Fotos & Video der LexisNexis-Veranstaltung
Compliance Solutions Day rückte menschliche Risiken im KI-Zeitalter in den Fokus

Bei der LexisNexis-Fachtagung in Wien ging es darum, wie Compliance-Abteilungen auf neue Risiken reagieren – und weshalb Regeln allein nicht ausreichen. LEADERSNET.tv besuchte die Veranstaltung, holte die Teilnehmer:innen vor die Kamera und fragte u.a. nach, welche Themen die Branche aktuell bewegen und ob es ein "Compliance-Kryptonit" gibt.

Wie viel Verantwortung lässt sich durch Regeln und Technologie absichern, wenn Menschen unter Zeitdruck entscheiden müssen? Diese Frage zog sich durch den 13. Compliance Solutions Day von LexisNexis. Nach Angaben des Veranstalters kamen am 24. September 2026 rund 270 Compliance-Verantwortliche aus Unternehmen und dem öffentlichen Sektor in der Orangerie Schönbrunn zusammen. Auf dem Programm, das unter dem Motto "Superpower für Ihre Compliance" vonstattenging, standen neben Künstlicher Intelligenz (KI) und Cyberrisiken auch Kartellrecht, interne Untersuchungen und Korruptionsprävention.

"Wir spannen den Bogen bis zur KI. Das hat natürlich sehr großen Impact auf die Compliance und beschäftigt uns sehr. Und dazwischen sind die Compliance-Kernthemen. Also das Thema Hausdurchsuchungen, das Thema 'Wie gehe ich mit Geschäftseinladungen um?' Und wirklich diese strafrechtlich relevanten Themen. Was muss ich da wissen? Und da braucht es echte Superpower, um das alles zu überblicken", sagte Kathrin-Theres Hagenauer, Director Content Creation bei LexisNexis Österreich, über die Bandbreite der Themen. "Es tut sich so viel und wie bei den Schulungen, man muss immer dranbleiben, man muss up to date bleiben und dazu macht man den Compliance Solutions Day." 

Deepfakes und Hausdurchsuchungen verlangen konkrete Entscheidungen

In einem Workshop ging es um kartellrechtliche Hausdurchsuchungen: Was ist zu tun, wenn Behörden unangekündigt in einem Unternehmen erscheinen? Ein weiterer Programmpunkt befasste sich mit Entscheidungsvorlagen für das Top-Management. Beim Thema Deepfakes, unter dem Titel "Täuschend echt", stand zudem die Frage im Mittelpunkt, welche Risiken manipulierte KI-Inhalte für Unternehmen schaffen und wie sie damit umgehen können.

Die Beispiele zeigten, dass Compliance-Verantwortliche rechtliche Vorgaben zunehmend in Handlungsabläufe übersetzen müssen. Hinzu kommen Themen, die schon länger zum Aufgabenbereich gehören. Martin Eckel, Partner und Head of Compliance & Competition, EU & Trade, Taylor Wessing, verwies etwa auf Beschäftigte, die sich ihrer Verantwortung trotz entsprechender Vorgaben entziehen. Auf die Frage nach einem "Compliance-Kryptonit" antwortete er: "Ja, Mitarbeiter:innen." Er bezog sich dabei ausdrücklich auf einzelne, aus seiner Sicht besonders resistente Fälle: "Gibt es zwar nicht oft, aber wenn es sie gibt, dann zwingt das Compliance tatsächlich in die Knie."

Sonja Irresberger, Director im Bereich Governance, Risk & Compliance Services und Forensic bei KPMG, erwartete besonders beim Kartellrecht Gesprächsbedarf. Auch interne Untersuchungen bei Belästigung und Mobbing am Arbeitsplatz könnten ihrer Einschätzung nach über die Vorträge hinaus diskutiert werden. 

Human Risk reicht über individuelles Fehlverhalten hinaus

Den Abschluss der Tagung bildete eine Keynote von Christian Hunt, Gründer der Beratungsfirma Human Risk. Seine These: Leistungsfähigere Technologie beseitigt menschliche Risiken nicht automatisch. "Wer Compliance wirksam machen will, muss menschliches Verhalten verstehen. Regeln und Technologie allein reichen nicht", sagte Hunt. Damit stellt sich für Unternehmen auch die Frage, ob ihre Vorgaben im Arbeitsalltag verständlich und anwendbar sind – gerade dann, wenn Beschäftigte mit widersprüchlichen Anforderungen, Zeitdruck oder täuschend echten Inhalten konfrontiert sind.

Welche Denkfehler Compliance-Abteilungen beim Thema Human Risk begehen können, erläuterte Christian Hunt, Gründer der Beratungsfirma Human Risk:

Zwischen Nachhaltigkeit und Korruptionsprävention

Einen weiteren Schwerpunkt setzte Ulrike Gehmacher mit ihrer Keynote zur Nachhaltigkeit in komplexen Organisationen. Nach ihrer Darstellung müssen Unternehmen entsprechende Ziele in Strategie, Governance und überprüfbare Umsetzung übersetzen, statt sie als zusätzliche Einzelaufgabe zu behandeln.

Auch die Diskussionen zur Entgelttransparenz und zu Geschäftseinladungen zeigten die Spannweite des Fachgebiets. Bei der sogenannten No Gifts Policy ging es darum, ob ein striktes Verbot von Geschenken und Einladungen Korruption wirksam vorbeugt oder über das Ziel hinausschießt.

Neben den Fachbeiträgen war für Teilnehmer:innen der Vergleich mit der Praxis anderer Unternehmen wichtig. "Wie die Compliance in der Praxis angekommen ist und wie sie in den Unternehmen gelebt wird, das sieht man nur hier in so einer Fachtagung", sagte Julia Crosina-Schreiber, Leiterin der Rechtsabteilung von ACP Holding Österreich.

Die Tagung machte damit vor allem eine praktische Herausforderung sichtbar: Compliance-Abteilungen müssen neue technische Risiken beurteilen und zugleich dafür sorgen, dass Vorgaben in konkreten Entscheidungssituationen funktionieren.

Im Video zu sehen

LEADERSNET.tv holte neben Kathrin-Theres Hagenauer (Director Content Creation & Acquisition, LexisNexis Österreich), Sonja Irresberger (CIA – Director, Governance, Risk & Compliance Services u. Forensic KPMG), Martin Eckel (Partner und Head of Compliance & Competition, EU & Trade, Taylor Wessing), Julia Crosina-Schreiber (Leitung Rechtsabteilung ACP Holding Österreich) und Christian Hunt (Gründer der Beratungsfirma Human Risk) auch Beatrix Krauskopf (stv. Leiterin der Rechtsabteilung Bundeswettbewerbsbehörde), Judith Feldner (Partnerin & Anwältin E+H Rechtsanwälte), Barbara Tscheliessnigg (CEO Neuroth), Ulrike Gehmacher (Board Member, UN Global Compact Netzwerk Austria), Albert Koblizek (Referatsleiter Korruptionsprävention Bundesministerium für Inneres) und Wolfgang Stroh (Compliance Manager Rosenbauer International) vor die Kamera.

Zudem können Sie mittels Galerie hier und hier einen Eindruck von der Veranstaltung gewinnen. 

www.lexisnexis.com

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