Nach knapp zwei Wochen ist das European Forum Alpbach (EFA) am Freitag zu Ende gegangen. Die 82. Ausgabe brachte von 24. August bis 4. September mehr als 4.000 Teilnehmer:innen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur in der Tiroler Gemeinde zusammen. Insgesamt standen rund 250 Programmpunkte auf dem Plan.
Unter dem Jahresthema "How Europe Wins" zog sich eine Frage durch das Forum: Wie kann Europa angesichts geopolitischer Konkurrenz, technologischer Umbrüche und wirtschaftlicher Herausforderungen seine Stärken besser nutzen und wieder entschlossener handeln? Diskutiert wurden unter anderem die Wettbewerbsfähigkeit des Kontinents, seine technologische und energetische Souveränität sowie die Zusammenarbeit mit internationalen Partner:innen.
"Europa steht in einem Wettbewerb, den niemand allein gewinnen kann. Wir haben in Europa enormes Wissen, wirtschaftliche Kraft und kulturelle Vielfalt. Was uns oft fehlt, sind die gemeinsame Richtung und der Wille zur Tat", erklärte EFA-Präsident Othmar Karas bereits im Vorfeld. LEADERSNET war auch heuer während der wirtschaftlich geprägten zweiten Forumshälfte stark vertreten und begleitete zahlreiche Diskussionen, Empfänge und Netzwerktreffen.
A1 CEO Lunch rückte Europas Handlungsfähigkeit in den Mittelpunkt
Zu den hochkarätigsten Wirtschaftstreffen zählte der CEO Lunch von A1 in der Hennenstube des Böglerhofs. Führungskräfte aus Industrie, Technologie, Finanzwirtschaft, Institutionen und Medien folgten der Einladung des Telekomunternehmens. Empfangen wurden sie von Thomas Arnoldner (Deputy CEO, A1 Group), Martin Resel (Deputy CEO und CCO Enterprise, A1 Österreich) und Natascha Kantauer-Gansch (Vorständin und CCO Consumer, A1 Österreich).
Als Gastredner analysierte der bulgarische Politikwissenschaftler Ivan Krastev aktuelle geopolitische Entwicklungen, bevorstehende Wahlen in zahlreichen europäischen Ländern und deren mögliche Auswirkungen auf die wirtschaftliche und gesellschaftliche Stabilität. Zudem plädierte er für einen gemeinsamen europäischen Binnenmarkt, um Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und digitale Souveränität zu stärken (LEADERSNET berichtete).
Erste European Night als gesellschaftlicher Fixpunkt
Den Auftakt zu den großen Abendveranstaltungen bildete die "Erste European Night" im Alpbacherhof. Der Einladung von Erste Group-CEO Peter Bosek und Erste Bank Oesterreich-Chefin Gerda Holzinger-Burgstaller folgten zahlreiche Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik.
Die Veranstaltung ist seit Jahren ein Fixpunkt im gesellschaftlichen Programm des Forums. Im Mittelpunkt standen der persönliche Austausch sowie die Frage, wie Europa durch gemeinsame Strategien, mehr Resilienz und entschlossenes Handeln wieder an Stärke gewinnen kann (LEADERSNET berichtete).
Zwischen Bauchgefühl und belastbaren Daten
Wie gute unternehmerische Entscheidungen in einem zunehmend komplexen Umfeld entstehen, diskutierten rund 40 Manager:innen beim Business Breakfast von Crif Austria im Böglerhof. Gastgeber:innen waren Country Managerin Anca Eisner-Schwarz und Executive Director Sales Gerald Eder-Schmidinger.
Im Zentrum stand die Frage, wann Erfahrung und Intuition ausreichen und wann Unternehmen eine belastbare Datengrundlage benötigen. LEADERSNET.tv fragte bei den Teilnehmer:innen nach, wo Daten dem Bauchgefühl überlegen sind und in welchen Situationen menschliches Urteilsvermögen unverzichtbar bleibt (LEADERSNET berichtete).
Accenture widmete sich Österreichs Wirtschaftsstärke
Accenture Österreich setzte gleich zwei Akzente. Auf die Accenture Night am Mittwoch folgte am Donnerstag ein Dinner im Böglerhof. Unter dem Titel "Was Österreich jetzt stark macht" diskutierten ausgewählte CEOs und Persönlichkeiten über Innovation, Wachstum und wirtschaftliche Resilienz.
