Leitzinserhöhung der EZB: Das sagen Österreichs Expert:innen

Der Leitzins steigt zum ersten mal seit elf Jahren – und das kräftig. Aber wie schnell wird das die Inflation dämpfen? Und wie wirkt es sich auf den Ausstieg aus der Gasabhängigkeit aus?

8,7 Prozent – so hoch war die Inflation im Juni in Österreich. Bei anderen Euro-Ländern sieht es nicht anders aus. Das hat die Europäische Zentralbank (EZB) jetzt zum Handeln veranlasst. Der Leitzins wird gleich um um ein halbes Prozent erhöht. Das beendet eine jahrelange Null-Zins-Politik.

Peter Brezinschek, Chefanalyst Raiffeisen Research, sagt gegenüber der ZIB: "Aber wie schnell wird sich diese Maßnahme bemerkbar machen? "Geldpolitik wirkt erst verzögert, natürlich wirkt sich das (die Erhöhung des Leitzinses, Anmerkung der Redaktion) nicht unmittelbar aus. Erst wenn mehrere Schritte gesetzt werden – und das ist im Laufe des Jahres zu erwarten – wird man dämpfende Effekte bei der Inflation bemerken können."

Laut Franz Pöltl, Geschäftsführender Gesellschafter der EHL Investment Consulting war der Schritt der Zentralbank vorhersehbar: "Die Mitteilung über die Anhebung der Leitzinsen kommt nicht überraschend. Der Zinsschritt der EZB war seit Längerem angekündigt und ist im Markt bereits eingepreist."

Auswirkungen auf den Übergang zur erneuerbaren Energie

Ein nicht ganz von der Inflation losgekoppeltes Thema ist auch die Energiekrise. Wie wirkt sich also die Leitzinserhöhung auf den Ausstieg von der Gasabhängigkeit aus? Cristian von Angerer, Chief Investment Officer bei Inyova, meint dazu: "Die EZB-Erhöhung wurde lange erwartet, um der Inflation in den EU-Ländern entgegenzuwirken. Ihre Auswirkungen auf die Gesamtwirtschaft und die Märkte sind den Marktteilnehmern ziemlich klar. Aber was bedeutet sie für die Nachhaltigkeit und den Übergang zu erneuerbaren Energien?

Die EZB hat beschlossen, ihre Leit-Zinssätze um 0,5 Prozent zu erhöhen – dies wird die Umstellung auf erneuerbare Energien noch schwieriger gestalten. Untersuchungen, darunter eine Analyse von Tobias Schmidt, Leiter der Energie- und Technologiepolitik an der ETH Zürich, zeigen, dass 75 Prozent der großen Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien hoch verschuldet sind und die Kosten für die Kapitalbeschaffung durch Zinsanstiege erheblich steigen könnten. Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass in einem Szenario mit einem moderaten Zinsanstieg die aufgrund des Wissens- und Technologiefortschritts niedrigeren Kosten von Solarkraftwerken durch höhere Zinsbelastungen kompensiert würden. D.h. höhere Zinsen könnten uns um Jahre im technologischen Fortschritt zurückwerfen."

www.ecb.europa.eu

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