Nach drei Ausgaben in Kitzbühel wechselte der von Gabi Spiegelfeld initiierte KitzSummit 2026 erstmals nach Wien. Unter dem Generalthema "Suche nach Zuversicht" kamen am 10. und 11. September rund 170 Führungspersönlichkeiten und Expert:innen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Medien und Kultur zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Europa seine wirtschaftliche Stärke, politische Handlungsfähigkeit und gesellschaftliche Stabilität in einer zunehmend fragmentierten Welt bewahren und daraus neue Zuversicht schöpfen kann.
Dass die vierte Ausgabe erstmals in der Bundeshauptstadt stattfand, war für Spiegelfeld eine bewusste Entscheidung. Kitzbühel liege ihr weiterhin sehr am Herzen und habe sich insbesondere durch die Nähe zu Deutschland und die damit verbundene Möglichkeit bewährt, Gäste aus dem gesamten DACH-Raum zu erreichen, so die Veranstalterin zu LEADERSNET.tv. Nach drei Jahren sei die Marke KitzSummit jedoch bereits stark genug für einen Ortswechsel gewesen. Der Zuspruch für die Wien-Premiere sei "großartig" gewesen. Mit der Kuppelhalle des Kunsthistorischen Museums und dem Alten Kassensaal hätten sich zudem besondere Veranstaltungsorte gefunden.
Den Auftakt bildete am Donnerstagabend ein Empfang im Kunsthistorischen Museum Wien. Nach der Begrüßung durch Gabi Spiegelfeld, Paul Frey, Geschäftsführer des KHM-Museumsverbands, und Viktoria Veider-Walser, Executive Director Kitzbühel Tourismus, hielt der ehemalige Bundeskanzler Wolfgang Schüssel die Keynote. Eine Führung durch das Museum und das anschließende Welcome Dinner boten Gelegenheit zum Austausch, bevor am Freitag der eigentliche Konferenztag im Park Hyatt Vienna folgte.
Europas Rolle in einer neuen Weltordnung
Der erste große Themenblock widmete sich der Geopolitik. Ausgangspunkt war die Frage, wie Europa angesichts der globalen Machtverschiebungen wieder an Einfluss gewinnen kann. Im Programm wurden dabei unter anderem wirtschaftliche und technologische Wettbewerbsfähigkeit, strategische Autonomie, Verteidigungsfähigkeit, Energieunabhängigkeit und technologische Souveränität zur Diskussion gestellt.
Den Auftakt machte Sebastian Kurz, Unternehmer, Investor und ehemaliger Bundeskanzler, im Dialog mit Luise Evers von der Berliner Zeitung. Trotz der zahlreichen aktuellen Herausforderungen sieht Kurz durchaus Anlass für Optimismus. "Ich glaube, es gibt viele Gründe, um zuversichtlich zu sein", sagte er gegenüber LEADERSNET.tv. Blickt man auf die Entwicklung der Menschheit zurück, habe sich der Lebensstandard tendenziell immer weiter verbessert. Das bedeute jedoch nicht, dass kein Handlungsbedarf bestehe: Es gebe durchaus Dinge, die verändert werden müssten, damit sich diese positive Entwicklung auch künftig fortsetzen könne.
Anschließend diskutierten Ivan Krastev vom Centre for Liberal Strategies, Brendan Simms von der University of Cambridge und Cathryn Clüver Ashbrook von der Bertelsmann Stiftung unter der Gesprächsführung von Clemens Mayr-Harting aus dem Bundeskanzleramt.
Eine besondere Perspektive brachte die belarussische Demokratieaktivistin Maria Kalesnikava ein. Sie sprach im Dialog mit Wolfgang Schüssel. Zum Abschluss des Geopolitik-Schwerpunkts diskutierten Brendan Simms, Wolfgang Schüssel, Maria Kalesnikava und Joseph de Weck vom Institut Montaigne über Europas Position in der neuen Weltordnung.
Auch Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), sieht Europa angesichts der globalen Kräfteverhältnisse unter Druck. Der Kontinent drohe, "zwischen den USA und China aufgerieben zu werden". Gerade deshalb seien Formate wie der KitzSummit wichtig, um sich der eigenen Stärken wieder bewusst zu werden. "Wir haben viele Stärken. Wir sind immer noch eine starke Wirtschaftsnation und ein starker Wirtschaftskontinent", so Neumayer zu LEADERSNET.tv.
Sicherheit ist mehr als militärische Stärke
Im zweiten Schwerpunkt rückten Rüstung und Sicherheit in den Mittelpunkt. Dabei ging es nicht nur um militärische Verteidigungsfähigkeit, sondern auch um hybride Bedrohungen, Cyberangriffe, Desinformation und die Verwundbarkeit kritischer Infrastruktur. Die zentrale Frage lautete, wie Europa seine Sicherheitsarchitektur stärken und gleichzeitig Offenheit, demokratische Werte und gesellschaftliche Stabilität bewahren kann.
Roberta Randerath von ARX Robotics eröffnete den Themenblock im Dialog mit Clemens Mayr-Harting. Einen Einblick in neue Sicherheitstechnologien gab anschließend Jan P. Schween von SWARM Biotactics mit einer Keynote über insektenbasierte Aufklärung.
Über Infrastruktur, Resilienz und Europas Verwundbarkeit diskutierten danach Günter Graf von Frequentis, Jan P. Schween, Andreas Holzer, Direktor des Bundeskriminalamts, sowie die Sicherheits- und Geopolitikanalystin Elisabeth Hoffberger-Pippan. Die Gesprächsführung übernahm Roberta Randerath.
