Österreich hat sich im internationalen Vergleich der Innovationsstandorte verbessert. Im aktuellen Global Innovation Index der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) steigt die Republik unter 139 untersuchten Volkswirtschaften von Rang 19 auf Platz 18 und bleibt damit unter den 25 innovativsten Ländern der Welt.
Interessant ist vor allem der Blick hinter die Gesamtplatzierung. Bei den Rahmenbedingungen für Innovation – darunter Institutionen, Infrastruktur und Humankapital – rutschte Österreich von Platz 17 auf 19 zurück. Deutlich besser entwickelten sich dagegen die tatsächlichen Innovationsergebnisse, zu denen etwa wissenschaftliche Publikationen und Patente zählen: Hier verbesserte sich Österreich von Rang 21 auf Platz 17.
Bei Forschung weltweit auf Platz sieben
Eine der größten Stärken bleibt Forschung und Entwicklung. Bei den Investitionen in F&E erreicht Österreich laut Global Innovation Index weltweit Platz sieben. Berücksichtigt werden dabei sowohl der öffentliche Bereich als auch die Forschungsausgaben der Unternehmen.
Auch bei internationalen Patentanmeldungen sowie wissenschaftlichen Publikationen aus öffentlicher Forschung und Industrie zählt Österreich zu den zehn bestplatzierten Ländern.
Hinzu kommt eine vergleichsweise schnelle Verbreitung neuer Technologien. Zwischen 2015 und 2025 nahm der Robotereinsatz laut den für den Index herangezogenen Daten jährlich um rund zehn Prozent zu. Der Anteil von Elektrofahrzeugen erhöhte sich im selben Zeitraum im Schnitt sogar um knapp 50 Prozent pro Jahr.
Schwachstelle bleibt die wirtschaftliche Verwertung
Der Blick auf die Detailergebnisse zeigt allerdings auch, wo Österreich weiterhin Aufholbedarf hat. Schwächen bestehen insbesondere bei der Verfügbarkeit von Risikokapital sowie bei der wirtschaftlichen Nutzung immaterieller Vermögenswerte und Zahlungen für geistiges Eigentum.
Damit wird eine für den Standort wesentliche Frage sichtbar: Österreich investiert international vergleichsweise viel in Forschung und erzielt zahlreiche wissenschaftliche und technologische Ergebnisse – entscheidend bleibt aber, daraus verstärkt wirtschaftliche Wertschöpfung und Wachstum zu generieren.
"Der Index zeigt auch, woran wir noch arbeiten müssen – vor allem daran, innovative Ideen noch stärker wirtschaftlich zu nutzen", sagt Stefan Harasek, Präsident des Österreichischen Patentamts (hier geht es zu unserem Interview). Dass Österreich bei internationalen Patentanmeldungen gut abschneidet, zeige zugleich, dass heimische Forschung und Industrie international schutzfähige Lösungen hervorbringen.
Hanke sieht beim Risikokapital Handlungsbedarf
Auch Innovationsminister Peter Hanke sieht in diesem Bereich weiteren Handlungsbedarf. "Jetzt geht es darum, auch beim Risikokapital stärker zu werden und mehr davon für heimische Innovationen zu mobilisieren."
Die Ergebnisse zeigten laut Hanke gleichzeitig, dass neue Technologien hierzulande vergleichsweise rasch praktische Anwendung finden. Als Beispiele nennt er den zunehmenden Einsatz von Robotern in der Industrie und die Verbreitung von Elektroautos.
Weitere 50 Millionen Euro für Unternehmensinvestitionen
Parallel zum besseren Abschneiden im Innovationsranking erhöht die Bundesregierung nun auch den finanziellen Spielraum für Unternehmensinvestitionen. Das ERP-Kreditprogramm für 2026 wird um 50 Millionen Euro von 500 auf 550 Millionen Euro aufgestockt. Das ursprünglich vorgesehene Jahresvolumen ist nach Angaben des Wirtschaftsministeriums bereits vollständig ausgeschöpft.
Über das von der Austria Wirtschaftsservice (aws) abgewickelte Programm können Unternehmen zinsgünstige Kredite für Gründungen, Modernisierung, Wachstum und Innovation erhalten. Die zusätzlichen Mittel stammen aus nicht ausgeschöpften Kreditzusagen früherer Jahre.
"Die Nachfrage zeigt, dass unsere Unternehmen investieren wollen", sagt Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Mit der Aufstockung solle zusätzlicher Finanzierungsspielraum für Betriebe geschaffen werden, die ihren Standort weiterentwickeln und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken wollen.
Schlüsseltechnologien werden günstiger finanziert
Gleichzeitig richtet die Regierung das ERP-Programm stärker auf die neun Schlüsseltechnologien der Industriestrategie Österreich 2035 aus. Investitionen in diesen Bereichen erhalten künftig einen Zinsvorteil von 0,25 Prozentpunkten.
Ab 1. Oktober beträgt der jährliche Zinssatz 2,375 statt regulär 2,625 Prozent. Bei einem ERP-Kredit über 3,5 Millionen Euro kann die Zinsersparnis nach Angaben des Wirtschaftsministeriums über die gesamte Laufzeit bis zu 50.000 Euro erreichen.
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner verweist insbesondere auf Investitionen in neue Maschinen, moderne Produktionsanlagen und energieeffiziente Verfahren. Bei Energietechnologien könne damit sowohl die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt als auch die Abhängigkeit von Energieimporten reduziert werden.
Forschung allein reicht nicht
Zusammengenommen zeichnen Innovationsranking und Investitionsprogramm damit ein differenziertes Bild des Standorts. Österreich verfügt über eine starke Forschungsbasis und verbessert sich bei den daraus hervorgehenden Innovationsergebnissen deutlich. Gleichzeitig zeigen die Schwächen bei Risikokapital und wirtschaftlicher Verwertung, dass gute Forschung allein noch keine Garantie für entsprechenden wirtschaftlichen Erfolg ist.
Die zusätzlichen ERP-Mittel setzen bei Unternehmensinvestitionen an. Ob die Aufstockung um 50 Millionen Euro und die günstigeren Konditionen für Schlüsseltechnologien dazu beitragen können, die Lücke zwischen Innovationsleistung und wirtschaftlicher Nutzung zu verkleinern, wird sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen.
www.bmwet.gv.at
www.wipo.int
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