Der Kran- und Hebetechnikhersteller Palfinger hat in den ersten neun Monaten 2026 einen Umsatz von 1.616,7 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis (EBIT) von 120,7 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Konzernergebnis fiel mit minus 61,5 Millionen Euro negativ aus. Angesichts schwieriger Marktbedingungen und geopolitischer Unsicherheiten will das Unternehmen seine Kosten senken und sich stärker auf das Kerngeschäft konzentrieren. Bis 2028 sind Einsparungen von 50 Millionen Euro vorgesehen.
Maßnahmen zur Verbesserung
Die Geschäftsentwicklung von Palfinger wurde in den ersten drei Quartalen 2026 insbesondere durch die schwache Konjunktur in Deutschland und die anhaltende Investitionsrückhaltung in den USA beeinträchtigt. Hinzu kamen geopolitische Herausforderungen, die sich unter anderem auf die Bewertung der russischen Unternehmensaktivitäten auswirkten.
Der Konzern hat deshalb mehrere Maßnahmen zur Verbesserung seiner wirtschaftlichen Position eingeleitet. Neben einem erweiterten Effizienzprogramm gehören dazu organisatorische Veränderungen, eine Anpassung des Produktportfolios sowie Schritte zur Verringerung bestehender Risiken.
"Wir können geopolitische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen nicht beeinflussen, unsere Entscheidungen jedoch sehr wohl. Deshalb haben wir im dritten Quartal unser Portfolio angepasst, unser Effizienzprogramm erweitert und unsere Organisation konsequent näher an die Märkte gebracht. Damit stärken wir die Resilienz von Palfinger", so Andreas Klauser, CEO der Palfinger AG.
Nachfrage entwickelt sich regional unterschiedlich
In den internationalen Absatzmärkten zeigte sich während der ersten neun Monate ein uneinheitliches Bild. Während Palfinger in Nord- und Südeuropa eine stabile Nachfrage verzeichnete, blieb die Geschäftsentwicklung in Deutschland hinter den Erwartungen zurück. Das Land ist der größte Absatzmarkt des Konzerns innerhalb der Region EMEA. Die erhofften positiven Auswirkungen des deutschen Infrastrukturpakets seien bislang ausgeblieben.
Auch in Nordamerika blieb die wirtschaftliche Situation angespannt. Zwar deutete sich im Nutzfahrzeugmarkt eine erste Erholung an, in wichtigen Produktbereichen bewegte sich die Nachfrage in den USA jedoch weiterhin auf niedrigem Niveau. Aufgrund der zurückhaltenden Investitionstätigkeit vieler Kund:innen waren die Produktionskapazitäten nur eingeschränkt ausgelastet, was die Profitabilität belastete.
Eine positive Entwicklung gab es hingegen im Geschäft mit Ladekranen. Dieses erreichte ein Rekordniveau, wozu unter anderem Investitionen in Rechenzentren beitrugen.
In Lateinamerika entwickelte sich das Geschäft trotz insgesamt schwächerer Marktbedingungen solide. Zusätzliche Nachfrage kam insbesondere aus der Bergbauindustrie. Erfreulich verlief auch die Entwicklung im Marine-Segment. Sowohl Marine- und Windkrane als auch das Kreuzfahrtgeschäft profitierten von einer anhaltend guten Marktlage. Darüber hinaus entwickelte sich das Geschäft mit öffentlichen Auftraggebern und Behörden positiv.
Einsparungen von 50 Millionen Euro bis 2028 vorgesehen
Um die Kostenstruktur zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen, hat Palfinger sein bereits im ersten Halbjahr angekündigtes Effizienzprogramm erweitert. Das Unternehmen strebt damit bis 2028 Einsparungen in Höhe von 50 Millionen Euro an. Maßnahmen im Umfang von 25 Millionen Euro sollen bereits ab 2027 wirksam werden.
Im Mittelpunkt stehen die Vereinfachung interner Abläufe und Organisationsstrukturen sowie Verbesserungen im weltweiten Produktions- und Beschaffungsnetzwerk. Darüber hinaus sollen automatisierte Prozesse und der verstärkte Einsatz Künstlicher Intelligenz zu einer höheren Produktivität beitragen.
