Nächster Paukenschlag am Küniglberg
ORF-Spitzenverdiener Pius Strobl wurde freigestellt

| Tobias Seifried 
| 08.06.2026

Wenige Tage vor der Generaldirektor:in-Wahl geht es am Küniglberg ordentlich rund. Neben einer Ehrenkodex-Überprüfung für Armin Wolf haben sich jetzt auch Compliance-Vorwürfe gegen den Spitzenmanager erhärtet.

Am 11. Juni findet die Bestellung des:r neuen ORF-Generaldirektor:in statt. Doch bereits wenige Tage vor dieser wegweisenden Entscheidung für das öffentliche-rechtliche Medienunternehmen geht es am Küniglberg ordentlich rund. Nachdem am Montag bekannt wurde, dass ein Social-Media-Posting von ZIB2-Anchor Armin Wolf eine Prüfung nach dem ORF-Ethikkodex nach sich zieht (LEADERSNET berichtete), folgte kurze Zeit später der nächste Paukenschlag: Nach Informationen des Nachrichtenmagazins profil ist Pius Strobl am Montag vom Dienst freigestellt worden. Der öffentlich-rechtliche Sender bestätigte den entsprechenden Bericht wenig später. Im Vorjahr war Strobl der Spitzenverdiener im ORF (LEADERSNET berichtete).

"Keine Vorverurteilung"

"Bei der ORF-Compliance-Stelle sind in den vergangenen Wochen zahlreiche Hinweise bzw. Meldungen im Hinblick auf ein mögliches Fehlverhalten von Pius Strobl eingegangen", hieß es in einem Statement des ORF. Die amtierende Generaldirektorin Ingrid Thurnher habe Pius Strobl daher mit sofortiger Wirkung beurlaubt. Seitens des Senders wurde betont, dass diese Maßnahme erfolgt sei, um eine "unvoreingenommene und unbeeinflusste Durchführung der Untersuchung" durch die Compliance-Stelle zu gewährleisten. Es handele sich dabei ausdrücklich um keine Vorverurteilung. Die genauen Hintergründe sollten am Montagnachmittag im Finanzausschuss des Stiftungsrats diskutiert werden.

Konflikte um Pension

Pius Strobl blickt auf eine lange Karriere im Unternehmen zurück. Er wurde ursprünglich vom ehemaligen ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz als Kommunikationschef ins Medienhaus geholt. Später fungierte er unter anderem als Manager des Song Contest 2015 in Wien sowie als Leiter des rund 300 Millionen Euro schweren Bau- und Sanierungsprojekts des ORF-Zentrums am Küniglberg.

Zuletzt sorgte der Manager jedoch abseits seiner operativen Aufgaben für Schlagzeilen. So liegt Strobl wegen einer vertraglichen Pensionsregelung, die er noch mit Wrabetz vereinbart hatte, im Clinch mit dem ORF, da sich der ehemalige Generaldirektor Roland Weißmann geweigert habe, diese anzuerkennen. Pius Strobl, der sich zuletzt im Krankenstand befand, kündigte diesbezüglich rechtliche Schritte nach seinem Pensionsantritt an. 

Bereits Mitte April wurde ORF-Werbechef Oliver Böhm mit sofortiger Wirkung beurlaubt – ebenfalls wegen Compliance-Vorwürfen (LEADERSNET berichtete).

ORF-Wahl 2026: Die Entscheidung steht bevor

Die aktuellen Turbulenzen am Küniglberg überschatten die entscheidende Phase der ORF-Wahl 2026. Am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, bestellt der Stiftungsrat die neue ORF-Generaldirektorin oder den neuen ORF-Generaldirektor für die Funktionsperiode von 2027 bis 2031. Bereits am Montag, dem 8. Juni, präsentierten die Bewerber:innen in der Sendung "ORF-Wahl 26: Vor der Entscheidung" auf ORF III und ORF On ihre Konzepte. Unter der Gesprächsleitung von ORF-III-Chefredakteurin Lou Lorenz-Dittlbacher und Reiner Reitsamer stellten sie sich den Fragen von Redaktion, Publikum und Gremien.

Zum Kreis der Kandidat:innen gehören – in alphabetischer Reihenfolge – der ehemalige ServusTV-Chefredakteur Robert Altenburger, der frühere ProSieben.Sat1.Puls4-Österreich-Geschäftsführer Markus Breitenecker, der vormalige Hulu- und HBO-Manager Johannes Larcher, der ehemalige APA-Chef Clemens Pig, Exxpress-Miteigentümerin Eva Schütz, ORF-Magazinchefredakteurin Lisa Totzauer sowie ORF-III-Kogeschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz. Die offiziellen Hearings finden am Donnerstag direkt vor der entscheidenden Wahl im ORF-Zentrum statt.

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