Im Rahmen des Europäischen Forum Alpbach 2026 lud Greiner Packaging zu einem Austausch inklusive Networking ins Hotel Post. LEADERSNET.tv nutzte die Chance, um Beatrix Praeceptor, CEO von Greiner Packaging, zu interviewen. Im Gespräch mit Opinion Leaders Network-CEO Paul Leitenmüller geht es unter anderem um die Transformation von Führungskompetenzen in wirtschaftlich herausfordernden Phasen. Sie erläutert, warum Transparenz, Nahbarkeit und die gezielte Reduktion von Komplexität die Grundpfeiler moderner Führung bilden, wie der Dialog mit jüngeren Generationen gelingt und weshalb eine klare Priorisierung der Schlüssel für den zukünftigen Erfolg ist.
LEADERSNET: Sehr geehrte Frau Praeceptor, wie muss sich Führungskompetenz in wirtschaftlich angespannten Zeiten verändern?
Beatrix Praeceptor: Ein zentraler Schritt besteht darin, sich einzugestehen, dass Führungskräfte in dynamischen Zeiten nicht auf jede Frage sofort eine fertige Antwort parat haben können. Es geht darum anzuerkennen, dass Entscheidungen zunehmend unter Unsicherheit und ohne vollständige Informationslage getroffen werden müssen. Solche Weichenstellungen erfordern eine intensive und transparente Kommunikation, damit die Mitarbeiter:innen die Hintergründe nachvollziehen und den Weg mitgehen können. Zudem gilt es, Entscheidungsprozesse vorausschauend in ruhigeren Phasen aufzubauen. Wenn Teams gelernt haben, offen und frei zu kommunizieren, steht dem Management im entscheidenden Moment das gesamte Spektrum an Perspektiven zur Verfügung.
LEADERSNET: Unterschiedliche Generationen stellen unterschiedliche Anforderungen an die Unternehmenskommunikation. Wie erreichen Sie heute die verschiedenen Arbeitskräfte?
Praeceptor: Es zeigt sich deutlich, dass die Aufmerksamkeitsspanne generell kürzer geworden ist. Das erfordert eine Kommunikation, welche die Komplexität von Informationen präzise verdichtet und die Kernbotschaften rasch auf den Punkt bringt. Gleichzeitig muss der Anreiz geschaffen werden, sich bei Bedarf vertiefend zu informieren. Nur wenn Mitarbeiter:innen aller Generationen verstehen, warum bestimmte Entscheidungen getroffen werden und welchen konkreten Beitrag sie selbst leisten können, entsteht eine zielgerichtete Ausrichtung im Unternehmen.
LEADERSNET: Lässt sich die Leistungsfähigkeit von Mitarbeiter:innen durch moderne Führung gezielt stärken?
Praeceptor: Absolut. Als Führungskraft besitzt man keineswegs ein Monopol auf alle Antworten. Die Aufgabe besteht darin, ein Umfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter:innen ihren eigenen Beitrag leisten wollen und spüren, dass ihr Engagement geschätzt wird. Das fördert eine Unternehmenskultur, in der Teams Verantwortung übernehmen, eigenständige Entscheidungen treffen und Führungsentscheidungen verständnisvoll mittragen.
LEADERSNET: Welche Empfehlung geben Sie CEOs für den Umgang mit der jüngeren Generation im Unternehmen?
Praeceptor: Der Schlüssel liegt im direkten Austausch – ganz im Sinne von 'Engage with them'. Es braucht echte Neugierde und Offenheit. Ich gehe regelmäßig durch das Unternehmen und suche das persönliche Gespräch mit den Mitarbeiter:innen. Auf diese Weise erfährt man ungefiltert, welche Themen bewegen, wo Sorgen bestehen und welche Herausforderungen im Alltag auftreten. Diese Nahbarkeit baut Hierarchiehürden ab, drückt hohe Wertschätzung aus und schafft nachhaltiges Vertrauen innerhalb der Organisation.
LEADERSNET: Der Begriff "Krise" wird derzeit sehr häufig verwendet. Befinden wir uns tatsächlich in einer permanenten Krisenzeit oder erleben wir eine Neuorientierung auf hohem Niveau?
Praeceptor: Der Begriff der Krise wird mittlerweile sehr inflationär genutzt. Tatsächlich bewegen wir uns in einer von hoher Volatilität geprägten Zeit, die kontinuierliche Anpassungen erfordert. Das beeinflusst auch die Art und Weise, wie Entscheidungen getroffen werden. In wirtschaftlich anspruchsvollen Phasen ist es unmöglich, alle Projekte gleichzeitig zu verfolgen. Es bedarf einer konsequenten Priorisierung: In welche Bereiche wird investiert? Welche Partnerschaften mit Kund:innen werden weitergeführt? Welches Organisationsmodell wird benötigt? Führung bedeutet in diesem Kontext vor allem, Klarheit über die Ziele zu schaffen und Komplexität gezielt zu reduzieren. Es gilt, vielschichtige Sachverhalte so aufzubereiten, dass sie auf jeder Ebene des Unternehmens verstanden und operativ umgesetzt werden können.
LEADERSNET: Abschließend: Blicken Sie mit Freude oder mit Respekt auf die kommende Entwicklung?
Praeceptor: Beides ist wichtig. Wir dürfen uns auf die Zukunft freuen und sollten ihr gleichzeitig mit dem gebotenen Respekt begegnen.
LEADERSNET: Vielen Dank.
Das gesamte Gespräch mit Beatrix Praeceptor sehen Sie im LEADERSNET.tv-Video.
Eindrücke von der Greiner Packaging-Veranstaltung in Alpbach bekommen Sie in unserer Galerie.
www.greiner-gpi.com
www.greiner.com
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