Rückzug nach Direktorenbestellung
Gregor Schütze verlässt den ORF-Stiftungsrat

| Redaktion 
| 11.08.2026

Unmittelbar nach der Bestellung des neuen ORF-Führungsteams gab der stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrats seinen Rückzug bekannt. Im Abschiedsschreiben formuliert er klare Erwartungen an die Politik.

Mit der Bestellung der 13 Direktor:innen für die Funktionsperiode 2027 bis 2031 hat der ORF-Stiftungsrat am Dienstag die personelle Neuaufstellung des Hauses abgeschlossen (LEADERSNET berichtete). Kurz danach folgte allerdings eine Überraschung, die auf keiner Tagesordnung gestanden war. Gregor Schütze, stellvertretender Vorsitzender des Gremiums und Sprecher der ÖVP-nahen Stiftungsrät:innen, legte seine Funktion mit sofortiger Wirkung zurück. Der Kommunikationsberater, der von der Bundesregierung in das Gremium entsandt worden war, begründet den Schritt in einem Schreiben an den Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer und die übrigen Mitglieder mit dem Abschluss der Bestellungsverfahren und einer Rückkehr in seine Agentur Schütze Public Results. Der ORF sei nun "bereit für eine gute Zukunft", heißt es darin.

Sechs Monate zwischen Krise und Neuaufstellung

Schützes letzte Monate an der Spitze des Gremiums waren von der schwersten Führungskrise des ORF seit Jahren geprägt. Nach dem Rücktritt von Generaldirektor Roland Weißmann Anfang März übernahm Ingrid Thurnher vorläufig die Geschäftsführung (LEADERSNET berichtete). Im April sprach der ORF-Redaktionsausschuss Lederer, Schütze und zwei weiteren Mitgliedern das Misstrauen aus (LEADERSNET berichtete).

In seinem Abschiedsschreiben zieht Schütze dennoch eine positive Bilanz. "Gerade die letzten sechs Monate haben uns alle stark gefordert, aber auch gezeigt, dass der ORF resilient genug ist, um große Krisen zu überstehen", schreibt er und betont: "Für mich war es nie eine Option, den Stiftungsrat in stürmischen Zeiten zu verlassen." Neben der inhaltlichen Aufarbeitung sei die Bestellung eines neuen Führungsteams im Einklang mit dem neuen Europäischen Medienfreiheitsgesetz das zentrale Anliegen gewesen. Das Gremium habe unabhängig und weisungsfrei entschieden und damit eine neue Ära eingeleitet.

Kritik an den Strukturen des Gremiums

Für die weitere Entwicklung des ORF sieht Schütze vor allem die Politik in der Pflicht. Durch den tiefgreifenden Wandel der Medienlandschaft werde sich auch das Unternehmen grundlegend verändern müssen. "Die Politik wird besonders gefordert sein, die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit der ORF seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag langfristig auch erfüllen kann", so der scheidende Stiftungsratsvize. Dazu brauche es seiner Meinung nach auch eine grundlegende Reform der Governance samt Stiftungsrat. "Diese Strukturen sind in die Jahre gekommen und müssen völlig neu gedacht werden", ist Schütze überzeugt.

Zum Abschluss bedankte er sich bei allen Mitgliedern des Gremiums, insbesondere bei Lederer, bei Barbara Ebinger und Josef Lusser aus dem Stiftungsratsbüro sowie bei Thurnher, die die Führung des ORF "im akuten Notfall – ohne eine Sekunde zu zögern" übernommen habe. Dem künftigen Direktorium rund um den designierten Generaldirektor Clemens Pig (LEADERSNET berichtete) wünschte er "viel Freude, Kraft und Beharrlichkeit", um die notwendigen Reformen auch umzusetzen. Wer Schütze im Stiftungsrat nachfolgt, ist vorerst offen.

www.schuetze.at

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