Branche tritt in die Pedale
Gravel-Boom und Kinderfahrräder treiben den Markt

| Redaktion 
| 01.04.2026

Der Fahrradmarkt in Österreich stabilisierte sich im Vorjahr auf hohem Niveau. Während der Gesamtabsatz leicht rückläufig war, sorgten einzelne Segmente für kräftige Wachstumsimpulse.

Der Fahrradmarkt zeigt sich 2025 insgesamt robust. Mit rund 389.000 verkauften Fahrrädern bleibt der Absatz nahezu stabil, das entspricht einem leichten Minus von 1,7 Prozent. Gleichzeitig steigt der Gesamtumsatz auf 1,097 Milliarden Euro, ein Plus von 3,9 Prozent.

Treiber bleibt das E-Bike, das mit einem Anteil von 57 Prozent weiterhin dominiert. Bei Erwachsenen liegt der Anteil bereits bei rund 69 Prozent und erreicht damit einen neuen Höchstwert. 79 Prozent des Gesamtumsatzes entfallen auf E-Bikes. Die Entwicklung zeigt: Der Markt konsolidiert sich nach den starken Schwankungen der vergangenen Jahre, während die Nachfrage weiterhin auf hohem Niveau bleibt.

Gravel-Bikes als Wachstumstreiber

Besonders dynamisch wächst die Kategorie der Gravel-Bikes. Insgesamt wurden rund 29.000 Stück verkauft, ein Plus von 48,3 Prozent. Bei nicht elektrischen Modellen liegt das Wachstum sogar bei 74 Prozent. Für Hans-Jürgen Schoder, Sprecher der ARGE Fahrrad, ist dieser Trend Ausdruck eines veränderten Nutzungsverhaltens: "Der Gravel-Boom zeigt, wie vielfältig das Fahrrad heute genutzt wird. Menschen suchen Erlebnisse, wollen draußen unterwegs sein und gleichzeitig sportlich aktiv bleiben." Die Kategorie entwickelt sich zunehmend vom Nischenprodukt zum Lifestyle-Segment, das sowohl im Freizeitbereich als auch im Alltag an Bedeutung gewinnt.

Kinderfahrräder legen deutlich zu

Auch Kinderfahrräder zählen zu den Gewinnern des Jahres. Insgesamt wurden rund 64.000 Kinder- und Jugendräder verkauft, ein Plus von neun Prozent. Besonders stark wuchs das Segment bis 20 Zoll mit einem Zuwachs von 16 Prozent. Ein wesentlicher Impuls kommt aus dem Ostergeschäft, das traditionell eine zentrale Verkaufsphase darstellt. Gleichzeitig zeigt sich ein klarer Trend zu höherer Qualität und langlebigen Produkten. Auch im E-Bike-Bereich gibt es Bewegung: Trekking- und SUV-Modelle legten um 18 Prozent zu und überschritten erstmals die Marke von 100.000 verkauften Rädern.

Fachhandel bleibt zentrale Vertriebsstruktur

Die Zahlen unterstreichen die starke Rolle des stationären Fachhandels. Der Absatz der Hersteller an den Fachhandel ist gestiegen, während andere Vertriebskanäle rückläufig waren.

Für Michael Nendwich, Sprecher des Sportartikelhandels in der Wirtschaftskammer Österreich und Geschäftsführer des Branchenverbands VSSÖ, bleibt die Beratung entscheidend: "Kund:innen suchen gezielt Fachkompetenz, sei es beim Kauf oder beim Service. Der Fachhandel bleibt ein verlässlicher Ansprechpartner." Nach den Abverkäufen im Vorjahr hat sich zudem die Lagersituation im Handel deutlich entspannt, Rabattaktionen gingen spürbar zurück.

Politische Rahmenbedingungen beeinflussen den Markt

Die Entwicklung einzelner Segmente zeigt auch die direkte Wirkung politischer Maßnahmen. Rückgänge bei Lasten- und Falträdern stehen im Zusammenhang mit veränderten Förderbedingungen. Auch beim Dienstradleasing zeigen sich regionale Unterschiede. Bundesländer wie Wien und Vorarlberg profitieren von klaren Rahmenbedingungen, während andere Regionen hinterherhinken. Die Zahlen verdeutlichen: Politische Steuerung hat unmittelbaren Einfluss auf Nachfrage und Marktentwicklung.

www.wko.at

www.vsso.at

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