Neue Modellrechnung zur Liberalisierung
Freier Strommarkt soll Österreichern 15 Milliarden Euro erspart haben

| Tobias Seifried 
| 08.09.2026

Seit der Liberalisierung 2001 können heimische Stromkund:innen ihren Anbieter frei wählen. Eine neue Modellrechnung beziffert die dadurch entstandene Entlastung – der Großteil davon entfällt auf Haushalte.

Seit knapp 25 Jahren können Stromkund:innen in Österreich ihren Lieferanten frei wählen. Was die Liberalisierung seit dem 1. Oktober 2001 wirtschaftlich gebracht hat, hat nun die Österreichische Energieagentur (AEA) untersucht. Die im Auftrag von Oesterreichs Energie erstellte Studie kommt zum Ergebnis, dass Haushalte und Unternehmen dadurch kumuliert um mehr als 15 Milliarden Euro entlastet worden seien.

Vorgestellt wurde die Untersuchung am Dienstagvormittag von Michael Baminger, Präsident von Oesterreichs Energie, Barbara Schmidt, Generalsekretärin des Branchenverbands, Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur, und Stefan Szyszkowitz, Vorstandssprecher der EVN.

Haushalte sollen 12,7 Milliarden Euro gespart haben

Den größten Teil der errechneten Entlastung verbucht die Studie bei privaten Haushalten. Zwischen 2001 und 2025 hätten sie demnach 12,7 Milliarden Euro weniger für Strom ausgegeben, weitere 2,5 Milliarden Euro entfallen auf Nicht-Haushalte. Im Durchschnitt seien die Strompreise für Haushalte um 16,3 Prozent niedriger ausgefallen als in einem modellierten Szenario ohne Marktöffnung.

Die Milliardenbeträge sind somit keine unmittelbar gemessenen Einsparungen, sondern das Ergebnis eines Vergleichs mit einer hypothetischen Entwicklung ohne Liberalisierung. "In Summe ergibt unsere Modellierung von 2001 bis 2025 eine kumulierte Entlastung von mehr als 15 Milliarden Euro", sagte Angerer.

Mehr Auswahl und volkswirtschaftliche Effekte

Seit der Marktöffnung können Kund:innen ihren Stromlieferanten frei wählen und Tarife vergleichen. Aktuell stehen laut Oesterreichs Energie rund 150 Anbieter zur Auswahl, 50 davon sind österreichweit tätig.

Darüber hinaus errechnet die Studie für die Jahre 2001 bis 2022 ein im Durchschnitt um 0,11 Prozent höheres reales BIP sowie rund 2.700 zusätzliche Beschäftigte pro Jahr gegenüber dem Szenario ohne Liberalisierung.

"Mit der Marktöffnung konnten Stromkund:innen erstmals Stromtarife vergleichen und ihren Lieferanten wechseln", so Schmidt.

Energiesystem steht vor nächster Etappe

Für Baminger ist die positive Bilanz kein Grund, beim bestehenden System stehenzubleiben. "Jetzt geht es um die nächste Etappe: Markt, Netze, Erzeugung, Speicher und Flexibilität müssen als Gesamtsystem funktionieren." Dafür brauche es Tempo, klare Rahmenbedingungen und Investitionssicherheit.

Szyszkowitz sieht insbesondere bei Digitalisierung und neuen Tarifmodellen weiteres Potenzial: "Erneuerbare Energie ist dann besonders wertvoll, wenn sie auch zum richtigen Zeitpunkt genutzt wird."

Wie das Stromsystem weiterentwickelt werden kann, steht auch beim Oesterreichs Energie Kongress am 16. und 17. September in der Wiener Hofburg im Mittelpunkt.

www.oesterreichsenergie.at

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