Interview mit Helmut Eggert
"Exklusive Sondermodelle machen uns nicht reich, heben aber die Begehrlichkeit der Marke"

Im LEADERSNET-Interview spricht Porsche Österreich Geschäftsleiter Helmut Eggert über die Akzeptanz von Elektroautos im Spitzensegment, das Qualitätsversprechen der Marke, verzögerte Zulassungszahlen, die Bedeutung von limitierten Editionen und die Eröffnung neuer Porsche Zentren. Zudem verrät er, was sein absoluter Lieblings-Porsche ist. 

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Eggert, wie fällt Ihr Blick auf den österreichischen Automarkt derzeit aus und wie entwickelt sich Porsche in diesem herausfordernden Umfeld?

Helmut Eggert: Wir sind mit dem aktuellen Geschäftsverlauf wirklich zufrieden. Es ist zwar nicht unser absolut stärkstes Jahr, aber ein sehr solides und gutes. Man muss hier differenzieren: Wir befinden uns bei mehreren Modellen bereits mitten in den Produkt-Zyklusphasen. Unser neuestes Zugpferd, der neue Cayenne Electric, ist zudem erst vor Kurzem mit einer flachen Anlaufkurve gestartet. Dadurch kommen bereits verkaufte Fahrzeuge lieferverzögert im Markt an. Das führt in der Statistik zu einer temporären Delle bei den Neuzulassungen – spiegelt aber keineswegs unsere tatsächliche Performance wider.

LEADERSNET: Die offiziellen Zulassungsstatistiken zeigen also nicht das ganze Bild?

Eggert: Genau. Bei uns ist das Geschäft immer rund ein halbes Jahr zeitverzögert zu den tatsächlichen Bestellungen. Wir arbeiten im Gegensatz zu anderen Herstellern nicht im Direktvertrieb mit großen Schiffslieferungen, die auf einen Schlag in die Statistik eingehen. Bei uns gibt es durch Produktions-, Individualisierungs- und Lieferabläufe eine zeitliche Verschiebung, weshalb Zulassungszahlen kurzfristig schwanken können. Die eigentliche Nachfrage ist jedoch sehr stark: Der 911 läuft hervorragend, ebenso der Cayenne und der Macan. Beim vollelektrischen Macan verkaufen wir in Österreich sogar deutlich mehr Einheiten als vom früheren Benziner – das ist weltweit keine Selbstverständlichkeit. Generell bewegt sich der Markt nach den aufgeheizten Corona-Jahren wieder in eine normale Phase mit gewohnten Wellenbewegungen.

LEADERSNET: Apropos E-Mobilität: Global ist der Hochlauf teilweise etwas verhaltener. Wie schlägt sich der Elektroanteil bei Porsche in Österreich?

Eggert: Bei den monatlichen Neuzulassungen sehen wir eine gewisse Sinuskurve, aber im Durchschnitt der letzten drei Jahre sind wir extrem solide unterwegs. Und unsere aktuellen Elektro-Zahlen für die ersten sechs bis sieben Monate dieses Jahres zeigen deutlich, wo die Reise hingeht: Wir bewegen uns bei gut 28,5 Prozent rein elektrischen Fahrzeugen. Nimmt man die Plug-in-Hybride mit 33,6 Prozent dazu, liegen wir bereits bei gut 62 Prozent. Und zählt man schließlich noch die neuen 911 T-Hybrid-Modelle hinzu, kommen wir auf einen Elektrifizierungsgrad von insgesamt 82,6 Prozent. Das ist eine klare Ansage und zeigt, dass Porsche "Zukunft" absolut beherrscht.

LEADERSNET: Woran liegt dieser vergleichsweise hohe Elektrifizierungsgrad im österreichischen Markt? Sind die Kund:innen hierzulande affiner oder entscheiden steuerliche Anreize?

