Am 1. Jänner vergangenen Jahres hat Österreich einen entscheidenden Schritt in der Kreislaufwirtschaft vollzogen und ein flächendeckendes Einwegpfandsystem für Kunststoffflaschen und Metalldosen eingeführt (LEADERSNET berichtete). Ziel dieser Maßnahme war es, wertvolle Rohstoffe im Kreislauf zu halten und die Sammelquote für Getränkeverpackungen bis 2027 auf 90 Prozent zu steigern. Die erste Jahresbilanz fiel positiv aus, denn mit 81,5 Prozent erfüllter Sammelquote kam Österreich den europäischen Vorgaben einen wesentlichen Schritt näher (LEADERSNET berichtete).
Die Rückgabequoten steigen somit weiterhin und auch das Bewusstsein für Recycling und den ökologischen Mehrwert nimmt weiter zu. Doch eine Sache bleibt in Österreich fast ausschließlich im Verborgenen, nämlich die Zahl der Pfandsammler:innen – und das, obwohl hierzulande bereits rund 225.000 bis 228.000 Menschen Pfandflaschen und -dosen sammeln, um ihr Einkommen aufzubessern. In Deutschland ist das Sammeln von Leergut unlängst Teil des öffentlichen Diskurses – allerdings aus diversen Gründen. So sorgte zuletzt etwa ein Fall aus Hamburg (Altona) für Aufsehen, als das Sozialamt einem Rentner 58 Euro gesammeltes Pfand von der Grundsicherung abgezogen hatte, obwohl keine Anrechnung laut offizieller Regelung vorgesehen ist. Eine Thematik, mit der man sich glücklicherweise in Österreich aufgrund des unterschiedlichen sozialpolitischen Ansatzes nicht beschäftigen muss.
Soziale Dimension des Pfandsystems
Dem Thema "Pfandsammler:innen" soll jedoch auch hierzulande mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Daher hat das Hamburger Unternehmen fritz-kola gemeinsam mit der Initiative "Pfand gehört daneben" und dem Meinungsforschungsinstitut TQS Research & Consulting erstmals Zahlen zur sozialen Dimension des Pfandsystems erhoben. Wie bereits erwähnt, sammeln hierzulande bis zu 228.000 Menschen Pfand im öffentlichen Raum. Die Motive reichen vom Aufbessern einer zu niedrigen Pension (14 %) und unzureichendem Einkommen aus Erwerbsarbeit (13 %) über Arbeitslosigkeit (6 %) bis zur Versorgung der Familie oder dem Erfüllen von Wünschen von Kindern und Enkelkindern (je 8 %). Gesammelt wird überall dort, wo Pfand anfällt – vor allem auf der Straße (78 %) oder in sowie neben Mistkübeln (39 %), wobei fünf Prozent in den Mülleimer greifen und weitere fünf Prozent die Mülltonnen ausleeren.
"Mit unserer Umfrage liegen erstmals belastbare Daten zur sozialen Dimension des Pfandsammelns in Österreich vor. Gleichzeitig ist von einer noch höheren Dunkelziffer auszugehen, da besonders vulnerable Gruppen wie wohnungslose Menschen kaum erfasst werden. Das unterstreicht, wie wichtig es ist, sich dem Thema anzunehmen, Lösungen zu entwickeln und die Situation von Pfandsammlern zu verbessern", erklärt Pascal Fromme, Head of Sustainability & Public Affairs bei fritz-kola.
Mensch bleiben
Insgesamt haben 70 Prozent der Befragten angegeben, hierzulande beobachtet zu haben, dass Pfandflaschen und -dosen gezielt gesammelt werden – etwa aus Mistkübeln, von der Straße oder in Lokalen. Die Wahrnehmung ist dabei überwiegend positiv (29 %) bzw. empathisch. So empfinden 34 Prozent Mitleid mit den Pfandsammler:innen. Lediglich neun Prozent geben an, sie zu ignorieren, und zwei Prozent nehmen sie negativ wahr.

Die Befragung hat weiter gezeigt, dass die Zustimmung in der Bevölkerung hoch ist, wenn es darum geht, das Pfand neben dem Mistkübel zu stellen (57 %). 22 Prozent wünschen sich sogar eigene Einrichtungen. Nur acht Prozent der Studienteilnehmer:innen haben hierbei kein Verständnis und fühlen sich von Pfandsammler:innen sogar gestört. Aufbauend auf das Ergebnis der Befragung beabsichtigt fritz-kola nun, die Initiative "Pfand gehört daneben" auch nach Österreich zu bringen. Die Initiative ist bereits seit 2015 Teil der fritz-kola GmbH und erinnert die Besitzer:innen leerer Pfandflaschen und -dosen daran, sie neben Abfalleimern abzustellen. So bleibt Pfandsammler:innen das mühsame und gefährliche Wühlen in Mistkübeln erspart und wichtige Ressourcen landen wieder im Recyclingkreislauf.
Niemand wird reich durchs Pfandsammeln
Die Studienergebnisse zeigen somit, dass Pfandsammeln in Österreich vor allem eng mit finanziellen Belastungen verbunden ist, jedoch nur ein überschaubares Einkommen erbringt. 92 Prozent der Pfandsammler:innen nehmen pro Monat nämlich weniger als 50 Euro durch zurückgebrachtes Leergut ein – ein Betrag, der wirklich niemanden reich macht, doch für Betroffene oftmals einen spürbaren Unterschied bedeutet. In manchen Fällen (3 %) ist das Sammeln von Pfand sogar die einzige Einkommensquelle. Gleichzeitig zeigen die Zahlen, wie eng das Thema mit aktuellen Lebensrealitäten verknüpft ist. So geben 15 Prozent der Befragten an, erst aufgrund gestiegener Lebenshaltungskosten mit dem Pfandsammeln begonnen zu haben. Weitere 14 Prozent sammeln heute häufiger als früher.
"Uns ist bewusst, dass unsere Initiative Armut nicht lösen kann. Aber wir können sichtbar machen, was das Pfandsystem im Alltag bedeutet, und Verantwortung dort übernehmen, wo es konkret wird. Entweder wir stellen Pfandflaschen daneben oder wir akzeptieren, dass Menschen im Müll wühlen auf der Suche nach Geld. Genau hier setzt unsere Initiative an", so Fromme.
Das neue Pfandsystem, bei dem Pfand neben dem Mistkübel steht, kann auch die Wahrnehmung sozialer Ungleichheiten im öffentlichen Raum verändern. Somit versteht sich "Pfand gehört daneben" als Zeichen für einen respektvollen und solidarischen Umgang im Alltag.
www.fritz-kola.com
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