Interview mit Andreas Altmann
"Unsere Forschungsvorhaben zielen weniger auf Erkenntnisgewinn als auf Lösungen"

Im LEADERSNET-Interview spricht Andreas Altmann, Rektor des "MCI – Die Unternehmerische Hochschule", über die Entwicklung des MCI in den vergangenen 30 Jahren, die Bedeutung von Praxisnähe und Innovation sowie die Zukunft der Hochschulbildung. Zudem gibt er Einblicke in die internationale Ausrichtung der Bildungseinrichtung und ihre Rolle als Impulsgeber für Wirtschaft und Forschung.

LEADERSNET: Sehr geehrter Herr Altmann, das MCI feiert heuer seinen 30. Geburtstag – worauf sind Sie besonders stolz? 

Andreas Altmann: Es gibt vieles, was mich riesig freut. Der hohe Bekanntheitsgrad und gute Ruf des MCI – egal, wo man in der Welt hinkommt. Die coole Unternehmenskultur, der familiäre Zusammenhalt und der ungebrochene Teamgeist eines "let‘s do". Weiters die ausgeprägte Internationalität, die enorme Nachfrage nach unseren Studienangeboten und Forschungsleistungen und nicht zuletzt die beeindruckenden Karrieren unserer Absolvent:innen.

LEADERSNET: Wenn Sie auf die Entwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte zurückblicken, welche Meilensteine waren aus Ihrer Sicht besonders prägend?

Altmann: In 30 Jahren kommt da einiges zusammen. Ein grundlegender Meilenstein wurde sicher mit der Gründung des MCI Trägervereins gelegt, der die Universität Innsbruck, das Bundesland Tirol, Die Landeshauptstadt Innsbruck, die Sozialpartner Wirtschaft, Arbeit und Industrie zusammenbringt und damit Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Standort integrativ miteinander verknüpft. Das ist österreichweit einzigartig, international beispielgebend und hat den Grundstein für die Philosophie, Kultur, inhaltliche Ausrichtung und eindrucksvolle Entwicklung gelegt.

Dies vor dem Hintergrund der besonderen Herausforderung, am Standort mit zwei etablierten Universitäten nicht eine Duplizierung des Be­stehenden, sondern deren komplementäre Erweiterung zu bewirken. 

LEADERSNET: Welche Rolle spielt das MCI heute für den Bildungs-, Forschungs- und Wirtschaftsstandort Tirol sowie für Österreich insgesamt? 

Altmann: Das MCI hat sich mit seinem umfassenden Leistungsprogramm zu einer über klassische Hochschulmodelle weit hinausgehenden Einrichtung entwickelt. Unser Studienangebot in den Bereichen Wirtschaft, Recht, Tourismus, IT, Gesundheit, Soziales, Technologie und Life Sciences bietet auf Bachelor- und Masterniveau Studiengänge in Vollzeit-, berufsbegleitender, Online- und dualer Form. 

Dazu kommt ein umfassendes akademisches Weiterbildungsprogramm mit Seminaren, Kurzlehrgängen, modular gestaltbaren MBA- und LL.M. Studiengängen, maßgeschneiderten Firmenschulungen u.ä. 

Während sich Forschungs­arbeiten an öffentlichen Universitäten im Wesentlichen in Pub­likationen niederschlagen, deren wichtigster Adressat die Scien­tific Community ist, fokussieren die Forschungsarbeiten des MCI auf Lösungen für die betreffen­den Industrien und sonstige Ad­ressat:innen.

LEADERSNET: Das dem MCI bei dessen Gründung zugrunde liegende Konzept ging im Vollausbau von sechs Mitarbeitenden aus. Wo steht das MCI heute?

Altmann: Hier ein paar Zahlen: 3.700 Studierende, beinahe 20.000 Absolvent:innen, 500 fixe Mitarbeitende, 1.000 nebenberuflich Lehrende etc. Für unsere jährlich 1.350 neu zu vergebenden Studienplätze erhalten wir mehr als 5.000 Bewerbungen aus aller Welt. Unsere Studierenden kommen aus 100 Ländern, unser Kernteam aus 40 Ländern. Unser Student Exchange Programm ermöglicht jährlich 1.000 Studierenden, ein Semester oder Studienjahr an einer unserer internationalen 300 Partneruniversitäten oder von dort kommend am MCI zu verbringen. 

LEADERSNET: Das MCI wurde ursprünglich mit dem Ziel gegründet, praxisnahe und zukunftsorientierte Weiterbildung anzubieten. Wie hat sich die Hochschullandschaft verändert – wohin geht die Reise? 