Mit den geplanten Veränderungen wolle der Konzern seine Kostenbasis trotz Inflation und weiterem Wachstum stabil halten. Langfristig sollen die Einsparungen auch zu einer Verbesserung der Profitabilität beitragen.
Neue Organisationsstruktur soll Entscheidungen beschleunigen
Parallel zu den Kostensenkungsmaßnahmen hat Palfinger seine internen Zuständigkeiten neu geordnet. Im Rahmen des Organisationsprojekts nextGPO (Global Palfinger Organization) erhalten die einzelnen Regionen mehr Verantwortung für ihre Geschäftsergebnisse. Damit sollen Entscheidungen künftig schneller und unter stärkerer Berücksichtigung der jeweiligen Marktbedingungen getroffen werden können.
Als konkretes Ergebnis dieser regionalen Ausrichtung verweist Palfinger auf einen im Oktober 2026 gewonnenen Großauftrag in Nordamerika. Ein strategischer Kunde bestellte Mitnahmestapler samt Servicevertrag im Gesamtwert von 39 Millionen US-Dollar. Die Auslieferung ist für die kommenden zwölf Monate vorgesehen.
Verkauf des Tail-&-Passenger-Lift-Geschäfts geplant
Ein weiterer Bestandteil der strategischen Neuausrichtung ist die geplante Veräußerung des Geschäftsbereichs Tail & Passenger Lift. Palfinger hat dazu einen bindenden Vorvertrag mit einem strategischen Investor unterzeichnet. Durch den Verkauf sollen finanzielle Mittel und Managementressourcen künftig stärker auf das Kerngeschäft mit Kran- und Hebelösungen konzentriert werden.
Die Transaktion ist allerdings noch nicht abgeschlossen. Neben weiteren vereinbarten Bedingungen ist auch die Zustimmung des deutschen Bundeskartellamts erforderlich. Nach derzeitiger Einschätzung des Unternehmens könnte der Verkauf Ende 2026 oder Anfang 2027 abgeschlossen werden.
Russische Aktivitäten führen zu hoher Wertberichtigung
Neben der Anpassung des Geschäftsportfolios arbeitet der Konzern daran, seine russischen Aktivitäten rechtlich stärker vom übrigen Konzern abzugrenzen. Dadurch sollen die mit dem Geschäft verbundenen Risiken reduziert werden. Im Zuge dieser Maßnahmen wurde eine Neubewertung der russischen Vermögenswerte vorgenommen. Daraus ergibt sich eine einmalige Wertberichtigung von rund 135 Millionen Euro, die das Konzernergebnis belastet.
Da es sich um eine nicht zahlungswirksame Abschreibung handelt, sollen laut Unternehmen sowohl das operative Ergebnis als auch der Cashflow davon unberührt bleiben. Palfinger ist weiterhin Eigentümer der russischen Gesellschaften.
Zusammen mit weiteren Bewertungseffekten im Zusammenhang mit dem geplanten Verkauf des Tail-&-Passenger-Lift-Geschäfts trug diese Wertberichtigung zum negativen Konzernergebnis von 61,5 Millionen Euro in den ersten neun Monaten bei.
Umsatz soll 2026 leicht über Vorjahresniveau liegen
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Palfinger weiterhin mit herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Nach aktueller Einschätzung dürfte der Umsatz geringfügig über dem Vorjahreswert liegen. Beim operativen Ergebnis (EBIT) erwartet der Konzern hingegen einen leichten Rückgang.
Das Konzernergebnis werde durch die Neubewertungen der russischen Aktivitäten und des Geschäftsbereichs Tail & Passenger Lift beeinflusst. Da die damit verbundenen Abschreibungen den Cashflow nicht beeinträchtigten, werde der Vorstand dem Aufsichtsrat einen Dividendenvorschlag unterbreiten.
Auch die langfristigen Unternehmensziele wurden überprüft. Palfinger hat seine Umsatzprognose für 2030 auf 2,8 Milliarden Euro angepasst. An den bisherigen Profitabilitätszielen hält der Konzern jedoch fest. Bis 2030 sollen weiterhin eine EBIT-Marge von zwölf Prozent und eine Kapitalrendite (ROCE) von 15 Prozent erreicht werden.
www.palfinger.com
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