"bauernladen.at" in Konkurs
Bekannter Online-Marktplatz schlittert in Millionenpleite

| Tobias Seifried 
| 14.05.2026

Massive Budgetkürzungen bei Firmenkunden infolge der geopolitischen Lage und hoher Energiekosten brachten das saisonabhängige Geschäftsmodell zu Fall.

Die wirtschaftliche Unsicherheit und die anhaltende Konsumzurückhaltung fordern ein prominentes Opfer in der heimischen Direktvermarktungs-Szene: Über das Vermögen der "bauernladen.at" B2B GmbH wurde am Handelsgericht Wien ein Konkursverfahren eröffnet. 

Das Geschäftsmodell der 2018 gegründeten Gesellschaft (Vertrieb bäuerlicher Erzeugnisse) konzentrierte sich primär auf den B2B-Bereich. Über den digitalen Marktplatz wurden hochwertige Geschenkboxen und Gutscheine für Mitarbeiter:innen und Kund:innen vertrieben – ein Geschäft, das stark am vierten Quartal und dem Weihnachtsgeschäft hängt.

Geopolitik und Inflation als Insolvenztreiber

Laut Insolvenzantrag ist das Abgleiten in die Zahlungsunfähigkeit unmittelbar auf die verschlechterte Stimmung in der Wirtschaft zurückzuführen. Der Iran-Krieg und der damit verbundene Inflationsschub durch steigende Energiepreise hätten bei Firmenkunden zu einer drastischen Budgetdisziplin geführt. Geplante Geschenkentscheidungen seien verschoben oder gänzlich abgesagt worden, während die verbliebenen Budgets pro Beschenkten deutlich gekürzt wurden.

Die finanzielle Lage stellt sich laut Alpenländischem Kreditorenverband (AKV) als äußerst prekär dar: Den angemeldeten Passiva von rund 1,691 Millionen Euro stehen Aktiva von lediglich etwa 33.000 Euro gegenüber. Von der Insolvenz sind 283 Gläubiger sowie vier Dienstnehmer unmittelbar betroffen.

Ungewisse Zukunft für die Marke

Bisher wurden keine Anträge auf Entschuldung oder ein Sanierungsverfahren eingebracht. Sollte kein entsprechender Plan vorgelegt werden, obliegt es der bestellten Masseverwalterin Susanne Pöltenstein Rosenegger, das vorhandene Vermögen – insbesondere die Markenrechte und die digitale Infrastruktur – bestmöglich zu verwerten.

Ob die rund 280 Gläubiger:innen mit einer Quote rechnen können, bleibt zum jetzigen Zeitpunkt offen. Die Prüfungstagsatzung am 23. Juli 2026 wird erste Aufschlüsse darüber geben, ob und wie der Betrieb in einer anderen Form erhalten bleiben kann oder ob die Liquidation endgültig vollzogen wird.

www.akv.at

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