Weibliche Führungskräfte
Frauenanteil in Österreichs Börsenvorständen erreicht neuen Rekord

| Tobias Seifried 
| 29.09.2026

Von 190 Vorstandsmandaten der untersuchten Börsenunternehmen sind immer mehr weiblich besetzt. Auch in den Aufsichtsräten steigt der Anteil. Mehr als die Hälfte der Vorstandsteams besteht dennoch ausschließlich aus Männern.

Der Frauenanteil in den Führungsgremien österreichischer Börsenunternehmen ist weiter gestiegen. Laut dem aktuellen Mixed Leadership Barometer von EY Österreich sind 29 der insgesamt 190 Vorstandsmandate in den 55 untersuchten Unternehmen des Wiener Börse Index (WBI) mit Frauen besetzt. Das entspricht 15,3 Prozent und markiert einen neuen Höchstwert.

Gegenüber Jahresbeginn kamen zwei weibliche Vorstandsmitglieder hinzu, wodurch der Anteil von 13,8 auf 15,3 Prozent stieg. Langfristig ist die Veränderung deutlicher: Im Juli 2015 waren lediglich sieben von 169 Vorstandsmitgliedern weiblich. Seither hat sich die Quote damit mehr als verdreifacht.

Mehr als die Hälfte der Vorstände weiterhin rein männlich

Trotz des Höchststands bleibt das Geschlechterverhältnis auf Vorstandsebene deutlich unausgewogen. Nur 25 der 55 untersuchten Unternehmen verfügen über mindestens eine Vorständin. Bei 30 Unternehmen beziehungsweise 55 Prozent besteht der Vorstand ausschließlich aus Männern.

Mehr als eine Frau im Vorstand haben überhaupt nur drei Unternehmen: Oberbank, Raiffeisen Bank International und Vienna Insurance Group. 

Zum Vergleich: Vor einem Jahr hatte EY für die WBI-Unternehmen noch einen Frauenanteil von 13,8 Prozent ausgewiesen. Damals waren 26 von 189 Vorstandsmitgliedern Frauen und 57 Prozent der untersuchten Vorstandsteams ausschließlich männlich besetzt (LEADERSNET berichtete).

"Der neue Höchstwert und die erstmalige Bestellung einer Frau an die Spitze eines WBI-Unternehmens sind positive Signale, aber noch kein struktureller Durchbruch", sagt Helen Pelzmann, Partnerin bei EY Law und Verantwortliche der Initiative "Women. Fast Forward" bei EY Österreich. Solange mehr als die Hälfte der Unternehmen ohne Frau im Vorstand auskomme, bleibe die operative Führung weit von einer ausgewogenen Besetzung entfernt. 

Emma Delaney beendet lange Durststrecke

Auch auf der obersten Führungsebene hat sich die Situation inzwischen verändert. Seit 1. September steht Emma Delaney als CEO an der Spitze der OMV. Damit wird erstmals seit 13 Monaten wieder eines der 20 ATX-Unternehmen von einer Frau geführt. Zugleich ist Delaney die erste Vorstandsvorsitzende in der Geschichte des Energie- und Chemiekonzerns (LEADERSNET berichtete).

Bezogen auf alle 55 WBI-Unternehmen liegt der Anteil weiblicher CEOs laut EY dennoch bei lediglich 1,8 Prozent. 

Die Vorständinnen übernehmen dabei zunehmend operative Verantwortung. Elf Frauen verantworten operative Bereiche, darunter zwei als COO. Zehn fungieren als CFO, sieben weitere führen Zentralfunktionen wie Personal, Recht, Risiko oder Forschung. 

Aufsichtsräte kommen deutlich schneller voran

Größer ist der Frauenanteil in den Kontrollgremien. Von insgesamt 526 Aufsichtsratsmandaten sind aktuell 174 weiblich besetzt. Das entspricht 33,1 Prozent und ebenfalls einem Höchstwert. Seit Jahresbeginn kamen acht weibliche Mandate hinzu.

50 der 55 untersuchten Unternehmen haben zumindest eine Frau im Aufsichtsrat, 40 mindestens zwei. Nur noch fünf Unternehmen verfügen über ein ausschließlich männlich besetztes Kontrollgremium. 

Auch hier zeigt der Vorjahresvergleich eine Bewegung: Im Sommer 2025 lag der Frauenanteil laut EY noch bei 31,5 Prozent; damals verfügten acht Unternehmen über ausschließlich männliche Aufsichtsräte.

Neue 40-Prozent-Vorgabe erhöht den Druck

Zusätzliche Bewegung dürfte die seit 30. Juni 2026 geltende Rechtslage bringen. Für Aufsichtsräte börsenotierter Gesellschaften gilt nun eine Zielgröße von jeweils 40 Prozent Frauen und Männern. Die Vorgaben greifen bei Wahlen und Entsendungen nach dem 31. Dezember 2026; bestehende Mandate bleiben bis zum Ende ihrer Funktionsperiode bestehen.

28 der 55 von EY untersuchten Unternehmen erfüllen die gesetzliche Zielgröße nach ihrer derzeitigen Zusammensetzung bereits. Die übrigen 27 müssen sich bei künftigen Besetzungen schrittweise annähern. Eine verpflichtende Mindestbesetzung für Vorstände sieht das beschlossene Gesetz hingegen nicht vor. 

Energiebranche hat höchsten Frauenanteil im Vorstand

Zwischen den Branchen bestehen weiterhin deutliche Unterschiede. Bei Energieversorgern und Energieunternehmen sind vier von 16 Vorstandsmandaten weiblich besetzt, womit die Branche mit 25 Prozent den höchsten Anteil erreicht. Dahinter folgen die Finanzbranche mit 20,8 Prozent, Transport und Logistik mit 20 Prozent sowie Konsumgüter mit 18,8 Prozent.

In der Automobilbranche und Telekommunikation findet sich zum Stichtag hingegen keine Frau im Vorstand. Bei den Aufsichtsräten liegt die Finanzbranche mit einem Frauenanteil von 38,6 Prozent an der Spitze. 

www.ey.com

Über die Studie

Für das EY Mixed Leadership Barometer Österreich wurden die Vorstände sowie Aufsichts- und Verwaltungsräte jener 55 österreichischen Unternehmen untersucht, die zum Stichtag 1. September 2026 im Wiener Börse Index gelistet waren.

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Über die Studie

Für das EY Mixed Leadership Barometer Österreich wurden die Vorstände sowie Aufsichts- und Verwaltungsräte jener 55 österreichischen Unternehmen untersucht, die zum Stichtag 1. September 2026 im Wiener Börse Index gelistet waren.

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