Ein Social-Media-Beitrag von Armin Wolf wenige Tage vor der ORF-Generaldirektionswahl (11. Juni) zieht interne Konsequenzen nach sich. Die amtierende Generaldirektorin Ingrid Thurnher hat eine offizielle Prüfung veranlasst, ob das Posting des ZiB 2-Moderators gegen den Ethikkodex für Mitarbeiter:innen des öffentlich-rechtlichen Unternehmens verstößt. Zuerst hatte der Kurier darüber berichtet.
Auslöser der Debatte war dem Bericht zufolge eine Reaktion Wolfs auf der Plattform Bluesky auf einen Beitrag des Medienrechtlers Hans-Peter Lehofer, welcher die Rechtmäßigkeit der Nominierung der Exxpress-Herausgeberin Eva Schütz für das Amt der ORF-Generaldirektorin anzweifelt. In seinem Posting bezeichnete Armin Wolf die Kandidatin als "die Herausgeberin einer rechten, rassistischen Fake News-Schleuder". Zudem äußerte der Journalist, es mache ihn "ratlos", dass der stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrates, Gregor Schütze, die Nominierte für den Posten der Generaldirektorin als geeignet erachte.
Ad „Fake News-Schleuder“ empfehle ich u.a. die verdienstvolle Dokumentation zahllose Beispiele auf dem Account von @bjoernsenior.bsky.social über viele Monate hinweg. Ich glaube, es gibt wenige Einschätzungen über ein Medium, die sich so solide belegen lassen.
— Armin Wolf (@arminwolf.at) 8. Juni 2026 um 11:19
Reaktionen aus dem Stiftungsrat und der Redaktion
Aufgrund dieser Äußerungen wandte sich ORF-Stiftungsrat Peter Westenthaler an Thurnher, woraufhin die Überprüfung der Social-Media-Aktivitäten in die Wege geleitet wurde. Der betroffene Moderator selbst zeigte sich angesichts der entstandenen Aufregung "erstaunt".
Unterstützung erhält der "ZiB 2"-Anchor aus den eigenen Reihen. ORF-Redaktionssprecher Dieter Bornemann betonte, dass es jedem freistehe, Prüfungen zu verlangen. Er hielt jedoch fest: "Das Posting von Armin Wolf wird aber sachlich begründet durch einen angehängten Screenshot mit rassistischen Kommentaren auf der Plattform exxpress.at."
Herr Westenthaler und die FPÖ sind sehr entrüstet, dass ich Frau Schütz als Herausgeberin einer „rassistischen“ Website bezeichnet habe.. Offensichtlich haben sie nicht bis zum angehängten Screenshot der groß auf ihrer Website präsentierten „Top Kommentare der letzten Woche“ gelesen.
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— Armin Wolf (@arminwolf.at) 8. Juni 2026 um 11:15
Kritik von politischer Seite
Für die FPÖ, die gefühlt tagtäglich über den ORF und dessen Haushaltsabgabe wettert, war der Vorfall ein gefundenes Fressen. Der Generalsekretär und Mediensprecher der Oppositionspartei, Christian Hafenecker, übte scharfe Kritik an Wolfs Äußerungen. Er bezeichnete das Vorgehen als Akt der Anmaßung sowie Überheblichkeit und kritisierte in diesem Zusammenhang die generelle Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Senders.
ORF-Wahl 2026: Die Entscheidung steht bevor
Die aktuellen Turbulenzen am Küniglberg überschatten die entscheidende Phase der ORF-Wahl 2026. Am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, bestellt der Stiftungsrat die neue ORF-Generaldirektorin oder den neuen ORF-Generaldirektor für die Funktionsperiode von 2027 bis 2031. Bereits am Montag, dem 8. Juni, präsentierten die Bewerber:innen in der Sendung "ORF-Wahl 26: Vor der Entscheidung" auf ORF III und ORF On ihre Konzepte. Unter der Gesprächsleitung von ORF-III-Chefredakteurin Lou Lorenz-Dittlbacher und Reiner Reitsamer stellten sie sich den Fragen von Redaktion, Publikum und Gremien.
Zum Kreis der Kandidat:innen gehören – in alphabetischer Reihenfolge – der ehemalige ServusTV-Chefredakteur Robert Altenburger, der frühere ProSieben.Sat1.Puls4-Österreich-Geschäftsführer Markus Breitenecker, der vormalige Hulu- und HBO-Manager Johannes Larcher, der ehemalige APA-Chef Clemens Pig, Exxpress-Miteigentümerin Eva Schütz, ORF-Magazinchefredakteurin Lisa Totzauer sowie ORF-III-Kogeschäftsführerin Kathrin Zierhut-Kunz. Die offiziellen Hearings finden am Donnerstag direkt vor der entscheidenden Wahl im ORF-Zentrum statt.
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