Energieversorgung als Standortfrage
Ein eigener Teil widmete sich der Energieversorgung und der dafür notwendigen Infrastruktur. Michael Strugl, Vorstandsvorsitzender von Verbund, Rudolf Krickl, CEO von PwC Österreich, und Ruben Schuster von der Lufthansa diskutierten über Versorgungssicherheit und die Infrastruktur der Zukunft. Moderiert wurde die Runde von Michael Sponring von PwC Österreich. Cornelia Plank von Tyrolpilz ergänzte den Schwerpunkt mit einem Praxisbeispiel zu regionalen Lösungen.
Österreich verfügt über starke Ressourcen
Trotz der schwierigen konjunkturellen Rahmenbedingungen sieht Rudolf Krickl Grund für Zuversicht. Auf den ersten Blick sei die derzeitige Situation tatsächlich nicht einfach. "Wenn man aber genauer hinschaut, wird es einfacher", sagte der PwC-Österreich-Chef gegenüber LEADERSNET.tv. Österreich verfüge über starke Unternehmen mit hoher Wertschöpfungskraft sowie Forschung und Entwicklung auf höchstem Niveau. Damit seien Ressourcen vorhanden, die durchaus positiv stimmen könnten. Entscheidend sei nun, "dass wir selber wieder daran glauben und ein bisschen mehr Energie hineinstecken".
Europas Kapitalmarkt braucht Mut und Kapital
Am Nachmittag verlagerte sich der Schwerpunkt auf Kapitalmarkt und Wirtschaftspolitik. Dabei ging es um die Frage, wie Europa sein vorhandenes Wissen, seine Innovationskraft und seinen Unternehmergeist stärker mobilisieren kann. Als Problem wurde im Programm nicht nur fehlendes Kapital formuliert, sondern auch mangelnder Mut beziehungsweise fehlende Zuversicht, wieder verstärkt in Ideen, Technologien und Menschen zu investieren.
Über Wachstum, Kapital und neue Finanzstrukturen für europäische FinTechs sprach Ante Spittler von Moss mit Marie-Helene Ametsreiter von Speedinvest. Anschließend diskutierten Stefan Neubauer, CEO der Kathrein Privatbank, Mazurka Zeng von Bybit EU, OeNB-Gouverneur Martin Kocher und Willi Hemetsberger von Ithuba Capital über Kryptowährungen, Stablecoins und die Digitalisierung des Finanzmarkts. Auch diese Runde wurde von Marie-Helene Ametsreiter geführt.
Dass Kapital nicht ausschließlich in Unternehmen und Technologien fließt, zeigte ein weiterer Programmpunkt: Diana Segantini und Philip Machat diskutierten unter der Gesprächsführung von Paul Frey über Kunst als Anlage, Werte und Perspektiven.
Zuversicht als Führungsaufgabe
Zum Abschluss kehrte der KitzSummit noch einmal zu seinem Generalthema zurück. Der Philosoph und Autor Hanno Sauer beschäftigte sich mit Zuversicht in unsicheren Zeiten sowie Fragen gesellschaftlicher Orientierung. Oliver Errichiello von der Hochschule Mittweida rückte Verantwortung, Führung und Vertrauen in Unternehmen in den Mittelpunkt. Im anschließenden Dialog wurden diese Perspektiven zusammengeführt.
Damit spannte die erste Wiener Ausgabe des KitzSummit einen weiten Bogen: von geopolitischen Machtverschiebungen und Europas Sicherheit über Energieversorgung und wirtschaftliche Resilienz bis zu Kapitalmärkten, Digitalisierung, gesellschaftlichem Vertrauen und der Frage, welche Rolle Führung in unsicheren Zeiten spielen kann.
Video-Interviews
Neben Gabi Spiegelfeld, Rudolf Krickl, Sebastian Kurz, Viktoria Veider-Walser und Christoph Neumayer, deren Einschätzungen zu den zentralen Themen des KitzSummit in den Beitrag einfließen, holte LEADERSNET.tv auch Thomas Arnoldner (Deputy CEO, A1 Telekom Austria Group), Margarete Schramböck (Vorstandsmitglied, Aramco Digital & Bundesministerin a.D.), Elisabeth Köstinger (Unternehmerin, Aufsichtsrätin, Investorin & Bundesministerin a.D.), Hans Harrer (Vorstandsvorsitzender, Senat der Wirtschaft Österreich), Wolfgang Schüssel (Bundeskanzler a.D.), Hanno Sauer (Philosoph & Autor), Danielle Spera (CEO, Kultur.Medien.Judentum., Moderatorin & Autorin), Martin Schiefer (Rechtsanwalt & Partner Wien, Schiefer Rechtsanwälte GmbH), Peter Bastiaans (CEO & Owner, Today Experts GmbH), Clemens Mayr-Harting (Leitung Sektion IV: EU, Internationales & Gesamtstaatliche Koordinierung, Bundeskanzleramt), Andreas Bierwirth (Vorstandsmitglied, Casinos Austria AG und Österreichische Lotterien), Antonia Stubenberg (Director, Exclusive Cars Vertrieb GmbH), Viktoria Veider-Walser (Executive Director von Kitzbühel Tourismus), Therese Niss (Vorstand, MINTality Stiftung), Harald K. Widhalm (Facharzt für Orthopädie und Traumatologie sowie Unfallchirurgie und Sporttraumatologie), Christoph Kletzer (Professor of Law & Vice Dean International, The Dickson Poon School of Law), Tim Faude (Managing Partner, Ceyond – beyond digital), Bernadette Arnoldner (Geschäftsführerin, Iventa Group) und Marlies Muhr (Geschäftsführerin, Marlies Muhr Immobilien GmbH) vor die Kamera.
Fotos vom KitzSummit 2026 sehen Sie in unseren Galerien hier und hier.
www.kitzsummit.com
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