Reaktion auf steigenden Inflationsdruck
Europäische Zentralbank hebt Leitzinsen erstmals seit 2023 an

| Redaktion 
| 11.06.2026

Hintergrund der Anhebung sind steigende Inflationsrisiken, die vor allem mit höheren Energiepreisen in Verbindung gebracht werden. Gleichzeitig rechnet die Notenbank mit einer schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung im Euroraum aufgrund geopolitischer Entwicklungen.

Am 5. Juni 2025 wurden zuletzt die Leitzinsen gesenkt: Der EZB-Rat beschloss, die drei Leitzinssätze der Europäischen Zentralbank (EZB) um jeweils 0,25 Prozentpunkte zu reduzieren (LEADERSNET berichtete). Nach einer Serie von Zinssenkungen legte die EZB rund um Präsidentin Christine Lagarde anschließend eine geldpolitische Pause ein (LEADERSNET berichtete u.a. hier und hier). Dementsprechend belief sich der Zinssatz für die Einlagefazilität sowie die Zinssätze für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte und für die Spitzenrefinanzierungsfazilität auf 2,00 Prozent, 2,15 Prozent beziehungsweise 2,40 Prozent.

Zinssatz wird nun angehoben

Nun hat die Notenbank ihren geldpolitischen Kurs geändert. Der EZB-Rat beschloss am Donnerstag, die drei maßgeblichen Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Damit kommt es erstmals seit September 2023 zu einer Zinserhöhung im Euroraum. Der Zinssatz für die Einlagefazilität steigt auf 2,25 Prozent, jener für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte auf 2,40 Prozent und jener für die Spitzenrefinanzierungsfazilität auf 2,65 Prozent. Die neuen Zinssätze gelten ab dem 17. Juni 2026.

Höhere Energiepreise erhöhen Inflationsdruck

Zur Begründung ihrer Entscheidung verweist die EZB auf die zuletzt gestiegenen Risiken für die Preisstabilität im Euroraum. Insbesondere die Entwicklung der Energiepreise habe die Inflationsaussichten verändert und den Preisdruck verstärkt. Mit einer Inflationsrate von 3,2 Prozent erreichte die Teuerung im Euroraum im Mai den höchsten Stand seit Oktober 2023 (LEADERSNET berichtete). Nach Einschätzung der Währungshüter:innen könnte sich dieser Anstieg stärker und nachhaltiger auf die Verbraucherpreise auswirken als bisher erwartet.

Die Zentralbank betont, dass sie weiterhin entschlossen sei, ihr mittelfristiges Inflationsziel von zwei Prozent sicherzustellen. Die aktuelle Zinserhöhung soll dazu beitragen, eine nachhaltige Rückkehr der Inflation auf dieses Niveau zu gewährleisten.

Inflationsprognosen nach oben angepasst

Im Zuge der aktuellen Sitzung veröffentlichte die EZB auch neue makroökonomische Projektionen. Dabei wurden die Erwartungen für die Preisentwicklung nach oben revidiert.

Für das Jahr 2026 rechnen die Expert:innen der EZB nun mit einer durchschnittlichen Inflationsrate von 3,0 Prozent. Für 2027 wird eine Teuerung von 2,3 Prozent erwartet. Erst 2028 soll die Inflation wieder auf den Zielwert von 2,0 Prozent zurückgehen.

Wirtschaftsausblick eingetrübt

Während die Inflationsprognosen angehoben wurden, blickt die EZB etwas vorsichtiger auf die wirtschaftliche Entwicklung im Euroraum. Die Notenbank verweist auf eine erhöhte Unsicherheit, die Investitionen und Konsumausgaben dämpfen könnte.

Zusätzliche Belastungen könnten sich laut EZB aus höheren Energiekosten, möglichen Störungen von Lieferketten sowie einer schwächeren Stimmung bei Unternehmen und Konsument:innen ergeben. Diese Faktoren könnten das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren bremsen.

Künftige Zinsschritte bleiben offen

Für die kommenden Sitzungen legte sich die EZB nicht auf einen bestimmten Kurs fest. Vielmehr bekräftigte der EZB-Rat seinen datenabhängigen Ansatz. Künftige geldpolitische Entscheidungen sollen weiterhin auf Basis der jeweils verfügbaren Wirtschafts- und Inflationsdaten getroffen werden.

Ob der aktuelle Zinsschritt eine einmalige Maßnahme bleibt oder weitere Erhöhungen folgen, ließ die Zentralbank offen. Maßgeblich werde sein, wie sich Inflation, Konjunktur und die Wirkung der bisherigen geldpolitischen Maßnahmen entwickeln.

www.ecb.europa.eu

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