Zahlen & Fakten
Österreichs Handel wächst wieder, bleibt aber unter Druck

| Redaktion 
| 08.09.2026

Die für den Standort wichtige Branche ist im Vorjahr wieder auf Wachstumskurs zurückgekehrt. Laut dem neuen "Jahrbuch Handel 2026" des Handelsverbands und der KMU Forschung lag der Gesamtumsatz bei 298 Milliarden Euro.

Das neue "Jahrbuch Handel 2026" liefert interessante Einblicke in die wirtschaftliche Lage des österreichischen Handels. Die von der KMU Forschung Austria im Auftrag des Handelsverbands erstellte Analyse zeigt eine Branche, die 2025 zwar wieder auf Wachstumskurs zurückkehrte, gleichzeitig aber weiter unter strukturellem Druck stand. Zu Jahresbeginn 2025 waren in Österreich 91.440 Handelsunternehmen aktiv. Im Einzelhandel, Großhandel und Kfz-Handel waren 604.000 Personen unselbstständig beschäftigt, hinzu kamen rund 107.000 Selbstständige. Insgesamt kam die Branche damit auf mehr als 711.000 Beschäftigte.

Einzelhandel kommt auf 94,8 Milliarden Euro

Der österreichische Handel, also Einzelhandel, Großhandel und Kfz-Handel zusammen, erzielte 2025 einen Umsatz von 298 Milliarden Euro. Das entsprach einem nominellen Plus von 2,1 Prozent. Preisbereinigt, blieb ein kleines Wachstum von 0,6 Prozent. Die Bruttowertschöpfung lag bei mehr als 47 Milliarden Euro. Real lagen die Handelsumsätze allerdings weiterhin fast sieben Prozent unter dem Niveau von 2019.

Auf den Einzelhandel allein entfielen 94,8 Milliarden Euro Nettoumsatz. Er umfasste 52.230 Unternehmen mit insgesamt 341.000 unselbstständig Beschäftigten. Rund 35 Prozent des Einzelhandelsumsatzes entfielen laut Jahrbuch auf den Lebensmitteleinzelhandel, der rund 124.000 unselbstständig Beschäftigte zählte.

Auch im ersten Halbjahr 2026 blieb die Entwicklung verhalten. Laut Statistik Austria legten die Einzelhandelsumsätze kalenderbereinigt nominell um 2,1 Prozent zu. Preisbereinigt, blieb davon lediglich ein Plus von 0,1 Prozent.

Zahl der Handelsunternehmen sinkt

Hinter den wieder steigenden Umsätzen steht weiterhin eine schwierige wirtschaftliche Lage. Zwischen 2019 und 2025 ging die Zahl der Handelsunternehmen deutlich zurück. Die Schließungsquote lag zuletzt bei 6,5 Prozent und damit über der Neugründungsquote von sechs Prozent. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche laut Studie durchschnittlich fünf Insolvenzen pro Werktag.

"Der Handel ist auf Wachstumskurs zurückgekehrt, er bleibt aber strukturell unter Druck", sagt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. "Wer angesichts dieser Zahlen behauptet, der Handel habe sich in der Inflationskrise ein Körberlgeld verdient, kommuniziert faktenbefreit. Die Gewinnmarge liegt sektorübergreifend mit 4,4 Prozent auf einem historischen Tiefstand, im Lebensmittelhandel liegt sie bei nur 0,5 Prozent bis 2,5 Prozent. Sowohl der Lebensmittel- als auch der NonFood-Handel haben in den letzten drei Jahren nachweislich inflationsdämpfend agiert", so Will weiter.

Als zusätzliche Belastung sieht der Handelsverband den wachsenden Abfluss von Konsumausgaben an internationale Online-Plattformen. Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig kündigte in diesem Zusammenhang strengere Regeln für Anbieter aus Fernost an. Wer in Österreich Geschäfte mache, müsse sich auch an die geltenden Regeln halten.

Fast 50 Prozent arbeiten Teilzeit

Auch als Arbeitgeber hatte der Handel weiterhin großes Gewicht. Der Frauenanteil lag branchenweit bei 54 Prozent, im Einzelhandel sogar bei 70 Prozent. Gleichzeitig stieg die Teilzeitquote auf 36,7 Prozent. Im Einzelhandel arbeiteten 48,8 Prozent der Beschäftigten nicht in Vollzeit.

Der Handelsverband fordert vor diesem Hintergrund einen weiteren Ausbau der flächendeckenden und leistbaren Kinderbetreuung. Laut einer vom Verband zitierten Mitarbeiterbefragung bewerteten 85 Prozent der Beschäftigten im österreichischen Einzelhandel ihre Arbeitsstelle als attraktiv, 79 Prozent zeigten sich mit ihren Arbeitszeiten zufrieden. Eine wichtige Rolle spielt die Branche auch in der Ausbildung. Insgesamt wurden zuletzt rund 12.800 Lehrlinge im Handel ausgebildet. Das entsprach zwölf Prozent aller Lehrlinge in Österreich.

Das vollständige "Jahrbuch Handel 2026" können Sie hier bestellen.

www.kmuforschung.ac.at

www.handelsverband.at

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