein Sitz zu den sechs Mandaten zählt, über deren Vergabe die Bundesregierung entscheidet, schrieb das Medienministerium die Stelle aus. Bewerbungen waren bis 7. September möglich (LEADERSNET berichtete).

Zum Zug kommen soll nun ein Name, der im ORF bestens bekannt ist. So berichtete zunächst die Kronen Zeitung, dass der langjährige Stiftungsrat Franz Medwenitsch auf Vorschlag der Bundesregierung in das Gremium zurückkehren soll. Zustimmen muss formell noch der Ministerrat, und vergeben wird das Mandat nur für den Rest der laufenden Funktionsperiode.

Ein Kenner des Gremiums kehrt zurück

Medwenitsch kennt das Gremium wie kaum ein anderer. Der frühere Geschäftsführer des Musikwirtschaftsverbands IFPI, der mittlerweile als Berater für Kultur, Wirtschaft und Medien tätig ist, wurde im Februar 2006 erstmals in den Stiftungsrat entsandt. Knapp 20 Jahre lang zählte er zu dessen Mitgliedern, ab 2010 fungierte er 15 Jahre hindurch als stellvertretender Vorsitzender. Zeitweise stand er zudem an der Spitze der ÖVP-nahen Fraktion, die im Gremium traditionell als "Freundeskreis" bezeichnet wird.

Diese Aufgabe dürfte ihm laut dem Bericht erneut zufallen, auch wenn die Fraktionsspitze erst intern gewählt wird. Ebenso offen ist, wer Schütze als stellvertretende:r Vorsitzende:r nachfolgt. Diese Funktion vergibt nämlich nicht die Regierung, sondern das Plenum aus den eigenen Reihen des Stiftungsrats. In den Spekulationen der vergangenen Wochen waren übrigens noch andere Namen genannt worden, darunter etwa die frühere Österreich-Werbung-Chefin Petra Stolba und die Digitalberaterin Ulrike Domany-Funtan als mögliche Kandidatinnen.

Klare Positionen zur Gremienreform

Die Personalie fällt in eine Zeit, in der intensiv über die künftige Gestalt des Stiftungsrats diskutiert wird. Vor dem ORF-Zukunftsforum, das das Medienministerium unter Vizekanzler Andreas Babler am 10. und 11. September veranstaltet hat (LEADERSNET berichtete), legte Medwenitsch bereits im Standard seine Sicht auf die Reform dar. Aus seiner Perspektive ist das 35-köpfige Gremium für ein Aufsichtsorgan schlicht zu groß. Außerdem plädierte er dafür, Mitglieder abberufen zu können, wenn sie dem Unternehmen schaden. Verbesserungsfähig seien die Konstruktion der Aufsichtsgremien, das Prinzip des Alleinvorstands und allgemein die Governance, so der Jurist.

Mit dieser Haltung liegt Medwenitsch auf einer Linie mit Schütze, der in seinem Abschiedsschreiben ebenfalls eine grundlegende Neuaufstellung der Governance eingefordert hatte. Die Bundesregierung bereitet derzeit eine umfassende ORF-Novelle vor, die den Kontrollgremien mehr Unabhängigkeit bringen soll. Die NEOS wollen den Stiftungsrat darüber hinaus deutlich schlanker aufstellen. Stimmt der Ministerrat der Personalie zu, kehrt Medwenitsch also in ein Gremium zurück, dessen künftige Form noch völlig offen ist.

www.orf.at

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