Horváth-Studie
Nachhaltigkeit bleibt für Unternehmen wichtig, verliert aber an Durchschlagskraft

Obwohl viele Unternehmen weiterhin hohe Ambitionen verfolgen, spielen ESG-Kriterien bei wichtigen Entscheidungen oft noch eine untergeordnete Rolle. Eine aktuelle Horváth-Studie zeigt, woran es bei der Umsetzung häufig scheitert.

Nachhaltigkeit bleibt für viele Unternehmen ein wichtiges Zukunftsthema, verliert angesichts von Kostendruck, Krisen und regulatorischer Unsicherheit aber an Schwung. Wie groß die Lücke zwischen Anspruch und Umsetzung mittlerweile ist, zeigt die aktuelle "Chief Sustainability Officer Studie 2026" der Managementberatung Horváth (siehe Infobox). Demnach verfolgen zwar 71 Prozent der Befragten laut eigenen Angaben ein hohes oder sehr hohes Ambitionsniveau, während aber nur 13 Prozent der Nachhaltigkeitsverantwortlichen ihrem Bereich großen strategischen Einfluss zuschreiben.

Nachhaltigkeit verliert an Durchschlagskraft

Vorweg betont die Studie, dass trotz schwieriger Rahmenbedingungen ein Großteil der Unternehmen an seinen ESG-Zielen festhält. Einen Rückbau der ESG-Teams sei demnach nicht zu erwarten. So rechnen 51 Prozent der Unternehmen in den kommenden drei Jahren mit unveränderten Vollzeitstellen in diesem Bereich, 35 Prozent glauben sogar an einen Ausbau. Neue Stellen dürften dabei vor allem in Unternehmen entstehen, die künftig unter die europäische Nachhaltigkeitsberichterstattung CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive) fallen.

Wirtschaftlicher Nutzen entscheidet

Regulatorische Unsicherheit, knappe Budgets und fehlende Wirtschaftlichkeit zählen dagegen laut Studie zu den größten Bremsfaktoren. Zwar stärkt Nachhaltigkeit häufig Reputation und Arbeitgeberattraktivität, ein klarer wirtschaftlicher Nutzen ist jedoch oft schwer nachzuweisen.

Langfristig bleibt die Einschätzung dennoch positiv: 91 Prozent der Unternehmen bewerten Nachhaltigkeit als Vorteil. "Nachhaltigkeit steht weiter auf der Agenda, muss sich derzeit aber gegen kurzfristige Krisen- und Kostenthemen behaupten. Unternehmen müssen den Beitrag zum Geschäftserfolg nachvollziehbar machen können, damit Nachhaltigkeit nicht auf reine Compliance reduziert wird", erklärt Peter Sattler, Partner und Experte für Energie, Chemie und Nachhaltigkeit bei Horváth.

ESG-Berichte reichen nicht aus

Beim Reporting sind viele Unternehmen bereits deutlich weiter als bei der tatsächlichen Steuerung. Messbare ESG-Ziele wurden erst bei jedem dritten Unternehmen vollständig umgesetzt, in Planung und Forecast ist Nachhaltigkeit sogar nur bei sieben Prozent vollständig integriert. Und auch bei wichtigen Unternehmensentscheidungen bleibt ESG häufig Nebensache: Bei Investitionen spielt Nachhaltigkeit demnach nur bei 46 Prozent der Unternehmen eine relevante Rolle, bei Fusionen und Übernahmen bei 30 Prozent und bei Standort- oder Produktionsentscheidungen lediglich bei jedem fünften Unternehmen.

"Viele Unternehmen berichten heute besser über Nachhaltigkeit, steuern ihr Geschäft aber noch nicht konsequent danach. Dadurch werden viele Nachhaltigkeitsziele in Zukunft nicht erreicht", fasst Sattler zusammen und appelliert: "Nachhaltigkeit muss näher an das Kerngeschäft rücken – in Investitionen, Produktentwicklung, Einkauf und zentrale Geschäftsentscheidungen."

KI braucht bessere Daten

Große Hoffnungen setzen viele Unternehmen auf Künstliche Intelligenz, die etwa bei der Analyse von Nachhaltigkeitsdaten oder der Automatisierung von Reporting-Prozessen unterstützen kann. In der Praxis fehlt dafür jedoch oft die Grundlage, wie etwa belastbare Daten, klare Verantwortlichkeiten und durchgängige Systemlandschaften. Besonders deutlich wird das in den Lieferketten: Nur 17 Prozent der befragten CSOs bewerten ihre Daten als gut bis sehr gut, während 43 Prozent von schlechter oder gar keiner Datenqualität berichten. Ohne verlässliche Datenbasis bleibt auch das Potenzial von KI für eine wirksame ESG-Steuerung begrenzt.

www.horvath-partners.at

Über die Studie

Für die Chief Sustainability Officer Studie 2026 befragte Horváth die Hauptverantwortlichen für Nachhaltigkeit (Chief Sustainability Officer, CSO) in 309 Unternehmen in Deutschland, der Schweiz, Österreich und weiteren Ländern zwischen Februar und Anfang April 2026 in persönlichen, fragebogengestützten Interviews.

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Über die Studie

Für die Chief Sustainability Officer Studie 2026 befragte Horváth die Hauptverantwortlichen für Nachhaltigkeit (Chief Sustainability Officer, CSO) in 309 Unternehmen in Deutschland, der Schweiz, Österreich und weiteren Ländern zwischen Februar und Anfang April 2026 in persönlichen, fragebogengestützten Interviews.

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