Geld ist Frauensache: Vier Schritte für den Weg in die finanzielle Unabhängigkeit

Sonja Ebhart-Pfeiffer und Eva-Maria Weidl, vom Österreichischen Verband Financial Planners, appellieren an Frauen, sich stärker mit den eigenen Finanzen auseinanderzusetzen. 

Finanzen werden für viele Frauen erfahrungsgemäß früher oder später zum Problem. Es sind meist Frauen, die in unglücklichen Beziehungen verharren, aus Angst, finanzielle Angelegenheiten alleine nicht stemmen zu können. Ebenfalls sind es insbesondere Frauen, die sich mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz herumschlagen, weil sie auf den (sicheren) Job angewiesen sind.

Im Gegenzug dazu sind es vor allem Männer, die über Finanzwissen verfügen, mehr verdienen und an der Börse investieren. Dabei sind aber Frauen diejenigen, für die Unabhängigkeit in Geld-Angelegenheiten wichtiger ist. Frauen gehen überdurchschnittlich oft Teilzeitarbeit nach, weil sie aufgrund der Familie beruflich zurückstecken, und sind daher gefährdet, später in die Altersarmut zu schlittern. Einer OECD-Studie zufolge ist in Österreich die Pension der über 65-jährigen Frauen im Schnitt um 39 Prozent niedriger als bei Männern.

Rückschritt durch die Pandemie

Eva-Maria Weidl, Vorstandsmitglied im Verband Financial Planners und Leitung Family Wealth im Bankhaus Carl Spängler in Salzburg, ist überzeugt, dass sich die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern durch die Corona-Krise erheblich verschärft hat: "Frauen reduzieren häufiger ihre Arbeitszeit, ihr Anteil an der Sorgearbeit nimmt aber noch weiter zu und sie leiden unter überdurchschnittlich hohen Mehrbelastungen. Zudem sind frauendominierte Branchen, wie der Handel, Tourismus und Kultur sowie Kunst von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit stärker betroffen."

Dass Frauen ihr Geld überhaupt selbst in die Hand nehmen dürfen, ist ein feministischer Meilenstein: Erst seit 1957 dürfen Frauen in Österreich ein eigenes Bankkonto eröffnen, ohne ihren Gatten um Erlaubnis zu bitten. "Fehlendes Selbstbewusstsein und fehlendes Wissen hält sie oft davon ab, das Heft in die Hand zu nehmen", so Ebhart-Pfeiffer, ebenfalls Vorstandsmitglied und Senior Consultant beim Finanzdienstleister FiNUM.Private Finance. Der Verband plädiert dafür, dass sich Frauen gerade jetzt proaktiv mit ihren Finanzen auseinandersetzen sollten. Ebhart-Pfeiffer und Weidl empfehlen dafür vier Schritte.

1. Karten auf den Tisch: Über Geld sprechen

"Über Geld spricht man nicht", lautet ein ungeschriebenes Gesetz in Österreich. Vor allem als Frau, heißt es in einem stummen Nebensatz. "Wir sind häufig lieber bescheiden, schließlich wollen wir andere nicht neidisch machen oder unangenehm auffallen. Dabei sollten wir uns viel mehr austauschen. Nur wenn wir dieses Tabu brechen, können wir unsere eigenen Finanzen reflektieren, vergleichen und dazulernen. Beispielsweise können wir unseren eigenen Wert besser einschätzen, wenn wir wissen, wie Vergleichsgehälter aussehen. Hier gibt es neben dem persönlichen Gespräch die Möglichkeit, sich anonym auf Online-Portalen oder Social-Media-Gruppen auszutauschen", so Weidl.

Im familiären Umfeld sollte die Problematik "Teilzeitfalle", in der sich Mütter häufig wiederfinden, proaktiv angesprochen werden. Die Höhe des Einkommens als Bemessungsgrundlage für die Pension wird nämlich über alle Berufsjahre hinweg gerechnet, nicht nur über die "Bestverdiener-Zeit".

2. Gesunden Egoismus verinnerlichen: Im Job und darüber hinaus

Die Feministin Simone de Beauvoir sagte schon vor 70 Jahren: "Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen. Sie bekommen nichts." Der Gender Pay Gap liegt aktuell in Österreich bei 14,3 Prozent – das heißt, Frauen bekommen für die exakt gleiche Arbeit rund vierzehn Prozent weniger bezahlt als Männer.

