Interview mit Daniela Gruber
"Nachhaltigkeit darf nicht zwischen den Bereichen verloren gehen"

Im LEADERSNET-Interview spricht Daniela Gruber, Co-Founderin von Lindlpower impact Personalmanagement, u.a. darüber, warum Nachhaltigkeit zunehmend zur Organisationsfrage wird, welche Fachkräfte künftig gefragt sind und weshalb klare Verantwortlichkeiten entscheidend sind.

LEADERSNET: Sehr geehrte Frau Gruber, viele Unternehmen haben sich jahrelang auf ESG-Reporting konzentriert. War das die falsche Diskussion?

Daniela Gruber: Nicht falsch, aber zunehmend die falsche Priorität. Heute beschäftigen Unternehmen Themen wie die EU-Verpackungsverordnung, Lieferkettenanforderungen oder die Entwaldungsverordnung. Die entscheidende Frage ist nicht mehr "Was müssen wir berichten?", sondern "Wer setzt all das eigentlich um?".

LEADERSNET: Was bedeutet das für den Personalbedarf?

Gruber: Unternehmen suchen heute weniger klassische ESG-Manager:innen oder ESG-Controller:innen. Gesucht werden Menschen, die neue regulatorische Anforderungen in ihrem Fachbereich umsetzen können: im Einkauf, im Qualitätsmanagement, in der Produktentwicklung oder entlang der Lieferkette. Nachhaltigkeit wird damit zunehmend Teil bestehender Funktionen und weniger ein eigenes Berufsbild.

LEADERSNET: Brauchen Unternehmen künftig also weniger Nachhaltigkeitsexpert:innen?

Gruber: Nicht unbedingt. Aber eine andere Art davon. Die spannendere Frage lautet aus meiner Sicht: Wer behält den Überblick? Denn die Anforderungen werden mehr, nicht weniger. Gleichzeitig landen sie in immer mehr Bereichen des Unternehmens.

LEADERSNET: Woran merken Sie das in Ihrer Arbeit als Personalberaterin?

Gruber: Vor einigen Jahren wurden wir häufig nach ESG-Controller:innen gefragt. Heute führen Geschäftsführer:innen andere Gespräche: Wer kümmert sich um die Verpackungsverordnung? Wer beobachtet neue Anforderungen? Wer koordiniert die Umsetzung? Und wer sorgt dafür, dass nicht jede Abteilung ihre eigene Lösung entwickelt?

LEADERSNET: Und wer sollte diese Rolle übernehmen?

Gruber: Genau darüber wird derzeit in vielen Unternehmen diskutiert. Manche verankern das Thema in der Geschäftsführung. Andere im Qualitätsmanagement, in Compliance oder in einer Stabsfunktion.
Aus meiner Sicht ist die konkrete Verankerung weniger entscheidend als die Tatsache, dass sie überhaupt geklärt ist.

LEADERSNET: Warum?

Gruber: Weil Nachhaltigkeit derzeit Gefahr läuft, zwischen mehreren Bereichen verloren zu gehen. Alle wissen, dass die Anforderungen kommen. Aber oft ist nicht definiert, wer die Verantwortung trägt. Und genau dort entsteht das eigentliche Risiko.

LEADERSNET: Das heißt, Nachhaltigkeit wird zur Organisationsfrage?

Gruber: Absolut. Die meisten Unternehmen haben heute kein Wissensproblem mehr. Sie haben ein Verantwortungsproblem. Die entscheidende Frage ist nicht, welche Verordnung als Nächstes kommt. Die entscheidende Frage ist: Wer hält im Unternehmen die Fäden in der Hand?

LEADERSNET: Vielen Dank!

www.lp-impact.com

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