Vergangenen Donnerstag und Freitag, den 10. und 11. September, stand das Wiener MuseumsQuartier ganz im Zeichen von Forschung und Innovation. Direkt im Anschluss an das FFG-Forum lud das AIT Austrian Institute of Technology zu den Technology Talks Austria 2026, die heuer unter dem Motto "Empowering Europe: Technological Leadership for a Resilient Future" standen. Die Konferenz ist aus den Technologiegesprächen des Europäischen Forums Alpbach (EFA) hervorgegangen, wurde 2024 nach Wien verlegt und fand damit nun zum dritten Mal in der Bundeshauptstadt statt. Getragen wird sie von 48 Partnerorganisationen aus der österreichischen FTI-Szene, darunter verschiedene Ministerien, die FFG und die Industriellenvereinigung. Inhaltlich kreiste heuer alles um die Frage, wie Europa seine wissenschaftlichen Erfolge schneller in wirtschaftliche Stärke, strategische Unabhängigkeit und Krisenfestigkeit verwandeln kann.
Mehr Andrang als erwartet
Bei der Planung war man noch von rund 800 Teilnehmer:innen ausgegangen, tatsächlich verzeichnete die Konferenz über beide Tage hinweg aber schließlich mehr als 1.000 Besucher:innen. Auf sie wartete ein rund 30-stündiges Programm mit etwa 140 Speaker:innen. Neben zwei Keynotes und sechs Plenary Sessions umfasste es zwölf Workshops, drei eigene Formate für den wissenschaftlichen Nachwuchs sowie fünf Side Events. Eine Ausstellung mit zehn Ausstellenden und ein Get-together boten zusätzlich Gelegenheit zum Netzwerken.
Inhaltlich folgte das Programm einem klaren Bogen. Den Auftakt machten technologische Fähigkeiten und strategische Infrastrukturen, danach ging es um den Sprung von der Forschung in die industrielle Anwendung sowie um das Wechselspiel von Innovation und Sicherheit. Zum Abschluss standen technologische Souveränität, die europäischen Rahmenbedingungen und die Rolle nationaler Innovationssysteme auf der Agenda.
Dass Wissenschaft, Unternehmen und öffentliche Hand hier bewusst gemeinsam an einem Tisch sitzen, sehen die Organisator:innen als Kern des Formats. "Gemeinsam entwickeln wir hier konkrete Perspektiven für Europas technologische Zukunft", erklärte Brigitte Bach, Sprecherin der Geschäftsführung des AIT und Vorsitzende des Veranstaltungskuratoriums, in ihrer Eröffnungsrede. Diese hielt sie gemeinsam mit Andreas Kugi, Scientific Director des AIT und Leiter des Programm-Komitees, in das unter anderem die ÖAW, das ISTA, der FWF, die Christian Doppler Gesellschaft und die deutsche acatech als wissenschaftliche Partnerorganisationen eingebunden waren. Ziel der Veranstaltung sei es, "zentrale technologische Entwicklungen und wichtige Zukunftsfragen" zu diskutieren, so Kugi.
Schneller vom Labor in den Markt
Die Ergebnisse der Debatten fasst das AIT in zehn Kernbotschaften zusammen. Die Ausgangslage wird dabei durchaus positiv bewertet, denn an Spitzenforschung, jungen Tech-Firmen und industriellem Know-how mangle es Europa nicht. Das Problem liege vielmehr darin, dass daraus zu selten Unternehmen von Weltrang entstehen. Abhilfe schaffen sollen vor allem kürzere Wege, indem Hochschulen, außeruniversitäre Forschung, Start-ups und Industrie enger verzahnt werden und neue Technologien mehr Gelegenheit bekommen, unter realen Bedingungen erprobt und hochgefahren zu werden. Statt überall mitmischen zu wollen, solle sich Europa zudem auf jene Felder konzentrieren, in denen es wissenschaftlich wie industriell ohnehin stark ist und die strategisch zählen.
Als Schlüsselfaktor im internationalen Wettlauf gilt das Tempo. Behördenverfahren und politische Entscheidungen dauern aus Sicht der Konferenz zu lange, Kapital fließt zu zögerlich und erfolgreiche Ideen wachsen zu langsam. Gefordert wird daher ein tieferer und besser vernetzter europäischer Kapitalmarkt, der mehr privates Wachstumskapital anzieht und Investor:innen attraktive Ausstiegsmöglichkeiten bietet. Ebenso wichtig sei ein Binnenmarkt, der für Tech-Unternehmen tatsächlich wie ein einziger Heimatmarkt funktioniert, ohne nationale Sonderwege und regulatorische Stolpersteine, und in dem große strategische Investitionen gemeinsam abgestimmt werden.
Unabhängigkeit ohne Abschottung
Der zweite große Schwerpunkt galt der Krisenfestigkeit. Kritische Infrastrukturen und technische Systeme sollen nicht erst nachträglich abgesichert, sondern schon in der Planung widerstandsfähig und sicher ausgelegt werden. Dazu gehört auch, sich bei Rohstoffen, Energie und Vorprodukten nicht von einzelnen Lieferländern abhängig zu machen. Als Lösungsansätze gelten Kreislaufwirtschaft, der Ersatz knapper Materialien und ein breiter aufgestelltes Netz internationaler Partnerschaften.
