Präsentation beim EFA 2026
Studie sieht ÖBB als Milliarden-Lokomotive für die Wirtschaft

Eine aktuelle Economica-Analyse unterstreicht die volkswirtschaftliche Bedeutung des Konzerns. Präsentiert wurden die Ergebnisse beim European Forum Alpbach.

Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben über ihre Rolle als Mobilitätsanbieter hinaus erheblichen Einfluss auf die heimische Wirtschaft. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Economica-Studie "Volkswirtschaftliche Effekte der ÖBB". Untersucht wurden dabei die Auswirkungen des laufenden Betriebs sowie der Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung auf Wertschöpfung, Beschäftigung und öffentliche Einnahmen. 

Die Studie wurde im Rahmen des ÖBB-Brunchs beim European Forum Alpbach präsentiert. Dort zeigten die ÖBB mit dem erstmaligen Fahrgasteinsatz eines vollautomatisierten E-Busses (LEADERSNET berichtete) zugleich, welche Rolle neue Technologien künftig im öffentlichen Verkehr spielen könnten.

Milliarden an Wertschöpfung durch laufenden Betrieb 

Allein der laufende Betrieb der ÖBB löste laut der Studie zwischen 2022 und 2025 eine kumulierte Bruttowertschöpfung von 27,87 Milliarden Euro aus. Im Jahresdurchschnitt entspricht das rund 6,97 Milliarden Euro. 

Gleichzeitig wurden den Berechnungen zufolge Beschäftigungseffekte im Umfang von rund 58.300 Vollzeitäquivalenten abgesichert beziehungsweise zum Teil neu geschaffen. Die damit verbundenen Lohn- und Gehaltseffekte lagen durchschnittlich bei 3,48 Milliarden Euro pro Jahr. Die jährlichen Fiskaleffekte werden mit rund 2,15 Milliarden Euro beziffert. 

Besonders deutlich wird die Größenordnung beim Blick auf die gesamte österreichische Wirtschaftsleistung. Für 2025 kommt Economica zu dem Ergebnis, dass jeder 57. in Österreich erwirtschaftete Euro direkt, indirekt oder induziert mit dem laufenden Betrieb der ÖBB zusammenhing. 

ÖBB-CEO Andreas Matthä sieht darin eine Bestätigung der wirtschaftlichen Rolle des Konzerns: "Die Studie macht deutlich, dass die ÖBB nicht nur ein Mobilitätsanbieter, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind."

Investitionen sollen bis 2030 weitere Impulse setzen

Zusätzliche wirtschaftliche Effekte gehen laut Untersuchung von den Investitionen der Bundesbahnen aus. Zwischen 2022 und 2025 wurden demnach 18,82 Milliarden Euro investiert. Daraus resultierte eine heimische Wertschöpfung von insgesamt 12,38 Milliarden Euro. Der kumulierte Beschäftigungseffekt belief sich auf mehr als 126.000 Vollzeitäquivalente, während die Fiskaleffekte mit insgesamt 6,45 Milliarden Euro angegeben werden. Auch in den kommenden Jahren sollen die Investitionen auf hohem Niveau fortgesetzt werden. Für den Zeitraum von 2026 bis 2030 sind mehr als 26,5 Milliarden Euro vorgesehen. Economica erwartet dadurch eine heimische Bruttowertschöpfung von 18,74 Milliarden Euro. Im Durchschnitt sollen in diesem Zeitraum rund 36.900 Vollzeitäquivalente an Beschäftigung gesichert werden. Die erwarteten Fiskaleffekte liegen laut den Expert:innen von Economica bei insgesamt mehr als zehn Milliarden Euro. 

Mobilitätsminister Peter Hanke bezeichnete die ÖBB vor diesem Hintergrund als starken Konjunkturmotor. Jeder in die Bahn investierte Euro sichere Arbeitsplätze für Menschen in Österreich. "Das ist gelebte Daseinsvorsorge und der Grund, warum wir konsequent in die Schiene investieren", so Hanke.

Effekte reichen in zahlreiche Branchen

Von den Infrastrukturprojekten profitieren nach Einschätzung von Economica nicht nur unmittelbar mit dem Bahnbau verbundene Unternehmen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen erstreckten sich entlang einer breiten Wertschöpfungskette. "Insbesondere Infrastrukturinvestitionen entfalten eine starke Hebelwirkung in der heimischen Wirtschaft", so Economica-Leiter Christian Helmenstein

Davon würden kleine und große Unternehmen aus unterschiedlichen Bereichen profitieren, von Bauwirtschaft und Industrie über Ingenieurbüros bis hin zu gastronomischen Betrieben, die Beschäftigte auf Baustellen versorgen. 

