Europa fällt weiter zurück
Rechenzentren werden zum Engpass im globalen KI-Rennen

| Tobias Seifried 
| 26.07.2026

Während der weltweite Ausbau digitaler Infrastruktur rasant voranschreitet, droht Europa an Boden zu verlieren. Expert:innen sehen hohe Energiekosten, langsame Genehmigungen und fehlende Netzkapazitäten als größte Bremsen.

Laut einer aktuellen Studie von Roland Berger wird sich der weltweite Ausbau von Rechenzentren in den kommenden Jahren massiv beschleunigen. Der Beratungsagentur zufolge soll die installierte Rechenzentrumskapazität von 88 Gigawatt im Jahr 2025 auf bis zu 340 Gigawatt im Jahr 2035 steigen. Parallel dazu wachse der Anteil künstlicher Intelligenz an der gesamten Rechenzentrumsleistung von derzeit rund 20 auf knapp 60 Prozent. Gleichzeitig warnen die Studienautor:innen davor, dass Europa im internationalen Wettbewerb weiter zurückzufallen droht.

Europa verliert weiter an Bedeutung

Während der weltweite Ausbau mit hoher Dynamik voranschreitet, dürfte Europas Anteil an der globalen Rechenzentrumskapazität nach Einschätzung von Roland Berger bis 2030 von derzeit rund 13 auf etwa zehn Prozent sinken. Die USA verfügten bereits 2025 über mehr Rechenzentren als Westeuropa und Asien zusammen.

Nach Einschätzung von Edeltraud Leibrock, Global Managing Director bei Roland Berger, sind leistungsfähige Stromnetze, schnellere Genehmigungsverfahren und wettbewerbsfähige Energiepreise entscheidend, um Europas digitale Souveränität zu sichern. Eigene Rechenzentren seien eine Grundvoraussetzung, um sensible Daten nach europäischem Recht zu verarbeiten und ein wettbewerbsfähiges KI-Ökosystem aufzubauen.

Drei zentrale Bremsfaktoren

Als größte Herausforderungen identifiziert die Studie den langsamen Ausbau der Strominfrastruktur, hohe Energiekosten und komplexe regulatorische Vorgaben.

So könne der Netzanschluss eines neuen Rechenzentrums in Europa bis zu sieben Jahre dauern. Gleichzeitig erwarten 69 Prozent der befragten Branchenexpert:innen, dass sich die Verfügbarkeit von Energie bis 2035 weiter verschlechtern wird. Hinzu kommen langwierige Genehmigungsprozesse, die den Ausbau zusätzlicher Kapazitäten verzögern.

Die Dimension des Infrastrukturbedarfs verdeutlicht laut Studie auch der Energieverbrauch: Ein modernes KI-Rechenzentrum mit einer Leistung von einem Gigawatt benötigt ähnlich viel Strom wie eine Stadt mit rund einer Million Haushalten.

Infrastruktur wird zum Standortfaktor

Für Nikolaus Lehmann, Partner bei Roland Berger, sind leistungsfähige Rechenzentren längst zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor geworden. KI und Rechenzentren würden bereits heute wesentlich zum Wirtschaftswachstum in den USA beitragen. Europa profitiere zwar teilweise als Zulieferer, drohe jedoch, ohne ausreichende eigene Rechenkapazitäten stärker von anderen Regionen abhängig zu werden.

Nach Einschätzung der Studienautor:innen reichen finanzielle Förderungen allein nicht aus. Erforderlich seien vielmehr eine vorausschauende Netzplanung sowie technologieoffene Rahmenbedingungen, die Investitionen beschleunigen, statt verzögern.

www.rolandberger.com

Wichtigste Ergebnisse und Methodik

  • Weltweite Rechenzentrumskapazität wächst von 88 Gigawatt (2025) auf bis zu 340 Gigawatt (2035).
  • Der KI-Anteil an der gesamten Rechenzentrumsleistung steigt von rund 20 auf knapp 60 Prozent.
  • Europas Anteil an der globalen Rechenzentrumskapazität sinkt bis 2030 von 13 auf rund zehn Prozent.
  • Der Netzanschluss eines Rechenzentrums kann in Europa bis zu sieben Jahre dauern.
  • 69 Prozent der Branchenexpert:innen erwarten eine schwierigere Energieversorgung bis 2035.
  • Ein KI-Rechenzentrum mit einem Gigawatt Leistung benötigt so viel Strom wie rund eine Million Haushalte.


  • Grundlage der Studie sind ein eigenes Roland-Berger-Modell sowie die Befragung von 70 Führungskräften aus der europäischen Rechenzentrumsbranche.

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Wichtigste Ergebnisse und Methodik

  • Weltweite Rechenzentrumskapazität wächst von 88 Gigawatt (2025) auf bis zu 340 Gigawatt (2035).
  • Der KI-Anteil an der gesamten Rechenzentrumsleistung steigt von rund 20 auf knapp 60 Prozent.
  • Europas Anteil an der globalen Rechenzentrumskapazität sinkt bis 2030 von 13 auf rund zehn Prozent.
  • Der Netzanschluss eines Rechenzentrums kann in Europa bis zu sieben Jahre dauern.
  • 69 Prozent der Branchenexpert:innen erwarten eine schwierigere Energieversorgung bis 2035.
  • Ein KI-Rechenzentrum mit einem Gigawatt Leistung benötigt so viel Strom wie rund eine Million Haushalte.


  • Grundlage der Studie sind ein eigenes Roland-Berger-Modell sowie die Befragung von 70 Führungskräften aus der europäischen Rechenzentrumsbranche.

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