"Nicht daheim und doch zu Hause"
Belvedere 21 beleuchtet Friedl Kubelkas bislang verborgene Malerei

International bekannt für ihre konzeptuellen Fotografien und experimentellen Kurzfilme, eröffnet Friedl Kubelka / vom Gröller in "Nicht daheim und doch zu Hause" noch bis zum 7. Juni 2026 eine neue Perspektive auf ihr künstlerisches Schaffen. 

Mit der Ausstellung "Nicht daheim und doch zu Hause" rückt das Belvedere 21 noch bis zum 7. Juni 2026 eine bislang wenig gezeigte Facette von Friedl Kubelka ins Zentrum. Die international vor allem für ihre konzeptuellen Fotografien und experimentellen Kurzfilme bekannte Künstlerin – die seit 2009 unter dem Namen Friedl vom Gröller auftritt – hat seit den 1970er-Jahren ebenso konsequent mit Zeichnung und Gouache gearbeitet. Erstmals wird diese bedeutende Werkgruppe nun in größerem Umfang präsentiert und durch mehrere, teils unveröffentlichte Kurzfilme ergänzt.

Schonungslos, widerständig, fordernd

Kubelka, die in Wien und Paris lebt und arbeitet, verfolgt seit über fünf Jahrzehnten eine medienübergreifende künstlerische Praxis, die sich intensiv mit den Bedingungen des Menschseins auseinandersetzt. Im Spannungsfeld zwischen innerer Verfasstheit und äußerer Realität, zwischen Beziehung, Gefühl und moralischer Grenzerfahrung untersucht sie psychische Zustände mit analytischer Präzision, Empathie und feinem Humor – und lotet dabei die spezifischen Möglichkeiten der jeweiligen künstlerischen Medien aus.

Nicht daheim und doch zu Hause"Nicht daheim und doch zu Hause", Friedl Kubelka, 1971 | Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien, © Bildrecht, Wien 2026 für Friedl Kubelka

"Mit dieser Ausstellung machen wir eine wenig bekannte Werkgruppe sichtbar, die das Schaffen von Friedl Kubelka / vom Gröller entscheidend vertieft. Die Gouachen eröffnen einen unmittelbaren, persönlichen Zugang zu Kubelka /vom Gröllers künstlerischer Haltung und erweitern unser Verständnis von der außergewöhnlichen Vielschichtigkeit ihres Œuvres", meint Stella Rollig, Generaldirektorin des Belvedere.

Und Kuratorin Stefanie Reisinger ergänzt: "Kubelka / vom Gröller changiert in ihrem künstlerischen Schaffen bedacht zwischen konzeptuellen, intellektuellen und emotionalen Ausdrucksmitteln, ohne dabei ihr Interesse am Menschsein und an den damit einhergehenden Kuriositäten zu verlieren. Die Malerei eröffnet ihr aufgrund der Unmittelbarkeit und der kontemplativen Arbeitsweise in einem bewusst abstrahierenden Wiedergabemodus Freiheiten in der Schichtung von Erinnerung, Präsenz und Vorstellung. Wie in all ihren Medien und ihrem Leben ist sie auch hier schonungslos, widerständig und fordernd."

Über die Ausstellung

Die rund 150 entstandenen Gouachen und Zeichnungen nehmen innerhalb des Gesamtwerks von Friedl Kubelka / vom Gröller eine eigenständige Rolle ein. Im Unterschied zu ihren Schwarz-Weiß-Filmen und Analogfotografien zeichnen sie sich durch intensive Farbigkeit und dichte, vielschichtige Bildräume aus, in denen verschiedene Handlungsebenen miteinander verschränkt sind. Kunsthistorisch schlagen die Arbeiten einen weiten Bogen – von der Protorenaissance über Gustav Klimt und die Phantastischen Realisten bis hin zu Frida Kahlo und Friedensreich Hundertwasser – und verbinden Referenz mit persönlicher Bildsprache.

In den kleinformatigen Papierarbeiten verhandelt die Künstlerin Themen wie Leben, Tod, Liebe, Lust, Eifersucht, Isolation und Freude in überraschend farbiger, zugleich intimer Weise. Private Erfahrungen, Krisen, Sehnsüchte und Träume verdichten sich zu erzählerischen Szenen, in denen Groteske und Humor ebenso präsent sind wie Empathie und analytische Genauigkeit. Auch in ihren Filmen experimentiert Kubelka / vom Gröller mit offenen, nichtlinearen Erzählformen. Trotz medialer Unterschiede besteht eine enge inhaltliche Verwandtschaft zwischen den Arbeiten auf Papier und den Laufbildern, die in der Ausstellung sichtbar gemacht wird. "Fragmentierte Handlungsbögen, widersprüchliche Blickwinkel und uneindeutige Situationen prägen sowohl die gemalten Bilder als auch die Laufbilder. Slapstickhafte Momente stehen neben existenziellen Fragestellungen, Traumlogiken neben analytischen Setzungen", erläutert Co-Kurator Dietmar Schwärzler.