Country Managing Director Christian Winkelhofer, der auch die Eröffnungsrede hielt, begrüßte in der Fuggerstube unter anderem EFA-Präsident Othmar Karas, Christa Karas-Waldheim, Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner, Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner, Peter Lehner, Peter McDonald, Martina Muhr und Franziska Martinek. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Entscheidungen und Haltungen es braucht, um den Wirtschaftsstandort nachhaltig zu stärken (ein ausführlicher Bericht folgt).
Energieversorgung wurde zum strategischen Machtfaktor
Beim Netzwerkabend der Energie AG Oberösterreich im Alpbacherhof warnte CEO Leonhard Schitter vor den Folgen neuer geopolitischer Abhängigkeiten. Eine verlässliche Energieversorgung und widerstandsfähige Infrastruktur seien eng mit Europas Sicherheit und Souveränität verbunden.
Der Umbau des Energiesystems müsse Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit und Sicherheitsvorsorge zusammenführen. Bis 2035 will der Konzern mehr als vier Milliarden Euro in erneuerbare Erzeugung, Speicher und leistungsfähige Netze investieren. Schitters Appell lautete: "Nicht Abschottung, sondern Resilienz. Nicht Angst, sondern Handlungsfähigkeit" (LEADERSNET berichtete).
"Kleiner" Infrastrukturgipfel mit großer Besetzung
Die ASFINAG versammelte in der Fuggerstube des Böglerhofs hochrangige Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft und Medien. Gastgeber Hartwig Hufnagl konnte unter anderem Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Infrastrukturminister Peter Hanke, WK-Wien-Präsidentin Margarete Kriz-Zwittkovits und IV-Präsident Georg Knill begrüßen.
Im Mittelpunkt des "kleinen" Infrastrukturgipfels standen aktuelle Herausforderungen für den Wirtschaftsstandort und die Bedeutung leistungsfähiger Verkehrswege. Wie gut Alpbach als Ort für direkte Gespräche funktioniert, brachte Othmar Karas auf den Punkt: "Das Asset von Alpbach ist: Keiner kann davonlaufen" (LEADERSNET berichtete).
RBI brachte den Wiederaufbau der Ukraine auf die Agenda
Einen konkreten internationalen Schwerpunkt setzte die Raiffeisen Bank International bei ihrem Executive Dinner "Rebuild with Ukraine: Moving Ambition to Action". Rund 40 Entscheidungsträger:innen beschäftigten sich mit möglichen Projekten und Partnerschaften für den Wiederaufbau des Landes.
RBI-Vorstandsmitglied Rainer Schnabl brachte Unternehmen, Investor:innen, öffentliche Institutionen sowie ukrainische Partner:innen zusammen. Impulse lieferten Artem Rybchenko vom ukrainischen Infrastrukturministerium und der österreichische Regierungskoordinator für den Ukraine-Wiederaufbau, Wolfgang Anzengruber. Dabei wurde deutlich, dass sich vor allem in den Bereichen Energie, Bau, Infrastruktur und Umwelttechnik Chancen für heimische Unternehmen ergeben könnten (LEADERSNET berichtete).
ORF und Joyn luden gemeinsam zum Empfang
Auch die Medienbranche setzte beim EFA ein sichtbares Zeichen. ORF und Joyn brachten bei einem gemeinsamen Cocktail-Empfang Vertreter:innen aus Medien, Politik und Wirtschaft zusammen.
EFA-Präsident Othmar Karas, die ORF-Generaldirektorin Ingrid Thurnher und ProSiebenSat.1-Puls-4-Geschäftsführer Thomas Gruber sprachen unter anderem über die Bedeutung von Künstlicher Intelligenz und Digitalisierung für Europas Wettbewerbsfähigkeit. Thurnher hob dabei die Rolle glaubwürdiger und qualitätsorientierter Medien hervor. LEADERSNET.tv begleitete den Empfang und holte zahlreiche Entscheidungsträger:innen vor die Kamera (LEADERSNET berichtete).
Tourismusbranche stellte sich auf neue Wirtschaftsrealitäten ein
Unter dem Motto "Transform Tourism – Mut zur Veränderung" diskutierten beim WKO Tourismus Summit 2026 rund 300 Teilnehmer:innen darüber, wie Österreich seine Position als international erfolgreicher Tourismusstandort sichern kann. Im Fokus standen KI, Robotik, veränderte Mobilitäts- und Reisegewohnheiten sowie die Frage, wie persönliche Gastfreundschaft auch im digitalen Zeitalter erhalten werden kann.
