Ende April lud die Porsche Bank anlässlich eines runden Jubiläums zu einem Roundtable nach Wien. Unter dem Titel "60 Jahre Porsche Bank – Pionier und Gestalter der Mobilität" präsentierten die Vorstände Hannes Maurer (CEO) und Alexander Nekolar (CFO) nicht nur die Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres, sondern skizzierten auch die strategische Ausrichtung für das kommende Jahrzehnt. Im Rahmen der Präsentation und anschließenden Q&A-Session wurde deutlich, wie sich das Unternehmen vom reinen Finanzdienstleister zum technologischen Vorreiter entwickelt hat.
Vom Finanzierer zum Mobilitätsarchitekten
Am 6. März 1966 wurde in Österreich ein Meilenstein für eine neuartige Finanzierungsart gesetzt: Mit der Gründung der Allgemeinen Leasingzentrale legte die Porsche Konstruktionen KG den Grundstein für die heutige Porsche Bank AG.
Was mit einem ersten Leasingvertrag für einen VW Käfer in Innsbruck begann, hat sich sechs Jahrzehnte später zu einer internationalen Erfolgsgeschichte entwickelt. Heute ist das Unternehmen, das 1987 gemeinsam mit der Porsche Versicherungs AG in seiner jetzigen Form etabliert wurde, in 16 Ländern mit 43 Gesellschaften vertreten. Im Jahr 2026 feiert die Tochter der Porsche Holding Salzburg somit nicht nur ihr 60-jähriges Bestehen, sondern auch das erfolgreichste Geschäftsjahr ihrer Geschichte.
Rekordergebnisse im Zeichen der Transformation
So wird die dominante Marktstellung von den aktuellen Kennzahlen unterstrichen: Im Geschäftsjahr 2025 erreichte die Porsche Bank Gruppe eine beeindruckende Bilanzsumme von elf Milliarden Euro (IFRS-Daten, unkonsolidiert). Der Bestand kletterte auf über 1,7 Millionen Verträge – ein Zuwachs von knapp 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 770.612 Neuverträge in 15 Ländern abgeschlossen, wobei sich diese auf 185.265 Finanzierungs-, 513.938 Versicherungs- und 71.409 Wartungsverträge verteilen.
"Die Entwicklung unserer Neuverträge und der hohe Finanzierungsanteil bei den Konzernfahrzeugen zeigen, dass unsere Kund:innen diesen Weg mit uns gehen", konstatierte der CEO. In Österreich wurde 2025 mehr als jedes zweite Fahrzeug der Volkswagen-Konzernmarken über die Porsche Bank finanziert, was einem Rekordwert von 56,1 Prozent entspricht.
Dieser Trend dürfte sich weiter verschärfen. Laut internen Prognosen wird in den kommenden Jahren mit einer Steigerung des Finanzierungsanteils auf 60 bis 70 Prozent gerechnet. Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die Elektromobilität. Bei batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) liegt die Finanzierungsquote bereits heute bei rund 80 Prozent. Der Grund hierfür liege primär in der Absicherung des Restwertrisikos: Kund:innen müssten sich keine Sorgen über den Wiederverkaufswert in einigen Jahren machen, da dieser vertraglich garantiert werde. Obwohl zahlreiche Langzeittests mittlerweile zeigen, dass die Batterien deutlich länger halten (meist weit über ein Autoleben hinaus) als zunächst angenommen wurde, möchten sich viele E-Autofahrer:innen diesbezüglich absichern.
Mobilität als ganzheitliche Lösung und aktuelle Trends
In den sechs Dekaden hat sich das Unternehmen vom klassischen Kreditgeber zum umfassenden Mobilitätsdienstleister gewandelt. "Wir denken Mobilität ganzheitlich. Nicht in Produkten, sondern in Lösungen", betonte der CEO. Ziel sei es, der Kundschaft den passenden Mehrwert zu bieten – sei es für wenige Minuten via Carsharing oder für mehrere Jahre durch klassisches Leasing. Das Auto-Abo-Angebot "sharetoo" bildet hierbei das digitale Herzstück für Kurzzeitnutzungen. Während das Carsharing-Modell mit über 90.000 App-Nutzer:innen derzeit auf Wien konzentriert ist, laufen aktuell Verhandlungen für eine Expansion nach Graz und Salzburg. Entschieden sei hier aber noch nichts. Denn um Carsharing wirtschaftlich betreiben zu können, brauche es eine gute Lösung mit der jeweiligen Stadt.