Eggert: Es ist ein Mix aus mehreren Faktoren. Natürlich spielen steuerliche Themen wie die NoVA-Befreiung eine Rolle, aber in unserem Segment ist das nicht der alleinige Treiber. Wir stehen an der Spitze der automobilen Performance-Pyramide. Da muss das Fahrzeug schlichtweg überzeugen. Unsere E-Modelle leisten das Maximum dessen, was derzeit technisch möglich ist. Bestes Beispiel ist der neue Cayenne Electric: Er ist bis zu 1.156 PS stark, verfügt über Allradantrieb sowie über eine 800-Volt-Architektur für ultraschnelles Laden mit bis zu 400 kW und kann obendrein bis zu 3,5 Tonnen ziehen. Und was die Zukunft betrifft: Spätestens bis 2030 erübrigen sich viele E-Diskussionen. Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, wird sich kaum mehr einen reinen Benziner kaufen, wenn das eigene Auto so nahezu kostenlos oder zu minimalen Kosten geladen werden kann.

LEADERSNET: Vor kurzem ist der neue Cayenne Electric auf den Markt gekommen. Wie verteilt sich die Nachfrage zwischen Benzin-, Hybrid- und Elektroantrieb?

Eggert: Der Cayenne Electric verzeichnet hierzulande einen extrem starken Anlauf. Wir sehen im Segment bereits eine ausgewogene Verteilung von rund 50:50 zwischen dem vollelektrischen Modell und den anderen Antriebsarten. Wir verkaufen nach wie vor sehr viele Hybride – hier liegt der Rückgang durch die neue Elektro-Variante bei etwa nur zehn bis 15 Prozent. Was wir durch den Cayenne Electric an Neukund:innen hinzugewinnen, liegt jedoch deutlich darüber. Das bedeutet: Wir nehmen uns innerhalb der Modellreihe kaum etwas weg, sondern wachsen durch das breitere Angebot spürbar im gesamten Segment.

LEADERSNET: Bei der kommenden 718-Baureihe wird der elektrische Roadster und das E-Coupé für 2027 erwartet. Wie wichtig ist dieses Modell für das Portfolio in Österreich und mit welchem Anteil rechnen Sie?

Eggert: Für mich ist es extrem wichtig, dass dieses Modell als Stromer kommt. Gerade in diesem Segment sehe ich das geringste Thema mit Reichweite oder Ladeinfrastruktur, weil es sich um ein klassisches "Funcar" handelt. Damit fährt man in der Freizeit aus, dreht seine Genussrunde auf der Landstraße oder über den Pass und fährt wieder nach Hause – das ist kein beruflicher "Langstreckenfresser". Was die Fahrleistungen angeht, wird das eine absolute Fahrspaßmaschine, die dem Verbrenner in vielen Bereichen extrem nahekommt. Ich gehe davon aus, dass der 718er wie bisher rund zehn Prozent unseres Gesamtvolumens ausmachen wird – in der Startphase vielleicht sogar höher. Wir freuen uns richtig auf den elektrischen Boxster und Cayman.

LEADERSNET: Neben der Modelloffensive investiert Porsche in Österreich auch spürbar in die Händlerinfrastruktur. Zeigen diese Investitionen das Vertrauen in den Standort?

Eggert: Absolut. Erst kürzlich haben wir mit St. Pölten nach Linz-Leonding und Innsbruck das bereits dritte neue Porsche Zentrum in diesem Jahr eröffnet. Mit insgesamt neun Porsche Zentren sind wir österreichweit exzellent aufgestellt. Für eine exklusive Marke unserer Größenordnung ist das eine gewaltige Investition. Das unterstreicht aber auch klipp und klar: Wir glauben an die Kraft und die Zukunft der Marke. Sonst könnte und würde man sich solche Schritte nicht leisten.

LEADERSNET: Wie steht es um die Qualität und Zuverlässigkeit in Zeiten von komplexer Software und Elektroarchitekturen?

Eggert: Die gesamte Branche kocht bei Software und E-Antrieben "nur" mit Wasser, da gibt es naturgemäß da und dort Herausforderungen. Aber der jüngste JD Power Report in den USA hat gezeigt: Porsche ist in punkto Qualität und Zuverlässigkeit die klare Nummer eins. Das ist auch essenziell für uns, denn Porsche-Kund:innen legen größten Wert darauf, dass die Qualität ohne Kompromisse passt. Das zweite Thema ist die Beständigkeit: Ein Porsche hält einfach. Ein Großteil aller jemals gebauten Fahrzeuge ist nach wie vor auf den Straßen unterwegs. Wir haben so viel Vertrauen in die Qualität unsere Produkte, dass wir Garantieverlängerungen – die Porsche Approved Garantie – bis zu einem Fahrzeugalter von 15 Jahren anbieten. Das traut sich sonst kaum ein Hersteller auf dem Markt. Man greift bei der Anschaffung eines Porsche zwar etwas tiefer ins Börserl, bekommt aber nachhaltige Gegenleistung und Werthaltigkeit.