Die Untersuchung zeige damit die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Bundesbahnen aus mehreren Perspektiven. Der Beitrag der ÖBB zum Wohlstand reiche laut Helmenstein von Wertschöpfung und Beschäftigung über Löhne und Gehälter sowie fiskalische Auswirkungen bis hin zu Produktivitätsfortschritten.

Digitalisierung schafft zusätzliche Wertschöpfung

Gesondert analysiert wurden die Investitionen der ÖBB in die Digitalisierung. Zwischen 2022 und 2025 entstand dadurch laut Studie eine kumulierte Bruttowertschöpfung von 1,87 Milliarden Euro. 

Im selben Zeitraum wurden mehr als 13.000 Beschäftigtenjahre in Vollzeitäquivalenten gesichert beziehungsweise geschaffen. Die damit verbundenen Fiskaleffekte werden auf insgesamt rund 767 Millionen Euro beziffert. 

Digitale Technologien sollen zugleich die Leistungsfähigkeit und Effizienz des Bahnbetriebs erhöhen. Nach Darstellung der Studie stärken die entsprechenden Investitionen außerdem innovative Unternehmen in Österreich und tragen zur Transformation des Wirtschaftsstandorts in den Bereichen Digitalisierung und Dekarbonisierung bei.

ÖBB als Stabilitätsfaktor für die Konjunktur

Economica sieht in den Aktivitäten der Bundesbahnen zudem einen stabilisierenden Faktor für die österreichische Wirtschaft. Zwischen 2022 und 2025 nahm die durch Betrieb und Investition ausgelöste nominelle Bruttowertschöpfung um 31,4 Prozent zu. 

Für diesen Zeitraum errechnet die Studie einen realen Wachstumsbeitrag der ÖBB von 0,3 Prozentpunkten zur österreichischen Wirtschaftsleistung. 

Für die Untersuchung wurde bewusst ein mehrjähriger Zeitraum herangezogen. Hintergrund seien die außergewöhnlichen wirtschaftlichen Belastungen der vergangenen Jahre gewesen. Helmenstein verwies dabei unter anderem auf Corona, den Ukrainekrieg und die damit verbundenen Krisen. Durch die Betrachtung mehrerer Jahre sollten nach seinen Angaben belastbare und repräsentative Durchschnittswerte ermöglicht werden.

Wirtschaftliche Bedeutung über Mobilität hinaus

Für Economica kommt den Bundesbahnen damit auch langfristig eine strategische Bedeutung für den Wirtschaftsstandort zu. Neben dem laufenden Betrieb sollen insbesondere die geplanten Infrastruktur- und Digitalisierungsinvestitionen dafür sorgen, dass die volkswirtschaftlichen Effekte in den kommenden Jahren anhalten.

"Die ÖBB sind ein zentraler Pfeiler des Wirtschaftsstandorts Österreich", fasst Helmenstein zusammen. Neben ihrer Funktion als Mobilitätsdienstleister bildeten die Bundesbahnen den Kern eines wirtschaftlichen Ökosystems, dessen Größenordnung mit anderen bedeutenden Wirtschaftssektoren des Landes vergleichbar sei.

Vollautomatisierter E-Bus erstmals im Fahrgasteinsatz

Beim European Forum Alpbach erprobten die ÖBB außerdem erstmals in Österreich einen vollelektrischen Bus mit vollautomatisierter Fahrfunktion nach SAE Level 4 im Fahrgastbetrieb. Das Fahrzeug von ÖBB Postbus war auf einer festgelegten Strecke durch Alpbach unterwegs und wurde dabei unter realen Bedingungen getestet. Aufgrund der geltenden rechtlichen Vorgaben befand sich weiterhin eine geschulte Sicherheitskraft an Bord.

Mit dem Pilotbetrieb wollen die ÖBB Erkenntnisse darüber gewinnen, wie automatisierte Fahrzeuge den öffentlichen Verkehr künftig ergänzen können, etwa auf regionalen Strecken oder für die erste und letzte Meile. Nach dem Einsatz in Tirol soll der E-Bus am Campus Wolfurt in Vorarlberg weitere Praxiserfahrungen sammeln und dort Unternehmen im Industriepark an die S-Bahn anbinden.

Die Economica-Studie und Präsentation zum Download finden Sie hier

www.oebb.at

www.economica.eu

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