Am vergangenen Sonntag (19. Juli 2026) ging in Salzburg die heurige Premiere des "Jedermann" über die Bühne. Mit dem Stück von Hugo von Hofmannsthal wurde in der Mozartstadt auch die Festspiel-Saison 2026 eingeläutet. Heuer spielen Philipp Hochmair den "Jedermann" und Roxane Duran die "Buhlschaft" (LEADERSNET berichtete).
Der "Jedermann"-Premiere folgte eine Woche später die offizielle Eröffnung der Salzburger Festspiele. Auch in diesem Jahr geschah das traditionellerweise durch den Festakt, der in der Felsenreitschule stattfand und von zahlreichen Vertreter:innen aus Politik, Wirtschaft, Kunst und Kultur besucht wurde.
Maria Kolesnikowa wirbt für Freiheit und Dialog
Im Mittelpunkt des Festakts stand die belarussische Bürgerrechtlerin und Musikerin Maria Kolesnikowa. Rund 226 Tage nach ihrer Freilassung aus mehr als fünfjähriger Haft sprach sie über Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit. Sie erinnerte an Menschen, die weiterhin aus politischen Gründen inhaftiert sind, und betonte, dass ihr größter persönlicher Sieg gewesen sei, Hass und Angst nicht die Oberhand gewinnen zu lassen.
Zugleich warb sie für eine Kultur des Zuhörens und des Dialogs. Demokratie lebe nicht nur vom Recht auf freie Meinungsäußerung, sondern ebenso von der Bereitschaft, einander zuzuhören. Kunst und Kultur bezeichnete sie als Orte, an denen Mitgefühl und gesellschaftlicher Zusammenhalt gestärkt werden können. Mit Blick auf den technologischen Wandel mahnte sie, entscheidend bleibe letztlich, "wie menschlich wir bleiben". Für ihre Rede erhielt Kolesnikowa mehrfach Zwischenapplaus und zum Abschluss Standing Ovations.
Van der Bellen über Heimat und demokratische Verantwortung
Bundespräsident Alexander Van der Bellen stellte seine Ansprache unter das Thema Heimat. Ausgehend von Kolesnikowas Lebensgeschichte sowie seiner eigenen Familiengeschichte als Kind von Geflüchteten sprach er über Migration, Zugehörigkeit und demokratische Verantwortung.
Heimat sei kein Besitzstand, sondern auch ein Glück, das Zusammenhalt, Kompromissfähigkeit und das Eintreten für liberale Demokratie, Menschenrechte sowie Kunstfreiheit voraussetze.
Gleichzeitig warnte er davor, den Begriff politisch zu vereinnahmen. Humorvoll flocht der Bundespräsident auch persönliche Anekdoten ein und sprach über seine Herkunft, bevor er den Bogen zu Europa und demokratischen Werten spannte.
Besonders hob Van der Bellen hervor, dass funktionierende liberale Demokratien auf Kompromissen beruhen; insbesondere in Koalitionsregierungen. Wer diese Kompromissfähigkeit geringschätze, verkenne einen wesentlichen Grundpfeiler demokratischer Gesellschaften. Darüber hinaus sprach er sich für ein unabhängigeres Europa und entschlossenes Handeln beim Klimaschutz aus.
Grußworte von Babler und Edtstadler
Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler erinnerte in ihrer Begrüßungsrede an Stefan Zweigs Werk "Die Welt von Gestern" und dessen Schilderung Europas vor den großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Die Salzburger Festspiele würden dazu einladen, nicht nur Kunst zu erleben, sondern auch die Gegenwart kritisch zu reflektieren.
Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler griff das Motto des diesjährigen Programms auf und erklärte, dieses stelle "der kalten Vernunft die Macht des Herzens gegenüber". In Zeiten von Klimakrise und gesellschaftlicher Spaltung brauche es Orientierung ebenso wie Verantwortungsbewusstsein. Dabei zitierte er Ingeborg Bachmann mit den Worten: "Die Geschichte lehrt, aber sie hat keine Schüler." Zudem verwies Babler auf die Uraufführung von Elfriede Jelineks "Unter Tieren", die gesellschaftliche Entwicklungen thematisiere.
Musik und Literatur als Teil des Festakts
Musikalisch gestaltet wurde die Eröffnung vom Mozarteumorchester Salzburg unter der Leitung des belarussischen Dirigenten Vitali Alekseenok. Das Konzert begann mit der österreichischen Bundeshymne. Auf dem Programm standen außerdem Werke von Édouard Lalo, Olivier Messiaen und Lili Boulanger. Alekseenok wurde 1991 in Belarus geboren, verließ seine Heimat aus politischen Gründen und lebt heute in Deutschland.
Einen weiteren Höhepunkt setzte Schauspielerin Senta Berger mit der Lesung eines 1943 entstandenen Textes von Festspiel-Mitbegründer Max Reinhardt. Darin beschreibt dieser die Herausforderungen der Theaterkunst in schwierigen Zeiten – Gedanken, die auch heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.
Festival bietet mehr als 170 Aufführungen
Mit den traditionellen Worten "Die Salzburger Festspiele sind eröffnet" beendete Bundespräsident Van der Bellen den rund zweistündigen Festakt. Am Sonntagabend folgte die Premiere von Georges Bizets Carmen unter der musikalischen Leitung von Teodor Currentzis. Bereits am Montag steht die Uraufführung von Peter Handkes Schnee von gestern, Schnee von morgen in der Regie von Jossi Wieler auf dem Programm.
Bis zum 30. August umfasst das Festival mehr als 170 Aufführungen innerhalb von 45 Tagen an 19 Spielstätten. Ergänzt wird das Angebot durch 37 Vorstellungen des Jugendprogramms "jung & jede*r".
Einen Eindruck von der Eröffnung können Sie sich hier machen.
www.salzburgerfestspiele.at
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