Im Bereich der Auto-Abos sind derzeit rund 1.000 Fahrzeuge verfügbar. Der Markt entwickle sich stabil, mit konstantem Wachstum. Dieses Modell erfreue sich besonders bei Expats oder zur Überbrückung von Lieferzeiten bei Neuwagen großer Beliebtheit und biete Interessierten die Möglichkeit, die Alltagstauglichkeit der E-Mobilität ohne langfristige Bindung zu testen.
Laut den Vorständen gab es zuletzt einen klaren Trend zum Leasing von Gebrauchtwagen, der sich zu etablieren scheint. Vor allem jüngere Kund:innen legten weniger Wert auf Besitz. Eine weitere Änderung bei der Nachfrage verzeichnete die Porsche Bank seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs. Aufgrund der hohen Treibstoffpreise sei die Nachfrage nach Elektroautos deutlich gestiegen. Das mache sich zwar bei den Käufen noch nicht bemerkbar, aber das gestiegene Interesse dürfte sich auch hier in Kürze widerspiegeln.
Digitalisierung und Effizienz als strategische Hebel
Hinter den Kulissen treibt das Unternehmen, das weltweit rund 1.500 Mitarbeiter:innen (davon 570 in Österreich) beschäftigt, die digitale Transformation massiv voran. Alexander Nekolar verwies auf die Bedeutung datenbasierter Steuerung: "Durch Automatisierung, KI und datenbasierte Steuerung schaffen wir schlankere Abläufe, schnellere Entscheidungen und personalisierte Angebote." Ein Beleg für die Akzeptanz sei das digitale Kundenportal, dessen Nutzer:innenzahl zuletzt um über 26 Prozent auf knapp 96.000 gestiegen ist.
Auch im Versicherungssektor setzt die Porsche Bank auf technologische Innovationen. Die "Smart Driver App", die einen verantwortungsbewussten Fahrstil mit Prämienreduktionen von bis zu 20 Prozent belohnt, wird bereits von rund 60.000 Kund:innen genutzt. Laut dem CFO funktioniere Nachhaltigkeit dann am besten, wenn sie im Alltag erlebbar werde und ökologische sowie finanzielle Vorteile kombiniere.
Partner für Großkunden
Trotz der Expansion in neue Geschäftsfelder bleibt das Flottenmanagement eine tragende Säule. Mit über 63.000 verwalteten Fahrzeugen ist die Porsche Bank laut eigenen Angaben klarer Marktführer im österreichischen Fuhrparkmanagement. Langjährige Partner wie die österreichische Polizei oder die Bundesbeschaffung GmbH (BBG) vertrauen auf die Expertise der Salzburger. "Mobilität endet für Unternehmen längst nicht mehr beim Fahrzeugkauf. Gefragt sind ganzheitliche Lösungen über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeuges hinweg", so Nekolar weiter.
Ausblick
Mit der "Strategie 2030" blickt das Management durchaus ambitioniert nach vorn. Neben dem Markteintritt im Kosovo im Jahr 2026 soll die enge Verzahnung zwischen Finanzierung, Versicherung und digitalen Mobilitätsdiensten weiter vertieft werden, um die Position als Benchmark in allen 16 Tätigkeitsländern zu festigen.
"Wir sind stolz auf unsere Geschichte, aber noch ambitionierter, wenn es um unsere Zukunft geht. Denn echte Marktführerschaft bedeutet für uns, den Wandel aktiv zu gestalten und Mobilität einfacher, nachhaltiger und zugänglicher zu machen – für Kund:innen, für Partner und für kommende Generationen", untermauerte Hannes Maurer abschließend.
www.porschebank.at
Kommentar veröffentlichen