Ausstellung
Melissa Steckbauer in der Galerie Kandlhofer

| Gerhard Krispl / LEADERSNET-ART Herausgeber 
| 16.02.2026

Die Ausstellung "Am I Dreaming / on Titration" der Künstlerin Melissa Steckbauer ist noch bis zum 21. Februar in der Galerie Kandlhofer zu sehen.

"Der Rhythmus des Übergangs von einer universellen zu einer individuellen Erfahrung in unserer Realität gleicht dem einer sich mit den Jahreszeiten verändernden Wasserfall: mal überflutet und überwältigt von der Fülle an Berührungen und Bewegungen, mal kahl, schlicht und langsam in seiner Abgeschiedenheit. Der Impuls, ein Verständnis für dieses Leben zu erlangen, ist hilfreich, jedoch aus evolutionärer Sicht noch jung; er kann uns zu einem Verständnis von uns selbst als einzigartigem Individuum zurückführen und damit auch zu Ego, Trivialitäten und einer Organisation geistiger Funktionen, die in erster Linie auf das Überleben ausgerichtet ist. Hier kommen wir zu den wohl langweiligsten Klischees von Geld und Macht. Oftmals in der Somatik begründet, kann mit einem tiefen Atemzug des gemeinsamen, überfließenden Seins eine größere Symbiose entstehen; ein bedingungsloses psychisches Netz wird über ein imaginäres Bewusstsein geworfen – oder vielmehr darunter hervorgezogen –, und daraus entsteht eine so schwerfällige Empathie, dass jeder Versuch einer Beurteilung oder der Messung von Erfahrung und Komplexität als verfehlte Messung in einer grenzenlosen Landschaft erkennbar wird. Wird dieser Wert als gemeinsame Komplexität anerkannt, bringt dies Strahlkraft und Resonanz, ein Co- oder "Mit-Sein" zum Vorschein. Allerdings ist dieser bedingungslose Zustand nicht von Dauer, und es kommt schnell zu einer Rückkehr zu Individualität, Festigkeit und oft auch Trauer (oder Gewalt). Dieses Auf- und Absteigen macht das Leben musikalisch."
Text: Melissa Steckbauer

Melissa Steckbauer
Melissa Steckbauer, Untitled, 2025, Acryl auf Leinwand, 30,5x23cm ©Courtesy of the artist, Foto: Melissa Steckbauer

Steckbauer richtet ihren Fokus auf außer-menschliche Affekte, transgressives Verhalten und somatische Psychologie. In ihren Arbeiten untersucht sie dabei sowohl das ekstatische Potenzial als auch die gesellschaftlichen Formen von Scham. Zugleich sucht sie nach einer Sprache, mit der sich die Vielfalt des Bewusstseins an der Schwelle zwischen dem Immateriellen und dem Materiellen genauer beschreiben lässt.

Visuell reagiert sie gleichermaßen auf die Polarität, die entsteht, wenn man sich stark mit einer Gemeinschaft identifiziert – etwa durch die expansiven Aspekte von Zusammengehörigkeit und Solidarität – und auf die Gefühle von Isolation und Autonomie, die auftreten, wenn man eine singuläre Position einnimmt, sei es als Körper, Stimme oder durch Klarheit darüber, wo man steht – so überwältigend diese Empfindungen auch sein mögen. Dieses Gefühl verläuft parallel zu dem, was man in Körper-Werk-Gemeinschaften wie Massage, Reiki, Yoga, Bioenergetik oder BDSM erlebt: Eine zu enge Identifikation kann leicht sektenähnlich wirken, gleichzeitig kann das Fehlen eines Rahmens, in dem wir uns eng verbunden fühlen, dazu führen, dass wir uns verloren fühlen. Die Spannung zwischen diesen Polen ist ein deutlicher und zentraler Aspekt ihrer Arbeit.

Formal lassen sich hier vor allem Fragen der Malerei erkennen: egomanische Bestrebungen nach perfekter Materialgestaltung oder -konstruktion. Melissa Steckbauer arbeitet schnell über eine Reihe von Werken hinweg, statt sich innerhalb eines einzelnen Werkkörpers zu vertiefen. Der Versuch wird gegenüber Perfektion in der Wiederholung bevorzugt. Mit sich selbst als Betrachterin ist es ihr Ziel, sich von diesen Ergebnissen "berührt", erschüttert oder erregt zu fühlen.

Über die Künstlerin
Melissa Steckbauer wurde 1980 in Tucson, USA, geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Melissa Steckbauer war Mitglied des kollaborativen Künstlernetzwerks ƒƒ und Gründungsdirektorin des Ausstellungsraums 'The Wand'.Nach einer intensiven Auseinandersetzung mit der Malerei entwickelt sie nun Werke auf Papier, in dem sie die vielfältigen Facetten und Komplexitäten dieses Mediums erforscht. Seit 2006 arbeitet sie außerdem mit Fotografie. Melissa Steckbauers komplexe Formen und Kompositionen rufen Emotionen und menschliche Verbindungen hervor. Indem sie Papier als "Bildträger" verwendet, untersucht sie Verletzlichkeit und die Bedeutung des Teilens. Ihre Kunst lädt die Betrachter dazu ein, sich mit den Vielschichtigkeiten des Lebens auseinanderzusetzen.

Melissa Steckbauer
Am I Dreaming / on Titration
bis 21. Februar 2026
Galerie Kandlhofer
www.kandlhofer.com

Anmeldung zum LEADERSNET-ART Newsletter

In den "Daily Business News" von Opinion Leaders Network berichten wir ab sofort täglich auch über die Themen Kunst, Design und Kultur.
Alle 14 Tage erscheint LEADERSNET-ART und bringt die Highlights der Branche.

Herausgeber von LEADERSNET-ART ist Gerhard Krispl.

 

Anmeldung zum LEADERSNET-ART Newsletter

In den "Daily Business News" von Opinion Leaders Network berichten wir ab sofort täglich auch über die Themen Kunst, Design und Kultur.
Alle 14 Tage erscheint LEADERSNET-ART und bringt die Highlights der Branche.

Herausgeber von LEADERSNET-ART ist Gerhard Krispl.

 

leadersnet.TV