Weltneuheit
Innsbrucker Unternehmen entwickelt erstes unsichtbares Cochlea-Implantat

| Larissa Bilovits 
| 30.09.2026

Rund um die Uhr und auch im Schlaf hören war für Cochlea-Implantat-Träger:innen bislang nicht möglich. In Wien und St. Pölten wurden diese Woche die ersten Patient:innen außerhalb einer Studie versorgt.

Rund 1,6 bis 1,7 Millionen Menschen leben laut Schätzungen des Österreichischen Schwerhörigenbunds hierzulande mit einer Hörminderung. Und weil die Bevölkerung zunehmend altert, dürften es künftig noch mehr werden. Den meisten Betroffenen hilft ein Hörgerät, das den Schall verstärkt. Ist das Innenohr jedoch zu stark geschädigt, bringt auch die beste Verstärkung nichts mehr. Allein bei den über 65-Jährigen betrifft das nach Angaben von HNO-Fachleuten der MedUni Wien rund 220.000 Personen.

Für eben solche Fälle gibt es seit Jahrzehnten das Cochlea-Implantat, das die beschädigten Sinneszellen umgeht und den Hörnerv direkt elektrisch reizt. Ganz unauffällig ist diese Lösung allerdings bislang nicht, denn Mikrofon und Audioprozessor werden außen am Kopf getragen, meist hinter dem Ohr. Das kann durchaus eine Hürde sein, da sich laut HNO-Fachleuten viele Betroffene aus Scham gar keine Hilfe holen. Dazu kommt die eingeschränkte Alltagstauglichkeit vieler Modelle, die ohne Schutzhülle nicht wasserfest sind und dementsprechend beim Duschen oder Schwimmen abgenommen werden müssen. Und auch in der Nacht bleibt das Gerät meist am Nachttisch, da es im Liegen stören kann. Abhilfe schaffen soll nun das neueste Modell eines Innsbrucker Unternehmens.

Mikrofon sitzt unter der Haut

Konkret handelt es sich beim neuen Modell "Tici Unico" laut Angaben des heimischen Herstellers MED-EL um das weltweit erste Cochlea-Implantat, das vollständig implantiert wird. Neu ist vor allem das Mikrofon, das nicht mehr außen am Kopf, sondern unter der Haut sitzt und den Schall durch das Gewebe hindurch aufnimmt. Technisch galt das lange als kaum lösbar, entsprechend habe man rund 15 Jahre für die Entwicklung gebraucht. Der Rest funktioniert wie gewohnt, die Signale gelangen als elektrische Impulse über eine Elektrode in der Hörschnecke zum Hörnerv.

Tici-UnicoAufbau des "Tici Unico". © MED-EL

Laut den bisherigen Studiendaten des Herstellers sollen Nutzer:innen damit ähnlich gut hören wie mit einem herkömmlichen Implantat. Weil nichts mehr abgenommen werden muss, fallen die Unterbrechungen beim Schlafen, Duschen, Sport oder Schwimmen weg.

Ganz ohne Zubehör kommt aber auch Tici Unico nicht aus, denn der implantierte Akku muss regelmäßig über ein Ladegerät aufgeladen werden, das dafür von außen über dem Implantat angesetzt wird – gehört wird auch währenddessen. Zudem sollen auch MRT-Untersuchungen unter bestimmten Bedingungen möglich sein. "Für mich ist ein Traum wahr geworden, den ich seit Beginn unserer Arbeit gehabt habe", erklärt Ingeborg Hochmair, die das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Mann Erwin gegründet hat und heute als CEO führt.

Erste reguläre Eingriffe in Wien und St. Pölten

Wie sich das System im Alltag bewährt, wurde unter anderem an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde von MedUni Wien und AKH Wien untersucht. Fünf Patient:innen haben dort im Rahmen einer klinischen Studie bereits ein Tici erhalten, am Dienstag folgten im AKH Wien und am Universitätsklinikum St. Pölten die ersten beiden Eingriffe außerhalb einer Studie. "Im Mittelpunkt steht dabei nicht die Technik an sich, sondern die Frage, was sie unseren Patient:innen ermöglicht: hören zu können, ohne dass ein sichtbares Gerät Teil ihres Alltags sein muss", hält Klinikleiter Christoph Arnoldner fest.

Einer der ersten Nutzer:innen in Österreich ist Harald. "Dass ich das erste Schreien meines Sohnes hören konnte und heute jedes Lachen und Planschen beim Schwimmen miterlebe, bedeutet mir alles. Das Tici hat mir nicht nur das Hören ermöglicht, sondern mir ein Stück Freiheit und Unbeschwertheit zurückgegeben", erzählt er.

Wer infrage kommt und was noch offen ist

Grundsätzlich gelten dieselben Kriterien wie beim klassischen Cochlea-Implantat. Infrage kommen also Menschen mit schwerer bis hochgradiger Innenohrschwerhörigkeit, denen Hörgeräte nicht mehr ausreichend helfen, eine Altersgrenze nach oben gibt es nicht. Ob der Eingriff im Einzelfall sinnvoll ist, klären Voruntersuchungen an einer darauf spezialisierten Klinik, eine Operation ist wie bei jedem Cochlea-Implantat nötig. Das bisherige System mit externem Prozessor bietet Med-El weiterhin an.

Die Erfahrungswerte sind allerdings noch überschaubar, weltweit tragen laut Hersteller derzeit rund 40 Menschen ein Tici. Das System ist CE-zertifiziert und wird aktuell in mehreren europäischen Ländern eingeführt. Einen Preis hat Med-El bisher nicht genannt. Bei klassischen Cochlea-Implantaten übernimmt in Österreich die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten, für die neue Variante gibt es dazu noch keine Angaben.

Mehr Informationen zum Implantat finden Sie hier.

www.medel.com

Das "Tici Unico" im Überblick

  • Komplett unsichtbare Hörlösung ohne externe Komponenten
  • Implantierte Mikrofontechnologie nimmt Schall durch die Haut auf
  • Hören ohne Unterbrechung, bei Tag und Nacht, auch im Schlaf
  • Rund um die Uhr hören, sogar im Wasser
  • Keine externen Komponenten zum Tragen und Abnehmen und damit weniger Aufwand im Alltag
  • Keine Sorgen um Verlust, Beschädigung oder Wartung des externen Prozessors
  • Für Nutzer:innen, die Wert auf eine unauffällige Hörlösung legen
  • Hörleistung mit der von klassischen Cochlea-Implantaten von MED-EL vergleichbar
  • Wiederaufladbares System für langfristige tägliche Nutzung
  • Bedingt MR-sicher bei 1,5 und 3 Tesla

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Das "Tici Unico" im Überblick

  • Komplett unsichtbare Hörlösung ohne externe Komponenten
  • Implantierte Mikrofontechnologie nimmt Schall durch die Haut auf
  • Hören ohne Unterbrechung, bei Tag und Nacht, auch im Schlaf
  • Rund um die Uhr hören, sogar im Wasser
  • Keine externen Komponenten zum Tragen und Abnehmen und damit weniger Aufwand im Alltag
  • Keine Sorgen um Verlust, Beschädigung oder Wartung des externen Prozessors
  • Für Nutzer:innen, die Wert auf eine unauffällige Hörlösung legen
  • Hörleistung mit der von klassischen Cochlea-Implantaten von MED-EL vergleichbar
  • Wiederaufladbares System für langfristige tägliche Nutzung
  • Bedingt MR-sicher bei 1,5 und 3 Tesla

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