Susanne Kraus-Winkler, Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WKÖ, betonte, dass sich der Tourismus derzeit mit enormer Geschwindigkeit verändere. Die Betriebe müssten sich mit Digitalisierung, KI und neuen Mobilitätsangeboten auseinandersetzen, zugleich aber jene persönliche Gastfreundschaft bewahren, die Österreichs Tourismus präge. Der Standort müsse seine Position als verlässliches, nachhaltiges Qualitätsreiseziel im internationalen Wettbewerb aktiv verteidigen und ausbauen. WKÖ-Präsidentin Martha Schultz eröffnete den Summit. Mit dabei waren u.a. WKÖ-Generalsekretär Jochen Danninger, WKV-Präsident Karlheinz Kopf, Wirtschafts- und Tourismusminister Wolfgang Hattmannsdorfer, Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner und Elisabeth Kotthaus von der Europäischen Kommission (ein ausführlicher Bericht inklusive Video folgt - zur Galerie geht es hier).
Austria entschied das Wiener Derby klar für sich
Für Abwechslung vom Konferenzprogramm sorgte das traditionelle Fußballmatch auf dem Alpbacher Sportplatz. Bereits zum zweiten Mal wurde es als Wiener Derby zwischen SK Rapid und FK Austria Wien ausgetragen.
Zahlreiche prominente Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft und Sport liefen für die beiden Teams auf. Sportlich gab es ein klares Ergebnis: Team Austria gewann mit 7:1. Vor dem Anpfiff stellte Othmar Karas den verbindenden Charakter der Begegnung in den Vordergrund. Das Motto "How Europe Wins" richte sich nicht gegen jemanden, sondern stehe für gemeinsames Gewinnen. LEADERSNET.tv war am Spielfeldrand dabei (LEADERSNET berichtete).
Van der Bellen warb für "Europa-Patriotismus"
Über den engeren Wirtschaftsdialog hinaus wurde Alpbach auch zum Schauplatz europäischer Spitzendiplomatie. Beim zweitägigen Treffen der deutschsprachigen Staatsoberhäupter in Innsbruck und Alpbach standen Sicherheit, wirtschaftliche Zusammenarbeit und demokratische Grundwerte im Mittelpunkt.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen sprach sich in seiner "Alpbacher Erklärung zur Gegenwart und Zukunft Europas" für stärkeren politischen Zusammenhalt und einen "selbstbewussten Europa-Patriotismus" aus. Europa müsse sich vor allem bei Energie, Digitalisierung und Verteidigung unabhängiger von der Willkür fremder Regierungen machen (LEADERSNET berichtete).
Vertrauen als wirtschaftlicher Erfolgsfaktor
Dass Wettbewerbsfähigkeit nicht allein von Technologie und Investitionen abhängt, zeigte das Talent Forum von Great Place To Work Österreich. Managing Partner Jörg Spreitzer erläuterte, warum Führung, Zusammenarbeit und Unternehmenskultur entscheidend für Innovation und wirtschaftlichen Erfolg seien.
Psychologische Sicherheit ermögliche es Mitarbeiter:innen, Wissen zu teilen, Verantwortung zu übernehmen und Neues auszuprobieren. Spreitzer fasste den Zusammenhang so zusammen: Führung schaffe Vertrauen, Vertrauen schaffe Verantwortung und Verantwortung wiederum Performance (LEADERSNET berichtete).
"Talk auf der Alm" nahm Europas Wettbewerbsfähigkeit ins Visier
Auf die Zirmalm lud erneut Die Presse zum "Talk auf der Alm". Vertreter:innen aus Wirtschaft, Beratung, Wissenschaft und Medien diskutierten darüber, welche Strategie Europa braucht, um Produktivität, Innovationskraft und Beschäftigung zu stärken.
Die Gesprächsrunde beleuchtete drei miteinander verknüpfte Herausforderungen: den Fachkräftemangel, den technologischen Wandel durch Künstliche Intelligenz und die Dekarbonisierung. Dabei ging es auch um die Frage, wie Europa notwendige Transformationen beschleunigen kann, ohne seine industrielle Basis zu schwächen (LEADERSNET berichtete).
Hochrangiges Netzwerken bei Weinen aus der Wachau
Eine der traditionsreichsten Veranstaltungen abseits des offiziellen Programms fand auf der Böglalm statt. Bereits zum 14. Mal lud Gerald Gerstbauer im Rahmen des Forums zur Weinverkostung. Bei Weinen aus der Wachau tauschten sich Spitzenvertreter:innen aus Politik und Wirtschaft über den Standort aus.
Unter den Gästen waren unter anderem Othmar Karas, Peter Hanke, Wolfgang Hattmannsdorfer, Elisabeth Zehetner, Erwin van Lambaart, Silvia Grünberger und Johann Schachner (LEADERSNET berichtete).