"Der Gender Pay Gap hat mehrere Ursachen aber eine davon ist sicherlich, dass Männer ihre Gehälter besser verhandeln. So setzen Frauen schon bei Vorstellungsgesprächen zu gering an oder verzichten auf Zusatzleistungen, wie ein Firmenauto. Und hat man sich einmal unter Wert verkauft, findet man sich damit irgendwann ab", meint Ebhart-Pfeiffer dazu.

"Wer darauf wartet, dass der Chef oder die Chefin auf einen zukommt, seine tolle Leistung lobt und mit einer dicken Gehaltserhöhung belohnt, wird ewig warten. Anlässe wie größere Verantwortung oder gelungene Projekte sollten aktiv genutzt werden, um zu verhandeln. Männer agieren hier eher nach dem Motto ,Frechheit siegt' und pokern hoch", ergänzt Weidl.

3. Es zählt nicht nur die Liebe: Weg mit der rosaroten Brille

2019 lag die Scheidungsrate in Österreich bei rund 40 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass man als Frau in eine solche Situation gerät, ist dementsprechend hoch. Dies kann schnell zu einer finanziellen Schieflage führen, wenn der Ex-Partner größtenteils für die Versorgung zuständig war. Die beiden Finanzberaterinnen raten, ab dem Moment, in dem Frauen ihrem ersten Vollzeit-Job nachgehen, monatlich zehn bis 15 Prozent des Nettoeinkommens langfristig für die Pension auf die Seite zu legen. Vor allem das Kinderglück wird von Frauen teuer bezahlt. Denn oft werden auch bereits mit Eintritt in die Schwangerschaft alle laufenden Sparpläne in die Altersvorsorge gestoppt.

"Ein großer Fehler", so Ebhart-Pfeiffer, die in diesem Zusammenhang auch mehr Solidarität von den Männern einfordert. "Hier müssen auch die Väter Verantwortung übernehmen. Sie sollten innerhalb der Familie einen Ausgleich schaffen und die Altersvorsorge-Sparpläne ihrer Frauen übernehmen", sagt sie. Weiters gibt es auch die Möglichkeit, in der gesetzlichen Pensionsvorsorge ein sogenanntes Pensionssplitting zu beantragen. Wenn der Mann erwerbstätig ist und der Frau die Betreuung der gemeinsamen Kinder obliegt, kann ein freiwilliges Splitting für die ersten vier Lebensjahre des Kindes vereinbart werden. Die Frau erhält dann eine Gutschrift von ihrem Partner, die ihre eigene Pension erhöht. Der Antrag muss bis zum vollendeten siebenten Lebensjahr des Kindes gestellt werden. "Freiwillig wird das Pensionssplitting noch zu wenig genutzt, obwohl es bereits seit 2005 existiert. Hier ist die Politik gefordert, um die Pensionslücke zumindest teilweise zu entschärfen", ist Weidl überzeugt.

4. Wissen ist Macht: In Finanzbildung investieren

Finanzielle Selbstbestimmung bedeutet Freiheit – in diesem Sinne rät Ebhart-Pfeiffer einen wirtschaftlichen Polster für finanzielle Engpässe aufzubauen. Als Notgroschen empfiehlt sie zwei bis drei Nettomonatsgehälter. Diese Liquiditätsreserve kann gut auf einem Tagesgeldkonto hinterlegt werden. Damit das Hab und Gut auf dem klassischen Girokonto inflationsbedingt nicht weniger wird, führt kein Weg an höherwertiger Geldanlage, wie beispielsweise in Aktien(fonds), vorbei.

Für einen langfristigen, auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichteten Plan zur Altersvorsorge setzt man am besten auf qualifizierte Beratung durch einen zertifizierten Finanzplaner – eine umfassende Auswahl finden Interessierte auf der Website des Verbandes Financial Planners unter cfp.at. Darüber hinaus empfiehlt Weidl: "Die Aneignung von Basiswissen ist für eine Frau kein Luxus, sondern notwendig. Denn wer nichts weiß, muss alles glauben. Wissenswertes gibt es beispielsweise auf der Website des Verbandes oder, konkret auf Frauen und Finanzen ausgerichtet, auf der Website der 'Damensache' und auf den Blogs von 'Madame Moneypenny' und 'Es geht ums Geld'." (red)

www.cfp.at

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