LEADERSNET: Beim 911 hält Porsche nach wie vor am Verbrennungsmotor fest. Glauben Sie, dass es irgendwann einen rein elektrischen Elfer geben wird?

Eggert: Der Verbrennungsmotor ist beim 911 fest im Modellprogramm verankert. Aus globaler Perspektive macht das auch absolut Sinn. In Österreich müssen wir natürlich beobachten, wie sich die steuerlichen Rahmenbedingungen entwickeln. Ein Beispiel: Der neue 911 GT3 Bergsport liegt bei uns aufgrund der NoVA bei rund 462.000 Euro, während er in anderen Ländern für um rund 120.000 Euro günstiger Euro angeboten werden kann. Diese steuerliche Spreizung wird immer größer, die sich langfristig immer weniger leisten wollen, selbst wenn sie es können. Dennoch bleibt der Elfer das Herzstück unserer Marken-DNA.

LEADERSNET: Der erwähnte 911 GT3 Bergsport feierte gerade seine Österreich-Premiere (hier geht es zu unserem Bericht). Was macht dieses Sondermodell so besonders?

Eggert: Er verkörpert puren Fahrspaß: Ein frei saugender Sechszylinder, serienmäßig als Handschalter (PDK optional erhältlich), perfekt abgestimmt auf Bergstraßen. Das geht direkt auf unsere Gene zurück – klein, leicht, wendig, extrem leistungsfähige Bremsen. Schon Ferry Porsche hat die ersten Abnahmefahrten für den 356er über den Katschberg und am Großglockner absolviert. Die Alpenregion und Porsche gehören historisch unzertrennlich zusammen.

LEADERSNET: Porsche bringt immer wieder streng limitierte Kleinserien auf den Markt. Welchen Zweck erfüllen diese Modelle aus strategischer Sicht?

Eggert: Dabei geht es primär um Emotionalisierung und Markenwert. Bei insgesamt rund 1.600 Fahrzeugen, die wir in Österreich pro Jahr verkaufen, machen zehn Stück eines exklusiven Sondermodells finanziell kaum einen Unterschied. Sie machen uns weder reich noch arm. Aber sie besitzen eine enorme wirtschaftliche Strahlkraft, weil sie das Image und die Begehrlichkeit der gesamten Marke weiter anheben.

LEADERSNET: Zum Abschluss eine persönliche Frage: Wenn Sie aus der gesamten Historie ein einziges Modell wählen müssten – welches ist Ihr Lieblings-Porsche? Und was fahren Sie aktuell als Dienstwagen?

Eggert: Eine äußerst schwierig zu beantwortende Frage. Aber mein absoluter Favorit ist das klassische G-Modell des 911. Das ist wie das sprichwörtliche "kleine Schwarze" für die Frauen: Damit ist man immer perfekt angezogen. Wie Ferry Porsche schon sagte: "Der 911 ist das einzige Auto, mit dem man von der East African Safari nach Le Mans, dann ins Theater und anschließend auf die Straßen von New York fahren kann."

Was meinen aktuellen Dienstwagen betrifft: Wir haben einen Fuhrpark im Einsatz und ich nehme abends gerne das Fahrzeug, das gerade bereitsteht. Schließlich sollte ich über jedes Fahrzeug auch Bescheid wissen. Wenn der Boxster da ist, nehme ich ihn extrem gerne – durch den Mittelmotor verkörpert er das puristische Porsche-Fahrgefühl in Reinkultur. Auf längeren Etappen genieße ich am allerliebsten den Komfort des Panamera oder des neuen Cayenne Electric. Aber: Ich mag schlichtweg unsere gesamte Palette.

www.porsche.at

Zur Person

Helmut Eggert ist Geschäftsleiter von Porsche in Österreich. Er verantwortet das Geschäft der Marke hierzulande seit 1999.

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Helmut Eggert ist Geschäftsleiter von Porsche in Österreich. Er verantwortet das Geschäft der Marke hierzulande seit 1999.

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