Weibliche Führungskräfte schmiedeten Allianzen
Die Plattform Granat der Strategieberatung Kraftkinz brachte Spitzenfrauen aus unterschiedlichen Branchen zusammen. Im Zentrum standen der Ausbau weiblicher Führungskompetenzen, neue Rollenverteilungen und die Frage, wie Frauen wirtschaftliche Innovationen schneller vorantreiben können.
Mit dabei waren unter anderem Lilian Meyer, Beatrix Praeceptor, Birgit Kraft-Kinz, Sabine Aigner, Isabell Girbinger und Petra Mödlhammer-Prantner. Das Treffen zeigte, welche Rolle strategische Allianzen gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten spielen können (LEADERSNET berichtete).
ÖBB bezifferten ihre volkswirtschaftliche Wirkung
Mit konkreten Zahlen warteten die Österreichischen Bundesbahnen auf. Eine beim "Forums-Brunch" präsentierte Economica-Studie untersuchte die Auswirkungen des laufenden Betriebs und der Investitionen des Konzerns auf Wertschöpfung, Beschäftigung und öffentliche Einnahmen.
Demnach hing 2025 jeder 57. in Österreich erwirtschaftete Euro direkt, indirekt oder induziert mit dem laufenden Betrieb der ÖBB zusammen. Zwischen 2026 und 2030 will das Unternehmen mehr als 26,5 Milliarden Euro investieren. Laut Studie könnten dadurch eine heimische Bruttowertschöpfung von 18,74 Milliarden Euro ausgelöst und durchschnittlich rund 36.900 Vollzeitäquivalente gesichert werden (LEADERSNET berichtete).
KI soll Finanzbildung näher an die Lebensrealität rücken
Wie Künstliche Intelligenz Finanzbildung verständlicher und zugänglicher machen kann, diskutierten die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) und fintogo bei einem Executive Talk. Auf dem Podium saßen Petia Niederländer, Direktorin für Zahlungsverkehr, Risikoüberwachung und Finanzbildung bei der OeNB, sowie Maximilian Hrebicek, Gründer und CEO von FTG Finance Technologies. Moderiert wurde die Diskussion von Johannes Weißenbäck, Chief Sales Officer des Unternehmens.
KI könne Lerninhalte individueller vermitteln, unmittelbar Feedback geben und komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge verständlich aufbereiten. Gleichzeitig brauche ihr Einsatz Vertrauen, Transparenz und klare Rahmenbedingungen. "Entscheidend ist, Technologie dort einzusetzen, wo sie einen echten Mehrwert beim Lernen schafft", betonte Hrebicek. Am Beispiel von fintogo zeigte er, wie KI-gestützte Lernbegleitung mit interaktiven Formaten, Gamification und gemeinschaftlichem Lernen verbunden werden kann. Die Technologie solle dabei nicht das Denken abnehmen, sondern junge Menschen beim Verstehen und selbstständigen Anwenden von Wissen unterstützen.
Nachhaltigkeit als Bestandteil der Standortpolitik
Zum Abschluss der wirtschaftlich geprägten Forumstage diskutierten Vertreter:innen der heimischen Wirtschaft darüber, welchen Beitrag nachhaltiges Handeln zur Wettbewerbsfähigkeit und Zukunftssicherheit von Unternehmen leisten kann. Dabei wurde deutlich, dass ökologische Verantwortung, Resilienz und wirtschaftlicher Erfolg nicht als Gegensätze betrachtet werden dürfen (LEADERSNET berichtete).
Vom Dialog zur Umsetzung
Das European Forum Alpbach 2026 zeigte, dass sich die Debatten über Europas Zukunft zunehmend um konkrete wirtschaftliche Voraussetzungen drehen: leistungsfähige Infrastruktur, sichere Energieversorgung, technologische Souveränität, belastbare Daten, vertrauensvolle Unternehmenskulturen und tragfähige internationale Partnerschaften.
Zugleich bestätigte die zweite Forumshälfte erneut Alpbachs Rolle als Networking-Plattform. Viele Gespräche fanden nicht nur auf den offiziellen Bühnen, sondern beim Frühstück, auf den Almen, bei Empfängen und in kleinen Gesprächsrunden statt. Ob aus den zahlreichen Impulsen tatsächlich Entscheidungen und Projekte entstehen, wird sich allerdings erst nach der Rückkehr aus dem Tiroler Alpendorf zeigen.
www.alpbach.org
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