Fotos vom Unique Talk
Warum Österreichs Gesundheitssystem in der Zuständigkeitsfalle steckt

| Larissa Bilovits 
| 27.09.2026

Beim jüngsten Unique Talk diskutierte Gesundheitsministerin Korinna Schumann mit Fachleuten über die Zusammenarbeit im Gesundheitswesen, den neuen Gesundheitsfonds und die Rolle privater Versicherungen.

Durch steigende Nachfrage, begrenzte Mittel und eine Verantwortung, die sich auf viele Schultern verteilt, steht das österreichische Gesundheitssystem derzeit unter erheblichem Reformdruck. Wie es bis 2030 auf ein tragfähiges Fundament gestellt werden kann, war Thema des jüngsten Unique Talk, der auf Einladung der Agentur Unique Relations am Donnerstag, dem 24. September, im Wiener Ringturm über die Bühne ging.

Unter dem Titel "Gesundheitspolitik 2030" gingen Korinna Schumann (Bundesministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz, SPÖ), Peter Lehner (Obmann der Sozialversicherung der Selbständigen), Thomas Kuchlbacher (Leiter der Krankenversicherung der Wiener Städtischen), Benjamin Glaser (Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie und Finanzreferent der Kurie angestellte Ärzte der Ärztekammer für Wien) und David Wachabauer (Leiter der Abteilung Primärversorgung und Versorgungskoordination der Gesundheit Österreich GmbH) der Frage nach, wie Bund, Länder und Sozialversicherung besser zusammenspielen können, welchen Beitrag private Versicherungen leisten sollen und was der kürzlich präsentierte Gesundheitsfonds für den niedergelassenen Bereich bewirken kann.

Geteilte Verantwortung im System

Die Zuständigkeiten im heimischen Gesundheitswesen sind breit gestreut: Die Spitäler organisieren großteils die Länder, die niedergelassene Versorgung finanziert die Sozialversicherung, den gesetzlichen Rahmen gibt der Bund vor. Für die Gesundheitsministerin ist deshalb klar, wo angesetzt werden muss: "Wir werden unser Gesundheitssystem nur dann weiterentwickeln, wenn Bund, Länder und Sozialversicherung an einem Strang ziehen. Genau das ist die Idee der Reformpartnerschaft. Wir legen gemeinsame Ziele fest, planen zusammen und sorgen dafür, dass die notwendigen Veränderungen auch umgesetzt werden. Denn am Ende zählt nicht, wer wofür zuständig ist, sondern ob die Menschen gut versorgt sind", so Schumann.

"Ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem braucht nicht nur die Kooperation und Koordination der Stakeholder, also Bund, Länder, Sozialversicherung, Ärzt:innen, Apotheken etc., sondern vor allem die aktive Mitwirkung der Versicherten", betonte hingegen Peter Lehner, Obmann der Sozialversicherung der Selbständigen (SVS). "Die Verantwortung für die eigene Gesundheit liegt in erster Linie bei der:dem Versicherten selbst. Eigenverantwortung und Eigeninitiative sind entscheidend für die persönliche Gesundheit und für die Zukunftsfähigkeit des Systems."

Private Versicherung als Ergänzung oder Lückenfüller

Welchen Stellenwert private Anbieter dabei künftig haben sollen, bildete den zweiten Schwerpunkt der Diskussion. Thomas Kuchlbacher, der bei der Wiener Städtischen die Krankenversicherung leitet, sagte dazu: "Eine starke Gesundheitsversorgung braucht ein gutes Zusammenspiel von öffentlichen und privaten Akteur:innen. Private Gesundheitsvorsorge unterstützt das öffentliche Gesundheitswesen und kann zusätzliche Finanzierung, Services und Versorgungskapazitäten ins System einbringen. Entscheidend ist, diese Möglichkeiten sinnvoll zu nutzen und damit die Versorgung der Patient:innen zu stärken."

"Der private Gesundheitssektor leistet einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung der Bevölkerung. Schon heute wäre unser Gesundheitssystem ohne private Zuzahlungen kaum finanzierbar", ist wiederum Benjamin Glaser, Facharzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie, überzeugt, und betonte: "Umso wichtiger ist es, die öffentliche Gesundheitsversorgung finanziell nachhaltig abzusichern und gleichzeitig bestehende Versorgungsstrukturen weiterzuentwickeln. Wenn es nicht gelingt, das öffentliche Versorgungsangebot entsprechend der steigenden Nachfrage auszubauen, wird der private Bereich zwangsläufig jene Lücke schließen müssen, die zwischen dem Bedarf und dem Angebot entsteht. Leistungen, die im Rahmen privater Zusatzversicherungen erbracht werden, sollten daher stärker anerkannt und schrittweise in den öffentlichen Bereich integriert werden. Sie machen mittlerweile einen signifikanten Anteil der Gesundheitsausgaben aus und leisten damit auch einen Beitrag zur Finanzierung und Aufrechterhaltung der medizinischen Versorgung."

Primärversorgung im Fokus

Wenn man die Versorgung stärker an den Bedürfnissen der Menschen ausrichten und die Orientierung im Gesundheitssystem verbessern wolle, müsse man die Primärversorgung ausbauen, unterstrich David Wachabauer, Abteilungsleiter für Primärversorgung und Versorgungskoordination bei der Gesundheit Österreich GmbH. "Darüber besteht in der Gesundheitsreform weitgehend Einigkeit. Eine starke Primärversorgung bedeutet, dass Hausärzt:innen im Team mit Pflege, Therapie sowie weiteren Gesundheits- und Sozialberufen arbeiten. Genau dafür stehen Primärversorgungseinheiten: Sie ermöglichen eine umfassende, möglichst wohnortnahe Versorgung, in der viele Anliegen direkt im Team geklärt und behandelt werden können. Zugleich schaffen sie Arbeitsbedingungen, die besonders für jüngere Ärzt:innen und andere Gesundheitsberufe attraktiv sind."

Ebenfalls zur Debatte stand der kürzlich vorgestellte Gesundheitsfonds, mit dem der niedergelassene Bereich gestärkt werden soll. So unterschiedlich die Zugänge in der Runde auch waren, als gemeinsamer Nenner zog sich durch die Diskussion, dass eine Reform nur dann greift, wenn geklärt ist, wer wofür geradesteht, die einzelnen Bereiche im Alltag ineinandergreifen und das Geld dorthin fließt, wo der Versorgungsbedarf tatsächlich entsteht.

LEADERSNET war bei der Diskussionsrunde dabei und hat Eindrücke für Sie in der Galerie gesammelt.

www.unique-relations.at

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