Alexander Albler im Interview
"Künstliche Intelligenz ist Fluch und Segen zugleich für die IT-Sicherheit"

| Tobias Seifried 
| 28.09.2026

Seit über 30 Jahren begleitet die NTS AG Unternehmen bei Netzwerken, Cyber Security und moderner IT-Infrastruktur. Im LEADERSNET-Interview spricht CEO Alexander Albler über das Spannungsfeld zwischen Agilität, Sicherheit und digitaler Souveränität, die Gefahr KI-gestützter Cyberangriffe sowie die wachsende Verantwortung der Unternehmensführung für IT-Sicherheit.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Albler, Sie stehen als CEO an der Spitze der NTS AG, die Unternehmen bei Netzwerken, Security, Collaboration und moderner IT-Infrastruktur begleitet. Durch welche Lebensgeschichte sind Sie überhaupt in die IT-Branche gekommen und wie entstand die Marke NTS?

Alexander Albler: NTS ist bereits seit mehr als 30 Jahren am Markt vertreten – gestartet sind wir 1995. Mein Kollege und ich haben damals in einer halbstaatlichen Organisation gearbeitet und dort das Internet eingeführt. Das angesammelte Wissen wollten wir weiterentwickeln und in ein eigenes Unternehmen einbringen. Wir waren damals noch sehr jung, wohnten bei den Eltern und hatten weder einen detaillierten Geschäftsplan noch riesige Zukunftsziele. Das Unternehmen hat sich jedoch hervorragend entwickelt.

LEADERSNET: Was unterscheidet die NTS AG heute von klassischen IT-Dienstleistern?

Albler: Was uns von Anfang an ausgezeichnet hat, ist der klare Fokus auf technische Kompetenz und die absolute Zufriedenheit unserer Kund:innen. Wir haben diese Werte konsequent in den Mittelpunkt gestellt, und das ist uns über die vergangenen Jahrzehnte hinweg optimal gelungen.

LEADERSNET: IT-Infrastruktur soll für viele Unternehmen einfach funktionieren und rückt oft erst dann in den Fokus, wenn Störungen auftreten. Was versteht man heute unter einer wirklich gesunden IT-Infrastruktur?

Albler: Eine moderne IT-Infrastruktur muss mehrere Elemente vereinen, die sich teilweise in einem gewissen Spannungsfeld befinden. Einerseits muss sie agil und modern sein, um sich dynamisch an die Anforderungen des Unternehmens anzupassen. Nahezu jedes Unternehmensprojekt ist heute auch ein IT-Projekt. Andererseits muss die Infrastruktur extrem sicher und resilient sein – nicht nur gegenüber Cyberangriffen, sondern auch gegen Naturkatastrophen oder andere Krisenszenarien. Als vierter Aspekt kommt in Europa das Thema der digitalen Souveränität hinzu. Das sind alles bewegliche Teile, die kontinuierlich gemanagt werden müssen.

LEADERSNET: Welche Fehler begegnen Ihnen bei Unternehmen am häufigsten, und was sind aktuell die größten Herausforderungen?

Albler: Die größte Herausforderung ist zweifelsohne die Cybersicherheit. Durch Künstliche Intelligenz erleben wir eine extreme Zunahme an sicherheitsrelevanten Bedrohungen. Hinzu kommt der anhaltende Fachkräftemangel in hochspezialisierten Bereichen.

LEADERSNET: Cyber Security ist mittlerweile Chefsache. Welche Vorkehrungen sollte jedes Unternehmen treffen – unabhängig von seiner Größe?

Albler: Eine hundertprozentige Cybersicherheit gibt es nicht – das ginge nur, wenn man alle Computer ausschaltet, verbrennt und wieder rein auf Papier umstellt. Wichtig ist eine individuelle Risikoabschätzung. Firewalls gehören seit Jahrzehnten zum Standard. Essenziell, wenn auch oft unaufgeregt betrachtet, ist das Thema Datensicherung und Backup. Eine Datensicherung ist jedoch erst dann gut, wenn im Ernstfall erprobt wurde, ob das Einspielen der Daten reibungslos funktioniert. Zudem braucht es angesichts von KI ein geregeltes Konzept für regelmäßige Software-Updates sowie Schulungen für Mitarbeiter:innen, um menschliche Sicherheitsvektoren wie Phishing oder Social Engineering zu minimieren.

LEADERSNET: Die Digitalisierung schreitet durch Cloud, KI und Automatisierung rasant voran. Macht diese zunehmende Vernetzung Unternehmen auch verwundbarer?

Albler: Rein nominell werden wir verwundbarer, weil mittlerweile fast jedes Gerät vernetzt ist – vom klassischen PC bis hin zum Internet der Dinge. Deshalb darf Cybersicherheit nicht isoliert betrachtet werden, sondern muss von Beginn an in alle Digitalisierungsprozesse und in die Softwareentwicklung integriert sein. Künstliche Intelligenz ist dabei Fluch und Segen zugleich: Ein Fluch, weil Angreifer Sicherheitslücken automatisiert und rasch aufdecken können; ein Segen, weil wir KI nutzen können, um Systeme rund um die Uhr automatisiert zu überwachen, ohne rund um die Uhr Personal binden zu müssen.

LEADERSNET: Wie unterstützt NTS Unternehmen bei der Erstellung klarer Krisenpläne, und wie gut ist der österreichische Markt im internationalen Vergleich aufgestellt?

Albler: Cybersicherheit ist kein rein technisches Thema mehr, sondern ein Prozess-, Schulungs- und Mitarbeiterthema. Wir begleiten diesen Prozess holistisch: Wir liefern nicht nur die technische Lösung, sondern schulen Teams und integrieren die Sicherheitsmaßnahmen direkt in die Unternehmensabläufe. Was den österreichischen Markt betrifft, wird das Thema in den mittleren und großen Unternehmen mit der notwendigen Ernsthaftigkeit angegangen. Zwar erhöht die KI die Entwicklungsgeschwindigkeit weiter, aber das Bewusstsein in Österreich ist definitiv vorhanden und es wird intensiv daran gearbeitet.

LEADERSNET: Wenn Sie österreichischen Geschäftsführer:innen drei Handlungsempfehlungen für eine gesunde IT mitgeben könnten, wie würden diese lauten?

Albler: Ich würde Empfehlungen aussprechen, statt Vorschriften zu machen. Erstens braucht jedes Unternehmen eine klare IT-Strategie. Zweitens muss definiert werden, wie die IT konkret zur Wertschöpfung des Unternehmens beiträgt. Und drittens muss sichergestellt sein, dass die Systeme sowohl cybersicher als auch resilient aufgestellt sind. Wer diese drei Punkte abdeckt, ist bereits sehr weit. Der größte Fehler im Jahr 2026 wäre es, Cybersecurity weiterhin als reines IT-Thema statt als gesamthaftes Unternehmensrisiko zu betrachten.

LEADERSNET: Abschließend: Dürfen wir uns trotz aller Cyberrisiken und Abhängigkeiten auf die digitale Zukunft freuen, oder sollten wir ihr eher mit Furcht begegnen?

Albler: Wir dürfen uns auf jeden Fall auf die digitale Zukunft freuen. Sie bringt enorme Chancen für uns als Menschheit sowie für Unternehmen. Wir müssen Cyberrisiken mit dem nötigen Respekt begegnen, entsprechende Vorsorge treffen und professionell aufgestellt sein – dann steht einer erfolgreichen digitalen Zukunft nichts im Wege.

LEADERSNET: Vielen Dank.

www.nts.eu

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