Nachfolge für Gregor Schütze
Regierung sucht neues Mitglied für den ORF-Stiftungsrat

| Larissa Bilovits 
| 24.08.2026

Knapp zwei Wochen nach dem Rückzug von Gregor Schütze liegt die offizielle Ausschreibung im digitalen Amtsblatt des Bundes vor. Verlangt wird unter anderem nachgewiesene Expertise in Medienwirtschaft, Technologie oder Medienrecht.

Vor rund zwei Wochen, konkret am 11. August, hatte Gregor Schütze seine Funktion als stellvertretender Vorsitzender des ORF-Stiftungsrats zurückgelegt (LEADERSNET berichtete) – und zwar in jener Sitzung, in der auch das Direktorenteam rund um den designierten Generaldirektor Clemens Pig bestellt wurde (LEADERSNET berichtete). Nun hat das Bundesministerium für Wohnen, Kunst, Kultur, Medien und Sport (BMWKMS) die Nachbesetzung im obersten ORF-Gremium in die Wege geleitet. Seit Montag ist auf der Elektronischen Verlautbarungs- und Informationsplattform des Bundes eine Ausschreibung abrufbar, mit der Interessent:innen für die Funktion eines Stiftungsratsmitglieds gesucht werden. Da Schütze eines jener sechs Mandate innehatte, die der Bundesregierung zustehen, läuft das Verfahren über das Medienressort und nicht über den ORF selbst.

Fachliche Eignung und Unvereinbarkeitserklärung gefordert

Von Schützes Nachfolger:in verlangt wird laut Ausschreibung unter anderem eine einschlägige Vorbildung oder Berufserfahrung in jenen Angelegenheiten, die der Stiftungsrat zu behandeln hat. Hinzu kommen umfassende Kenntnisse des österreichischen und internationalen Medienmarktes – alternativ genüge hier auch "hohes Ansehen" aus einer bisherigen Tätigkeit in Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst oder Bildung. Weiters müssen Bewerber:innen einen Nachweis einer Expertise in zumindest einem der Bereiche Betriebswirtschaft, Controlling, Medienwirtschaft, Kommunikation, Technologie und Innovation oder Rundfunk-, Urheber- und Medienrecht erbringen. Beizulegen ist außerdem eine persönlich unterschriebene Erklärung, dass keine Unvereinbarkeit vorliegt. Auf ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis im Gremium ist bei der Bestellung ebenfalls Bedacht zu nehmen.

Einzureichen sind die Unterlagen bis längstens 7. September per E-Mail an die Abteilung Medienangelegenheiten des Ministeriums. Die vergleichsweise knappe Frist ergibt sich aus dem ORF-Gesetz, das eine unverzügliche Nachbesetzung für den Rest der laufenden Funktionsperiode vorschreibt. Die Auswahl trifft anschließend die Bundesregierung.

Finanziell lohnend ist die Aufgabe im Übrigen nicht: Das Gremium tagt regulär viermal jährlich, hinzu kommen Ausschusssitzungen, abgegolten wird die Tätigkeit mit einer monatlichen Aufwandspauschale von 50 Euro und 100 Euro Sitzungsgeld.

Offene Nachfolge im ÖVP-Freundeskreis

Mit der Nachbesetzung verbunden ist eine zweite, politisch heiklere Frage. Schütze war nicht nur Vize-Vorsitzender, sondern auch Sprecher der ÖVP-nahen Stiftungsrät:innen – jener Fraktionen, die im Gremium traditionell "Freundeskreise" genannt werden. Wer diese Rolle übernimmt, ist bislang nicht entschieden, und die Entscheidung dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wer künftig auf dem Regierungsmandat sitzt. Laut dem Standard werden Steuerberater und Wirtschaftsprüfer Ewald Aschauer, die frühere Österreich-Werbung-Chefin Petra Stolba sowie die von Salzburg entsandte Digitalberaterin Ulrike Domany-Funtan als mögliche Kandidat:innen gehandelt. Der erfahrene Publikumsratssprecher Andreas Kratschmar soll bereits abgewinkt haben.

Der Zeitpunkt fällt zudem mitten in eine Debatte über die Zusammensetzung der ORF-Gremien insgesamt, denn die Bundesregierung arbeitet an einer größeren ORF-Novelle. Die Aufsichtsgremien sollen dabei unabhängiger aufgestellt werden, die Neos wollen den 35-köpfigen Stiftungsrat zudem spürbar verkleinern. Vorbereitet wird das Vorhaben bei einem "ORF-Zukunftsforum", zu dem das Medienministerium für 10. und 11. September lädt – also unmittelbar nach Ablauf der Bewerbungsfrist.

Die Ausschreibung finden Sie hier.

www.orf.at

www.bmwkms.gv.at

Kommentar veröffentlichen

* Pflichtfelder.

leadersnet.TV