Altmann: In den letzten Jahrzehnten ist die Zahl der Hochschulen und Studierenden in Österreich und international geradezu explodiert. Zunehmend trennt sich die Spreu vom Weizen. Dislozierte oder suboptimal aufgestellte Standorte haben es schwer – so sehr regionalpolitische Interessen verständlich sein mögen, um die Jugend im Land zu halten und Unternehmen in der Peripherie attraktive Rahmenbedingungen zu bieten.

Auch hat man verstanden, dass eine hohe Akademikerquote kein Ziel für sich ist und eine duale Ausbildung oft sogar bessere Berufschancen und Verdienstmöglichkeiten als manche Studienabschlüsse bieten. Gerade langfristig wirkende Entscheidungen sollten gut überlegt und zu Ende gedacht sein. 

Insgesamt wird die Bildungs-, Wissenschafts- und Arbeitswelt immer internationaler, sowohl in den Inhalten als auch hinsichtlich der Zielgruppen, Märkte und Wettbewerbsverhältnisse. Eine ganz besondere Rolle spielen die atemberaubenden Entwicklungen im Bereich künstlicher Intelligenz, die keinen Stein auf dem anderen lassen werden. 

LEADERSNET: Die Sicherung qualifizierter Fachkräfte zählt zu den zentralen Herausforderungen vieler Unternehmen. Inwiefern trägt das MCI durch seine Studien- und Weiterbildungsangebote dazu bei, und welche Bedeutung hat die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft dabei?

Altmann: Im Unterschied zu klassischen Universitäten, deren Ziel im Wesentlichen der Sammlung, Mehrung, Aufbereitung und Vermittlung von Wissen dient, fokussiert das MCI darüber hinaus auf die Vermittlung von Know-how sowie dessen Anwendung und Umsetzung in Wirtschaft und Gesellschaft. 

Unsere Forschungsvorhaben zielen weniger auf Erkenntnisgewinn als auf Lösungen, was in innovativen Technologien, Verfahren, Produkten und Geschäftsmodellen ihren Niederschlag findet. 

Unsere Studien- und Weiterbildungsprogramme entwickeln und implementieren wir in Zusammenarbeit mit Expert:innen aus der Wirtschaft, die in weiterer Folge auch in Aufnahmeverfahren, Lehre, Projekten, Berufspraktika, unserem leistungsfähigen Career Center und in vielfältigen weiteren Aktivitäten eingebunden sind.

LEADERSNET: Welche Rolle spielt berufsbegleitende Weiterbil­dung für Fach- und Führungs­kräfte, welche Formate setzen sich Ihrer Meinung nach durch? 

Altmann: Berufsbegleitende Weiterbildung ist und bleibt für die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit eines Standorts essenziell, schlicht aus dem Umstand, dass Wissen immer schneller veraltet. Wissen selbst wird immer mehr zu einer über digitale Kanäle verfügbaren Commodity. Fundiertes Grundlagenwissen wird deswegen aber nicht weni­ger wichtig, weil die in Echtzeit abrufbaren Informationen in der Folge eingeordnet, beurteilt und in sinnvolle Entscheidun­gen überführt werden müssen. 

Berufsbegleitende Weiterbil­dung fokussiert sich daher in aller Regel auf eine Aktualisierung von Wissen, dessen Einordnung, Erarbeitung und Diskussion von Entscheidungsoptionen sowie die Gestaltung diesbezüglicher Strukturen und Prozesse. Eine besonders wichtige Funktion von berufsbegleitender Weiterbildung besteht auch in der Herstellung von persönlichen Netzwerken un­ter den Teilnehmenden, die weit über die eigentliche Seminar- bzw. Vermittlungsphase hinaus­reichen und Wirkung entfalten.

LEADERSNET: Innsbruck und Tirol haben sich in den vergangenen Jahren zu einem attraktiven Standort für Gründer:innen sowie innovative Unternehmen entwickelt. Welche Rolle spielt das MCI bei der Förderung von Start-ups und Unternehmertum, und welche Erfolgsgeschichten sind Ihnen dabei besonders in Erinnerung geblieben?

Altmann: Entsprechend unserem Gründungsauftrag und unserer Positionierung als "Unternehmerische Hochschule" wird am MCI Entrepreneurship nicht nur gelehrt, sondern wir motivieren, unterstützen und begleiten unsere Studierenden und Alumni aktiv in Phasen der Unternehmensgründung und engagieren uns in Form gesellschaftsrechtlicher Beteiligungen an Start-up-Unternehmen.

Unternehmertum bedeutet Mut, Entscheidungsstärke und Kreativität. Echte Innovation entsteht nicht durch Marktforschung, sondern durch die Überzeugung von Gründer:innen. Vieles, was an Märkten heute vorhanden ist, ist nicht über Kundenbefragungen gekommen, sondern über das Gespür von Unternehmern, die ins Risiko gehen, weil sie überzeugt sind von ihrer Idee und dieser mit Energie, Leidenschaft und Durchhaltevermögen zum Durchbruch verholfen haben. Bekanntlich heißt es ja "unternehmen", nicht "unterlassen". 

