Am Mittwoch versammelte sich die heimische Hotellerie im Palais Coburg in Wien. Die Gault&Millau-Herausgeber:innen Martina und Karl Hohenlohe präsentierten den Hotelguide 2027 und zeichneten acht Betriebe aus unterschiedlichen Bereichen aus. Den Hauptpreis erhielt das Eriro in Ehrwald. Weitere Awards gingen nach Wien, Salzburg, Oberösterreich, Kärnten, ins Burgenland und ein zweites Mal nach Tirol.
Insgesamt wurden 688 Häuser in den neuen Guide aufgenommen. Erstmals gibt es eine eigene Kategorie für Longevity und Medical Wellness. Neben klassischen Kriterien wie Architektur, Kulinarik und Service rückten damit auch Gesundheitsvorsorge, Regeneration und langfristiges Wohlbefinden stärker in den Fokus.
Persönlichkeiten prägen die Hotellerie
Welche Rolle Gastgeber:innen und persönliche Erlebnisse spielen, veranschaulichte Herausgeber Karl Hohenlohe mit einer Anekdote aus dem Marbella Club, den sein Onkel Alfonso gegründet hatte. Als einst die öffentlichen Verkehrsmittel streikten und das Personal nicht ins Hotel gelangen konnte, sprangen prominente Gäste spontan ein: "Brigitte Bardot hat gekocht, Juan Carlos – da war er noch nicht König – hat Rasen gemäht."
Das Feedback der Gäste sei nach dieser Episode besser gewesen als je zuvor, erzählte Karl Hohenlohe. Auch Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner betonte die Bedeutung persönlicher Erfahrungen: "Leute buchen nicht bloß ein Hotel, sie buchen Erlebnisse." Um den Gastgeber:innen mehr Raum für ihre eigentliche Aufgabe zu geben, will Zehetner eine KI-Strategie auf den Weg bringen und vorhandenes Wissen sowie Erfahrungen innerhalb der Branche besser zugänglich machen. Auch Thomas Peschta, Obmann der Fachgruppe Gastronomie in der WK Wien, kam im Rahmen der Verleihung auf der Bühne zu Wort.
Ein Hideaway mit neun Suiten
Zum Hotel des Jahres wurde das Eriro auf der Ehrwalder Alm in Tirol gekürt. Das auf 1.550 Metern gelegene Haus verfügt über lediglich neun zwischen 65 und 215 Quadratmeter große Suiten und richtet seinen Blick auf die alpine Umgebung. Große Glasflächen eröffnen Ausblicke auf Wald, Tal und Zugspitze, während die puristische Architektur mit natürlichen Materialien arbeitet. Gekocht wird auf offenem Feuer. Laut den Betreiber:innen orientieren sich die Menüs am Wetter und an der Landschaft.
Neueröffnung des Jahres kommt aus Wien
Als Neueröffnung des Jahres wurde The Companion (LEADERSNET berichtete von der Opening-Party) nahe dem Wiener Westbahnhof ausgezeichnet. Piotr Wisniewski gestaltete die Zimmer nach dem Vorbild der Wiener Werkstätte. Zum Boutiquehotel gehören das Haubenrestaurant Boca mit mediterranen Einflüssen sowie die Bar Calypso. Das Konzept setzt auf individuelle Gastfreundschaft, hochwertige Materialien und Frühstück bis elf Uhr.
Gourmet-Award für das Bergergut
Der Titel Gourmethotel des Jahres ging an das Genießerhotel Bergergut in Afiesl. Gastgeber und Haubenkoch Thomas Hofer führt die Küche des Vier-Sterne-Adults-only-Hotels, das seine Frau Eva-Maria Pürmayer in fünfter Generation leitet. Unter dem Motto "Mühlviertler Mund.Art" arbeitet Hofer eng mit Produzent:innen aus der Region zusammen. Das kulinarische Angebot reicht von Holzofenbrot bis zu einem fünfgängigen Gourmetdinner. "Wir veredeln Lebenszeit", fasste Eva-Maria Pürmayer den Anspruch des Hauses im Rahmen der Preisverleihung zusammen.
Sechs Zimmer gewinnen den Ambiente Award
Das Townhouse Weisses Kreuz in der Salzburger Altstadt wurde für das Ambiente des Jahres prämiert. In dem Gebäude aus dem Jahr 1329 verteilen sich sechs Zimmer auf zwei Etagen. Der belgische Kunstsammler und Innenraumdesigner Axel Vervoordt gestaltete das Haus nach dem Prinzip "The Beauty of Imperfection". Historische Elemente treffen auf Stein, Altholz und moderne Einzelstücke. Ergänzt wird das Angebot durch eine Lounge mit offenem Kamin, eine Honesty-Bar, einen Spa-Bereich und einen 100 Quadratmeter großen Garten.
Die weiteren Auszeichnungen
Zum Familienhotel des Jahres wurde das Reiters Finest Family Hotel in Bad Tatzmannsdorf gewählt. Das Angebot umfasst Mahlzeiten rund um die Uhr, ganztägige Kinderbetreuung, Thermalspa und zahlreiche Sportmöglichkeiten.
Der Award Grünes Hotel des Jahres ging an das Naturhotel Forsthofgut in Leogang. Die Familie Schmuck führt das Haus seit fünf Generationen. Zum Betrieb gehören 36 Hektar Wald; in der Küche spielt das Prinzip "From farm to table" eine zentrale Rolle. Christoph Schmuck verwies zudem auf das Europäische und das Österreichische Umweltzeichen.
Erster Gewinner der neuen Kategorie Longevity Hotel des Jahres ist das Vivamayr Medical Health Resort in Maria Wörth. Das individuell abgestimmte Gesundheitsprogramm am Wörthersee verbindet unter anderem mentale Resilienz, Immunstärkung, Healthy Aging und Ernährung.
Als Wellnesshotel des Jahres wurde das Stanglwirt Bio- und Wellnessresort in Going am Wilden Kaiser ausgezeichnet. Das von der Familie Hauser geführte Haus, das u.a. für die legendäre Weißwurstparty im Rahmen der Hahnenkamm-Rennen bekannt ist, bietet auf 12.000 Quadratmetern unterschiedliche Wellnessbereiche, darunter eine Fichtenbiosauna, eine Wasserfallgrotte, einen Felsenwhirlpool und einen Naturbadesee. Hinzu kommt ein Behandlungsangebot von Anwendungen nach Barbara Sturm bis zu Ayurveda und Rolfing.
LEADERSNET war bei der Gault&Millau-Hotelguide 2027-Präsentation. Fotos sehen Sie in unserer Galerie.
www.gaultmillau.at
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