Dianabad"Dianabad", Friedl Kubelka, 1975 | Foto: Johannes Stoll / Belvedere, Wien, © Bildrecht, Wien 2026 für Friedl Kubelka

Zentraler Bezugspunkt ihres künstlerischen Schaffens ist seit 1969 das Atelier in der Wiener Gartengasse, das zeitweise auch als Schul- und Wohnraum diente. Nach ihrer Ausbildung zur Psychotherapeutin und Gruppenanalytikerin nutzte Kubelka / vom Gröller die Räumlichkeiten zudem für ihre Praxis und gründete dort sowohl die Schule für künstlerische Photographie als auch die Schule für unabhängigen Film. Die Ausstellungsarchitektur greift die Struktur dieses Ateliers auf und schafft so den Rahmen für einen chronologisch angelegten Rundgang. Eine besondere Rolle kommt dabei der Gouache "Neuffers Zimmer" (1974) zu, die als eines der frühesten Gemälde gilt und den prägenden Austausch mit Hans Neuffer widerspiegelt.

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

www.belvedere.at

Über die Künstlerin

Porträt Friedl© Sophie Thun

Friedl Kubelka / Friedl vom Gröller (geb. Bondy) wird 1946 in London geboren und wächst in Ost-Berlin und Wien auf. Von 1965 bis 1969 absolviert sie die Fachausbildung für Fotografie an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Kurz vor dem Abschluss entstehen die ersten analogen Kurzfilme, 1971 erhält sie ihren Meistertitel. Parallel zu ihrer künstlerischen Praxis arbeitet sie als Werbefotografin und entwickelt in der Auseinandersetzung mit angewandter und freier Kunst ab 1977 erste Vorträge und Workshops – wie beispielsweise "Klasse für künstlerische Photographie". Aus dieser Initiative heraus, und lange bevor es an den Kunstuniversitäten in Wien einen Lehrstuhl für Fotografie gibt, gründet Kubelka 1990 die "Schule für künstlerische Photographie" in der Gartengasse in Wien, seit 2010 geleitet von Anja Manfredi. Im Jahr 2006 folgt die Gründung der "Schule für unabhängigen Film", die seit 2013 von Philipp Fleischmann geleitet wird.

Für ihr künstlerisches Werk wurde Kubelka / vom Gröller mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Österreichischen Kunstpreis für Film (2016), dem Österreichischen Staatspreis für Fotografie (2005), dem Würdigungspreis für künstlerische Fotografie des Bundes (1999) und dem Förderungspreis für künstlerische Fotografie des Bundes (1984). Friedl Kubelka / vom Gröller lebt und arbeitet in Wien und Paris.

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Über die Künstlerin

Porträt Friedl© Sophie Thun

Friedl Kubelka / Friedl vom Gröller (geb. Bondy) wird 1946 in London geboren und wächst in Ost-Berlin und Wien auf. Von 1965 bis 1969 absolviert sie die Fachausbildung für Fotografie an der Höheren Graphischen Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt in Wien. Kurz vor dem Abschluss entstehen die ersten analogen Kurzfilme, 1971 erhält sie ihren Meistertitel. Parallel zu ihrer künstlerischen Praxis arbeitet sie als Werbefotografin und entwickelt in der Auseinandersetzung mit angewandter und freier Kunst ab 1977 erste Vorträge und Workshops – wie beispielsweise "Klasse für künstlerische Photographie". Aus dieser Initiative heraus, und lange bevor es an den Kunstuniversitäten in Wien einen Lehrstuhl für Fotografie gibt, gründet Kubelka 1990 die "Schule für künstlerische Photographie" in der Gartengasse in Wien, seit 2010 geleitet von Anja Manfredi. Im Jahr 2006 folgt die Gründung der "Schule für unabhängigen Film", die seit 2013 von Philipp Fleischmann geleitet wird.

Für ihr künstlerisches Werk wurde Kubelka / vom Gröller mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Österreichischen Kunstpreis für Film (2016), dem Österreichischen Staatspreis für Fotografie (2005), dem Würdigungspreis für künstlerische Fotografie des Bundes (1999) und dem Förderungspreis für künstlerische Fotografie des Bundes (1984). Friedl Kubelka / vom Gröller lebt und arbeitet in Wien und Paris.

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