Eng damit verbunden ist das Thema Dual-Use. Zahlreiche Schlüsseltechnologien lassen sich zivil ebenso einsetzen wie im Sicherheits- und Verteidigungsbereich. Diese Doppelrolle soll deshalb früh mitgedacht und Sicherheit im Sinne von "Security by Design" von vornherein eingebaut werden. Unter technologischer Souveränität versteht die Konferenz ausdrücklich keinen Rückzug auf den eigenen Kontinent. Gemeint ist, bei entscheidenden Technologien über genug eigenes Know-how und eigene Kapazitäten zu verfügen, um unabhängig handeln zu können, ohne sich von verlässlichen Partnerländern abzuwenden.
Hochkarätig besetzte Bühne
Neben Vertreter:innen der heimischen Bundesregierung kamen zahlreiche Gäste aus europäischen Institutionen, internationalen Forschungseinrichtungen und der Industrie nach Wien. Für die Moderation der beiden Konferenztage zeichnete Cornelia Ertl verantwortlich. Unter den Speaker:innen waren unter anderem Marie-Hélène Ametsreiter (General Partner, Speedinvest), Brigitte Bach (Sprecherin der Geschäftsführung, AIT Austrian Institute of Technology), Gerhard Christiner (Vorstandssprecher und Technikvorstand, Austrian Power Grid), Jo De Boeck (Executive Vice President und Chief Strategy Officer, imec), Jakob Edler (Institutsleiter, Fraunhofer ISI), Christian Ehler (Mitglied des Industrie- und Forschungsausschusses, Europäisches Parlament), Bettina Emmerling (Vizebürgermeisterin und Bildungsstadträtin, Stadt Wien), Tara Esterl (Head of Competence Unit Integrated Energy Systems, AIT), Dominique Foray (emeritierter Professor, EPFL Lausanne), Carin Forsling (Vice President und Head of Digital Strategy & Acceleration, Saab), Florian Frauscher (Sektionschef, Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus), Malin Frenning (CEO, Research Institutes of Sweden), Annelieke van der Giessen (Direktorin, Adviesraad voor wetenschap, technologie en innovatie), Nathalie Guichard (Direktorin für Forschung, Technologie und Innovation, Europäische Verteidigungsagentur), Polyvios Hadjiyiangou (Head of Unit Operations, European Cybersecurity Competence Centre), Laura Halenius (Senior Lead Innovations, Sitra), Peter Hanke (Bundesminister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur), Sabine Herlitschka (CEO, Infineon Technologies Austria), Eva-Maria Holzleitner (Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung), Johannes Kathan (Senior Research Engineer, AIT), Ross King (Head of Competence Unit Data Science & Artificial Intelligence, AIT), Georg Knill (Präsident, Industriellenvereinigung), Andreas Knopp (Professor für Informationstechnik, Universität der Bundeswehr München), Jana Kolar (Direktorin, National- und Universitätsbibliothek Slowenien), Andreas Kugi (Scientific Director, AIT), Tatiana Lopez Garrido (stellvertretende Referatsleiterin, Europäische Kommission), Heinz Mayer (Geschäftsführer, Joanneum Research), Michael Mertin (CEO, AT&S), Marco Protti (Vice President Grants, Investments & GCAP Technology Projects, Leonardo), Lars Reger (Executive Vice President und CTO, NXP Semiconductors), Alfons Albert Riek (Vice President Technology & Innovation, Festo), Andrea Schenker-Wicki (Rektorin, Universität Basel), Jürgen Schlechter (Leiter, Amt für Rüstung und Wehrtechnik), Peter Schwab (Aufsichtsratsvorsitzender, AIT Austrian Institute of Technology), Stephan Schwarzer (Generalsekretär, eFuel Alliance Österreich), Gerhard Skoff (Geschäftsführer, Technologieconsulting Skoff), Lisa Smith (Co-Founderin und Chair of the Board, Prewave), Marie-Agnes Strack-Zimmermann (Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung, Europäisches Parlament), Luca Tagliaretti (Executive Director, European Cybersecurity Competence Centre), Jesús M. Valero (Managing Director, Tecnalia), Harald Vodosek (Rüstungsdirektor und designierter Generalstabschef, Bundesministerium für Landesverteidigung), Theresia Vogel (stellvertretende Vorsitzende, Forwit) und Elisabeth Zehetner (Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus).
Fortsetzung geplant
Aufgrund der positiven Resonanz ist bereits eine Fortsetzung geplant. Die Technology Talks Austria 2027 finden am 9. und 10. September 2027 wieder gemeinsam mit dem FFG-Forum im Wiener MuseumsQuartier statt.
LEADERSNET war vor Ort und hat Eindrücke für Sie in der Galerie gesammelt.
www.ait.ac.at
www.technologytalks.ait.ac.at
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