"Was soll am Ende übrigbleiben?"

Gastkommentar von Ralf-Wolfgang Lothert, Mitglied der Geschäftsleitung und Director Corporate Affairs & Communication von JTI Austria.

Die diesjährige Eröffnung der Wiener Festwochen hat mich gleichermaßen inspiriert wie verwirrt. Und nach einigen Tagen des mich Sortierens will ich versuchen, dieser Verwirrung und Inspiration Struktur zu geben und die Frage zu beantworten: Was soll denn tatsächlich bleiben, wenn es unsere "last night on earth" wäre? Was sollten wir unbedingt auf die Reihe bekommen haben und was wäre dann gar nicht mehr so wichtig?

Gefühlte Normalität

Zwei Dinge vorweg: Erstens, die Festwocheneröffnung am Rathausplatz vor großem Publikum hat seit langer Zeit wieder ein Gefühl der Normalität aufkommen lassen. Menschen! Und so viele! Zusammen! Wann hat man das zuletzt gesehen? Zweitens: das Programm an eine (sehr!) junge Zielgruppe anzupassen war mit Sicherheit mutig, hat aber bestimmt nicht nur mich verwirrt zurückgelassen.

Daraus ergibt sich für mich folgende Antwort auf die Frage, was denn bleiben soll – und das ist das Miteinander. Ein von respektvollem Umgang geprägtes Aufeinander zugehen sowie Offenheit gegenüber den Dingen, die außerhalb der eigenen Komfortzone liegen. So wie – mit Verlaub – Young Hurn definitiv außerhalb MEINER Komfortzone liegt. Deshalb bezeichne ich es als überaus mutig, diesem von den jungen Menschen intensiv umjubelten Künstler eine solch renommierte Bühne zu bieten. Auch wenn ich persönlich nicht wirklich etwas damit anfangen kann, so bin ich der Meinung, dass gerade die Kunst uns die größte Offenheit abverlangen muss und wir sie deshalb als großen Lehrmeister verstehen sollten. Kunst soll alles dürfen und will das auch – deshalb kann sie uns am besten als Gradmesser für sowohl Akzeptanz als auch Offenheit dienen. Alle Sichtweisen müssen möglich sein, auch die, dass ich es für überaus betrüblich hielte, wenn lediglich diese Songtexte übrigblieben, wäre es unsere letzte Nacht auf Erden. Aber: leben und leben lassen.

 Neue Perspektive

Auf einen Nenner gebracht: man muss nicht alles gut finden und der großen Masse hinterherhecheln, nur um dazu zu gehören. Eine eigene Meinung und eine differenzierte Wahrnehmung zu haben ist sogar ungeheuer wichtig! Was es braucht, ist das redliche Bemühen, sich in die Position oder Situation des oder der anderen zu versetzen. Eine so eingenommene, neue Perspektive kann nämlich – wenn man sich ernsthaft einlässt – auch in höchstem Maße bereichernd sein.

So verstehen wir auch Teamarbeit bei JTI Austria. Dass neue Ideen, und mögen sie auf den ersten Blick noch so unkonventionell oder gar ausgeflippt erscheinen, ernsthaft einer Prüfung unterzogen und offen diskutiert werden. So kann Neues entstehen und Entwicklung stattfinden, die letzten Endes auch den Bestand sichert, das Ankommen in der Gegenwart und das Weitergehen in die Zukunft. Was im konkreten Fall 238 Jahre Unternehmensgeschichte bedeutet.

Blicken wir ins antike Rom zurück, liefert die Geschichte auch so manches Negativbeispiel von Herrschern, die jeden Tag lebten, als sei es ihr letzter – Stichwort "Wein, Weib & Gesang", ohne Rücksicht auf Verluste. Zum Glück hat sich dieses "Modell" auf Dauer nicht durchsetzen können, sondern wurde durch modernere Ansichten ersetzt, in denen sicher auch nicht immer alles friktionsfrei läuft, aber die zumindest die Bereitschaft erkennen lassen, es besser machen zu wollen.

 Einen Schritt zur Seite gehen

Wenn also demnächst jemand Ihre Komfortzone berührt, womöglich sogar durchbricht oder – um Archimedes zu zitieren – Ihre Kreise stört, gehen Sie einen Schritt zur Seite und versuchen Sie zu überblicken, ob es nicht auch ein Anstoß für eine neue Sichtweise sein könnte. Denn wenn es Ihre und meine "last night on earth" gewesen sein sollte, sollten wir doch auch selbst so viel wie möglich davon mitgenommen haben, nicht wahr?

Zum Glück wissen wir nicht, wann uns die „last night on earth“ bevorsteht, umso mehr sollte jede und jeder einzelne versuchen, für sich selbst herauszufinden, wie man bis dorthin gelebt haben will. Ich orientiere mich gerne an drei Leitsätzen: "carpe diem", "semper fi" und „als erster rein, als letzter raus“, die für mich eine gute Mischung aus Verlässlichkeit und Ernsthaftigkeit widerspiegeln, dabei trotzdem Leichtigkeit und Lebensfreude und – ganz wichtig! – Akzeptanz und Offenheit zulassen! Wenn ich es wüsste und es mir aussuchen könnte, so möchte ich meine letzte Nacht mit Familie und besten Freunden verbringen. Allein dies zu wissen, halte ich für einen sehr tröstlichen Gedanken, den ich auch Ihnen wünsche.

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