EY Start-up Investment Barometer Halbjahr 1/26
Österreichs Start-up-Szene feiert ein überraschend starkes Comeback

Heimische Jungunternehmen verzeichneten im ersten Halbjahr 2026 so viele Finanzierungsrunden wie noch nie. Bei den besonders großen Investments waren österreichische Geldgeber:innen allerdings kaum noch an Bord.

Risikokapital kennt keine Landesgrenzen, und wohin es fließt, zeigt recht zuverlässig, welchen Standorten die Investmentbranche gerade etwas zutraut. In dieser Rechnung hat Österreich im ersten Halbjahr 2026 kräftig aufgeholt. 472 Millionen Euro flossen in heimische Start-ups, gemessen am ersten Halbjahr 2025 ein Zuwachs von satten 329 Prozent. Auch bei der Zahl der Abschlüsse steht ein Höchstwert zu Buche, 97 waren es zuletzt, nach 70 ein Jahr davor. Das zeigt das aktuelle EY Start-up Investment Barometer Österreich, das gemeinsam mit invest.austria erstellt wird und veröffentlichte Finanzierungsrunden in höchstens zehn Jahre alten Unternehmen mit Hauptsitz in Österreich erfasst.

Ausländische Fonds stellen zwei Drittel des Volumens

Getragen wird die Erholung überwiegend von Geld aus dem Ausland. Runden, an denen ausschließlich internationale Geldgeber:innen beteiligt waren, brachten mindestens 300 Millionen Euro auf, nach lediglich 21 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2025. Ihr Anteil am gesamten Finanzierungsvolumen kletterte von 27 auf 64 Prozent, rein österreichisch besetzte Runden steuerten nur noch fünf Prozent bei.

Nach Köpfen gezählt fällt das Bild anders aus. Von mindestens 230 namentlich bekannten Investor:innen haben 116 ihren Hauptsitz in Österreich, gefolgt von Deutschland mit 49, der Schweiz mit elf und den USA mit sieben. "Internationale Investor:innen sind zurück, und zwar nicht nur symbolisch, sondern mit substanziellen Tickets. Das ist ein starkes Vertrauenssignal für die Qualität österreichischer Start-ups und für die internationale Wahrnehmung des Standorts", meint Florian Haas, Head of Start-up bei EY Österreich.

Heimische Geldgeber bleiben in der Frühphase unverzichtbar

Im Alltag des Ökosystems sind österreichische Kapitalgeber:innen weiterhin allgegenwärtig. An mindestens 61 der 97 Runden waren sie beteiligt, 39 Abschlüsse wurden sogar ausschließlich von Investor:innen mit Sitz in Österreich gestemmt. Je größer das Ticket, desto dünner wird ihre Präsenz allerdings. Bei Runden bis zu einer Million Euro stellen sie 74 Prozent der beteiligten Kapitalgeber:innen, zwischen einer und zehn Millionen Euro 36 Prozent, darüber nur noch 12,5 Prozent. Im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert bei rund 80 Prozent. Sieben der zehn größten Finanzierungsrunden kamen zuletzt gänzlich ohne österreichische Beteiligung zustande.

"Um langfristig mehr Wertschöpfung, Wachstum und Skalierung im Inland zu ermöglichen, müssen wir zusätzliche heimische Kapitalquellen erschließen. Gerade institutionelle Investor:innen wie Pensionskassen, Versicherungen und Stiftungen spielen dabei eine zentrale Rolle", erklärt Daniela Haunstein, Managing Director von invest.austria. Die rasche Umsetzung des angekündigten Dachfonds sei dafür ein wichtiger Schritt.

Sichtbar werden die Folgen dieser Verteilung spätestens beim Verkauf eines Unternehmens. "Wenn Aushängeschilder wie Tractive oder zuletzt Emmi AI (LEADERSNET berichtete) erfolgreich verkauft werden, fließt das Geld nur dann in unseren Kreislauf zurück, wenn heimische Geldgeber:innen an Bord waren. Sie spielen das freigewordene Kapital durch neue Investments wieder in das System zurück, ein 'Flywheel-Effekt', der in anderen Start-up-Nationen längst als Erfolgsmotor dient", so Haunstein.

Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit ziehen das meiste Geld an

Thematisch konzentriert sich das Kapital auf zwei Felder. In AI-Start-ups flossen 93 Millionen Euro, der zweithöchste Halbjahreswert seit Beginn der Auswertung, 30 der 97 Runden entfielen auf Unternehmen mit AI-Bezug. Zusätzliche Sichtbarkeit brachte die Übernahme von Emmi AI durch Mistral.

Noch größer ist der Brocken im Nachhaltigkeitsbereich, wo 170 Millionen Euro und damit mehr als jeder dritte investierte Euro landeten, verteilt auf lediglich 14 Runden. Batteriefabriken, Energieprojekte oder Vorhaben zur Dekarbonisierung brauchen schlicht ungleich mehr Geld als ein Softwareprodukt, vergleichsweise wenige Unternehmen vereinen entsprechend hohe Summen auf sich.

"Investor:innen investieren heute nicht mehr nur in die Technologie selbst, sondern vor allem in konkrete Anwendungsfälle mit skalierbaren Geschäftsmodellen", so Haas. Für die kommenden Jahre sieht er die zentrale Aufgabe darin, internationales Kapital anzuziehen und zugleich das heimische Wachstumskapital zu stärken.

Die gesamte Studie finden Sie hier zum Download.

www.ey.com

www.invest-austria.com

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