Hier ein paar eindrucksvolle Beispiele für erfolgreiches Unternehmertum: Single Use Support wurde von MCI Alumni gegründet und hat sich innert kurzer Zeit zu einem Unternehmen mit beinahe einer Milliardenbewertung entwickelt. Der kürzliche, von einem MCI Alumnus maßgeblich mitgestaltete Börsengang hat INNIO zu einem der wertvollsten Unternehmen Österreichs mit einem Börsenwert von jenseits von 20 Milliarden Euro gemacht. Das weltweit tätige Unternehmen Syncraft baut mit einer am MCI entwickelten und patentierten Technologie revolutionäre Biomassekraftwerke, die kostengünstig und CO₂-neutral Energie erzeugen. 

LEADERSNET: Das MCI veranstaltet Wirtschaftsforen und begrüßt an der Hochschule laufend hochrangige Persönlichkeiten. Wie wichtig sind die hieraus entstehenden Netzwerke für die persönliche und berufliche Entwicklung der Studierenden, und welchen Mehrwert können Absolvent:innen langfristig daraus ziehen?

Altmann: Unsere Wirtschaftsforen in Innsbruck, Bozen und Salzburg und akademischen Gastvorträge im In- & Ausland vermitteln wertvolle Impulse, bringen Entscheidungsträger:innen zusammen und vernetzen das MCI mit Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik. 

Die Förderung und Pflege von Kontakten und Netzwerken sehen wir als zentralen Erfolgsfaktor für Hochschulen, Innovation und Karriere. Sie sind unglaublich wichtig für Ruf, Marke, Ansehen einer Hochschule und die hieraus resultierenden Chancen für Mitarbeitende, Studierende und Alumni.

Besondere Highlights für unsere Studierenden waren u.a. die EU-Präsidenten Jean-Claude Juncker und Romano Prodi, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, Nobelpreisträger Lech Walesa, Whistle Blower Edward Snowden oder FC Bayern Präsident Herbert Hainer. 

Wo, wenn nicht während eines Studiums, sollen sich junge Menschen mit internationalen Themen befassen, weltweit Kontakte knüpfen, sich auf globale Herausforderungen vorbereiten und sich im interkulturellen Umfeld bewegen lernen? Es wäre verantwortungslos, Studierenden diese essenziell wichtige Dimension vorzuenthalten.

LEADERSNET: Wie schauen die Pläne von MCI für 2026 und die (noch) weitere Zukunft aus?

Altmann: Im Bereich MCI Campus und Infrastruktur wurden in der Vergangenheit große politische Fehlentscheidungen getroffen. Hierdurch wurde das MCI unnötig zu einer heißen Kartoffel gemacht, die jahrelang hin- und hergeschoben wurde, was nun in eine zukünftige Entwicklung beschränkende Sanierung von über die Stadt verteilte und in fremdem Eigentum stehende Mietstandorte mündet. Unser täglich an die Grenzen der Leistungsfähigkeit gehendes Team versucht sich hiervon möglichst wenig berirren zu lassen und mit diesen Rahmenbedingungen umzugehen. 

Was unsere Zukunftspläne angeht: Wir wollen unsere kooperativen Studienprogramme im Ausland weiter ausbauen, bspw. unser MSc-DBA Programm Innsbruck-Paris, unser Executive PhD Innsbruck-Antwerpen und unsere Double-, Joint- & Multiple Degree Programme – und ganz besonders unsere "European University Ulysseus".

Ganz besonders wichtig ist für uns die Erwirkung eines Promotionsrechts zur Stärkung von Forschung & Innovation und zur Vermeidung des Umstands, dass wir unsere besten Köpfe zum Promovieren ins Ausland schicken müssen, sie dort ihre Forschungsleistung erbringen und nicht mehr zurückkommen. 

Weiteres Ziel ist der Aufbau eines hochschulischen Risikokapitalfonds, damit junge Talente ihre Ideen nicht andernorts verfolgen, sondern bei uns realisieren können. Weiters der Ausbau unseres akademischen Angebots im Bereich der künstlichen Intelligenz, der humanoiden Robotik, der Medizin- und Gesundheitstechnologie, der Cyber Security und des Digital Entrepreneurship. Nicht zu vergessen, der Ausbau unseres Career Centers, unseres Alumni Clubs und lebendiger Chapter Meetings in aller Welt. 

LEADERSNET: Was kann der "Rektor" und "Geschäftsführer" Altmann von der "Privatperson" Altmann lernen?

Altmann: Das täglich empfundene Gefühl zufrieden, glücklich und dankbar zu sein.

www.mci.edu

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