Zentral- und Osteuropa zählt seit vielen Jahren zu den wichtigsten Wirtschaftsräumen für heimische Unternehmen und insbesondere für Österreichs Banken. Welche Perspektiven die Region angesichts wirtschaftlicher Unsicherheiten und geopolitischer Veränderungen bietet, stand am 2. September beim Business Breakfast von Crif Austria und LEADERSNET Österreich im Audi House of Progress in Wien im Mittelpunkt.
Nach der Begrüßung durch Anca Eisner-Schwarz, Geschäftsführerin Crif Austria, und Gerald Eder-Schmidinger, Executive Director Sales Crif Austria, gab Jürgen Krenn, Sales Director Finance Crif Austria, einen Einblick in aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen. Höhepunkt war das anschließende Podiumsinterview mit Michael Höllerer, CEO der Raiffeisen Bank International (RBI), das von Paul Leitenmüller (CEO Opinion Leaders Network) geführt wurde.
Insolvenzen bleiben auf hohem Niveau
Bevor sich der Blick Richtung CEE richtete, stand zunächst Österreich im Fokus. Thematisiert wurden unter anderem die Entwicklung der Unternehmens- und Privatinsolvenzen sowie die Folgen von Inflation, steigenden Kosten und geopolitischen Unsicherheiten.
Den von Crif präsentierten Analysen zufolge bleibt die Situation trotz erster Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung angespannt. Die Unternehmensinsolvenzen verharren demnach auf hohem Niveau, während viele private Haushalte weiterhin unter finanziellem Druck stehen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Crif-Studie "Banking on Banks 2026". Demnach beschäftigt die wirtschaftliche Unsicherheit sowohl Konsument:innen als auch Unternehmen in Europa weiterhin stark. Zugleich nehme die Sorge vor KI-gestützten Betrugsformen zu. An Banken und Finanzdienstleister würden damit nicht nur hinsichtlich Finanzierung, sondern auch bei Orientierung, Schutz und Stabilität steigende Erwartungen gestellt.
Eisner-Schwarz verwies in diesem Zusammenhang auf die internationale Ausrichtung von Crif. Das Unternehmen sei in 70 Ländern vertreten und verfüge über 35 Niederlassungen. Angeboten würden datenbasierte Lösungen für Identitäts- und Risikomanagement.
Investitionen als Voraussetzung für künftige Chancen
Auch neue regulatorische Anforderungen wurden beim Business Breakfast thematisiert. Dazu zählt die EU-Verbraucherkreditrichtlinie CCD II, die strengere Anforderungen an Bonitätsprüfungen und Kreditvergabeprozesse mit sich bringt. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, wie sich der Schutz vor Überschuldung mit einem weiterhin fairen und effizienten Zugang zu Finanzierungen verbinden lässt.
Für Jürgen Krenn sind die Zukunftschancen dennoch groß. Unternehmen müssten allerdings investieren und ihre internen Abläufe entsprechend vorbereiten. "Man muss schauen, dass man seine Prozesse in den Griff bekommt und ordentlich aufgestellt ist, um den Anforderungen der Zukunft gerecht werden zu können", so der Crif-Experte.
Höllerer: "Absoluter Wachstumsmotor in Europa"
Im Zentrum des Vormittags stand schließlich die Frage, welche Perspektiven Zentral- und Osteuropa für Österreichs Wirtschaft bietet. Für RBI-Chef Michael Höllerer fällt die Einschätzung grundsätzlich positiv aus.
"Insgesamt ist Zentral- und Osteuropa ein absoluter Wachstumsmotor in Europa", sagt Höllerer gegenüber LEADERSNET.tv. Daraus würden sich insbesondere für österreichische Unternehmen große Möglichkeiten ergeben. Österreich verfüge weiterhin über traditionelle Beziehungen in die Region und gemeinsame wirtschaftliche Interessen.
Ganz ohne Hindernisse sei der Markteintritt allerdings nicht. Höllerer verweist auf regulatorische sowie teilweise lokale Bestimmungen. Diese seien heimischen Unternehmen mitunter wenig bekannt oder könnten gerade bei kleineren Märkten den Einstieg erschweren. Insgesamt sieht der RBI-Chef für die Region dennoch "eine sehr positive Aussicht".
CEE spielt für Österreichs Banken zentrale Rolle
Wie eng Österreichs Finanzwirtschaft mit der Region verbunden ist, unterstreicht Gerald Resch, Generalsekretär des Verbands österreichischer Banken und Bankiers. Heimische Institute seien mit zahlreichen Tochterunternehmen in Osteuropa vertreten, die vielfach von ihren Konzernzentralen in Österreich gesteuert würden.
CEE sei deshalb nicht nur einer der wichtigsten Wirtschaftsräume für die heimischen Banken. "Sie sind ein wichtiger Teil unserer Identität, unserer Innovation, aber auch unserer Revenue-Faktoren", sagte Resch. Osteuropa spiele für Österreichs Banken damit eine zentrale Rolle.
Die Bedeutung der Region geht jedoch über das Bankgeschäft hinaus. Die beim Business Breakfast diskutierten Perspektiven umfassten insbesondere Innovationskraft, zunehmende Digitalisierung und langfristige Investitionen. Österreich komme dabei auch aufgrund seiner Verbindungen zwischen West- und Osteuropa eine besondere Bedeutung zu.
"Wir müssen den Geist auch nach Österreich bringen"
Wie unterschiedlich sich einzelne Märkte entwickeln, beobachtet Walter Lukner, Geschäftsführer von Payback Austria, aus eigener unternehmerischer Erfahrung. Payback sei in sechs Ländern der Region tätig. Dabei nehme er insbesondere Unterschiede bei der Digitalisierung wahr. Die Menschen seien dort aus seiner Sicht teilweise deutlich digital affiner und neuen Entwicklungen gegenüber aufgeschlossener. "Wir müssen diesen Geist auch nach Österreich bringen", sagt Lukner.
Auch Gerhard Pichler, Geschäftsführer von Business Circle, verwies auf die veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen. Seiner Einschätzung nach erleben wir derzeit eine neue geopolitische Weltordnung, deren neue Spielregeln zunehmend auch die Märkte bestimmen.
Damit spannte das Business Breakfast einen Bogen von aktuellen wirtschaftlichen Risiken in Österreich über regulatorische und technologische Veränderungen bis zu den Wachstumschancen in Zentral- und Osteuropa. Neben den fachlichen Impulsen stand dabei auch der persönliche Austausch zwischen Vertreter:innen aus Finanzwirtschaft und Unternehmen im Mittelpunkt.
Video-Interviews
Neben Michael Höllerer, Anca Eisner-Schwarz, Gerald Eder-Schmidinger, Jürgen Krenn, Gerald Resch, Gerhard Pichler und Walter Lukner holte LEADERSNET.tv auch Magdalena Gruber (Generalsekretärin Verband österreichischer Leasing-Gesellschaften), Felix Diems (Vorstandsmitglied Marchfelder Bank), Ingeborg Pichler (Leitung Hospitality Services Easy Staff), Lydia Goutas (Managing Partner Lehner Executive Partners / Cornerstone Int. Group) und Benjamin Levit (CEO und Co-Founder Bluechip) vor die Kamera.
Fotos vom Business Breakfast sehen Sie in unserer Galerie.
www.crif.at
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