Schockstarre vorbei?
Vorarlbergs Wohnimmobilienmarkt dreht wieder auf

| Redaktion 
| 24.06.2026

20 Prozent mehr Transaktionen, sinkende Zinsen, wachsendes Vertrauen – aber Käufer wählen genauer aus als je zuvor. Ein aktueller Marktbericht zeigt, wo es 2026 am stabilsten läuft.

Nach Jahren der Zurückhaltung springt der Vorarlberger Wohnimmobilienmarkt wieder an. Die aktuelle Marktanalyse von Engel & Völkers bestätigt den vorsichtigen Erholungskurs im westlichsten Bundesland.

Richard Jennewein, Geschäftsführer von Engel & Völkers Vorarlberg, ordnet diese Entwicklung ein: "Kaufentscheidungen werden wieder häufiger getroffen, wenngleich Erwerber bei der Objektauswahl deutlich selektiver agieren als in den Vorjahren. Wir sehen eine gesunde Rückkehr der Käufer und eine wachsende Nachfrage nach Substanz, Nachhaltigkeit und Qualität."

Für das laufende Jahr 2026 rechnet Engel & Völkers im Segment der Ein- und Zweifamilienhäuser landesweit mit 800 bis 880 verkauften Objekten und einem Transaktionsvolumen zwischen 440 und 490 Millionen Euro. Bei Eigentumswohnungen werden 2.200 bis 2.400 Transaktionen erwartet, das Volumen soll zwischen 830 und 910 Millionen Euro liegen.

Moderates Preiswachstum trotz angespannter Marktlage

Vorarlberg zählt 412.356 Einwohner:innen bei einer Wohneigentumsquote von 55,2 Prozent. Die Preise sind in den vergangenen Jahren nominell moderat gestiegen, der Markt bleibt aber anspruchsvoll. Für das zweite Quartal 2026 kalkuliert Engel & Völkers bei Eigentumswohnungen mit einem Durchschnittspreis von 5.800 Euro pro Quadratmeter – nach 5.483 Euro im Vorjahr. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern liegt der erwartete Durchschnittspreis bei 640.000 Euro, verglichen mit 621.000 Euro im Jahr 2025.

Sven Schäfer, Geschäftsführender Gesellschafter von Engel & Völkers Vorarlberg, sieht darin auch eine Folge der veränderten Zinslandschaft: "Die gesunkenen, stabileren Zinsen haben die Stimmung aufgehellt und die Finanzierbarkeit etwas verbessert. Für Vorarlberg gilt: Das veränderte Zinsniveau unterstützt die Nachfrage, führt aber nicht zu einer Rückkehr in die Dynamik der Niedrigzinsjahre."

Rheintal robust, Bludenz preisgetrieben

Regional zeigt sich der Vorarlberger Markt different. Am stabilsten entwickelt sich weiterhin das Rheintal. "Besonders Dornbirn, Feldkirch und Teile von Bregenz weisen eine vergleichsweise robuste Nachfrage auf. Dort treffen wirtschaftliche Stärke, gute Infrastruktur, Bevölkerungsdichte und begrenzte Flächen aufeinander", so Jennewein.

Im Unterland gelten die Bodenseeregion, Bregenz, Lochau, Hard, Lauterach, Wolfurt und Dornbirn weiterhin als gefragt, während sich das Oberland differenzierter darstellt. In Bregenz liegen die Quadratmeterpreise für Eigentumswohnungen im ersten Halbjahr 2026 bei durchschnittlich 5.285 Euro – ein Plus von 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei Ein- und Zweifamilienhäusern sind in der Region bis zu 736.892 Euro möglich, ein Anstieg von 4,6 Prozent. Dornbirn verzeichnet bei Eigentumswohnungen aktuell 5.955 Euro pro Quadratmeter (+10,1 Prozent) und bei Ein- und Zweifamilienhäusern 683.560 Euro (+9,8 Prozent).

Auch die Region Feldkirch entwickelt sich stabil – begünstigt durch die gute Infrastruktur, die Nähe zu Liechtenstein und der Schweiz sowie die urbane Struktur. Eigentumswohnungen kosten hier in der ersten Jahreshälfte 2026 durchschnittlich 4.921 Euro pro Quadratmeter (+1,8 Prozent), Ein- und Zweifamilienhäuser liegen bei 642.297 Euro (-0,9 Prozent). Im Vorjahr wurde in Feldkirch zudem der Vorarlberger Spitzenpreis für ein Einzelobjekt erzielt: 6,5 Millionen Euro.

Anders stellt sich die Lage in Bludenz dar. Sven Schäfer beschreibt die dortige Marktdynamik: "Bludenz und die umliegenden Regionen sind stärker preisgetrieben. Dort schwankt die Nachfrage deutlich zwischen Preiskorrektur und selektivem Kaufinteresse. Der aktuelle Kaufpreis für Eigentumswohnungen liegt hier bei 6.831 Euro pro Quadratmeter. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahreszeitraum einem Plus von 9,9 Prozent. Auch das Segment der Ein- und Zweifamilienhäuser verzeichnet im ersten Halbjahr 2026 mit Kaufpreisen von 592.155 Euro einen Anstieg von 8,8 Prozent."

Neubau bleibt unter Druck

Für die kommenden Jahre erwartet Engel & Völkers keine Rückkehr zur Marktdynamik vor der Zinswende. "Kurz- bis mittelfristig ist nicht mit einer Rückkehr zum Boom des Vorkrisenniveaus zu rechnen. Dennoch wird sich der Markt stabiler, aber dauerhaft selektiver entwickeln", prognostiziert Schäfer. Gute Lagen und energieeffiziente, hochwertige Objekte sollen sich demnach weiterhin gut behaupten, während schwächere Lagen und sanierungsbedürftige Immobilien stärker unter Druck geraten.
Besonders herausfordernd bleibt der Neubaumarkt. "Hohe Bau- und Finanzierungskosten und eine preissensiblere Nachfrage führen dazu, dass Immobilienprojekte langsamer verkauft und verzögert gestartet werden", sagt Jennewein abschließend. Verschärft wird die Lage durch die Reduktion der Vorarlberger Wohnbauförderung im Eigentumsbereich – ein Faktor, der die Nachfrage zusätzlich in Richtung Gebrauchtsegment lenkt.

www.engelvoelkers.com

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