Die Wiener Küche ist ein weltweites Unikat – sie ist die einzige Küche, die nach einer einzelnen Stadt benannt ist. Seit Jahrhunderten gilt sie als meisterhafte Fusionsküche, die kulturelle Einflüsse aus ganz Europa zu einer unverwechselbaren Genusskultur verschmilzt. Diese traditionsreiche Basis trifft nun auf neue, hungrige Generationen von Gastronom:innen und die Welle von Neueröffnungen beweist, dass Wiens Gastronomieszene lebendiger, mutiger und vielseitiger ist als je zuvor.
Gasthäuser, auch Beisl genannt, nehmen in Wien eine besondere Stellung ein. Und auch junge Menschen scheuen vor den Betrieben nicht zurück. So hat ein altes Wirtshaus nun neuen Namen eröffnet. Die Rede ist vom "Zum Bretschneider". Das gesamte Interieur stammt nach wie vor aus den 1950er-Jahren, und auch die Karte bleibt den Wurzeln treu und listet Schmankerl der Wiener Küche – darunter auch ein paar Innereien-Spezialitäten.
Dass sich Wiener Urgesteine ebenfalls neu erfinden können, beweist das Restaurant Figlmüller. Immer Frühsommer expandiert die Gastro-Gruppe und eröffnet im ersten Bezirk das Restaurant "Brioche und Brösel" (LEADERSNET berichtete). Dieses baut auf dem zuvor gegangenen Street-Food-Stand auf, wo neue Burger-Interpretationen mit Wiener Schnitzel oder auch Tafelspitz angeboten werden.
Selbst bei den traditionsreichen Kaffeehäusern tut sich was. Das berühmte Café Central nutzt die aktuelle Pause für Renovierungsarbeiten und öffnet im Herbst 2026 wieder seine Türen. Kaffeehaus-Fans müssen trotzdem nicht auf die legendäre Patisserie verzichten, denn das moderne Café Decentral auf der Freyung springt in der Zwischenzeit als wunderbare Alternative ein (LEADERSNET berichtete hier und hier). Was eigentlich nur als kurzzeitiges Pop-up geplant war, hat sich so gut bewährt, dass das Café Decentral den Gästen nun voraussichtlich dauerhaft erhalten bleibt.
Und schließlich bekommen auch die legendären Würstelstände Zuwachs. Hinter dem Stand "Würstel am Kanal" steckt eine charmante Dependance des Spittelberger Restaurants Collina am Berg. Das kulinarische Angebot verbindet die traditionelle Würstelstand-Kultur mit modernen Einflüssen, sodass Gäste neben bewährten Frankfurtern und Käsekrainern auch ausgefallene Kreationen wie Kimchi Hot Dogs, Philly Cheese Krainer oder Banh Mi mit Bratwurst genießen können.
Nach einem langen Dornröschenschlaf meldet sich zudem der Donauhof zurück. Nahe dem Nordbahnhof entwarf der Architekt Franz von Neumann im Jahr 1902 ein vielseitiges Gebäude, das damals ein Hotel, ein Restaurant, ein Café, einen Friseursalon sowie einen Ballsaal in sich vereinte. Nach einer langen Ruhephase zieht nun wieder neues Leben ein, denn ein dort eröffnetes Restaurant lockt mit außergewöhnlicher Architektur und einer erstklassigen Küche. Neben modernen Bistro-Gerichten setzt das Lokal auf zeitgemäße Updates der klassischen Wiener Küche wie Paradeiskrautfleckerl mit Sauerrahm oder Rindsrahmherzen mit Brioche-Knödeln.
Und in einem geschichtsträchtigen ehemaligen Schreibmaschinengeschäft aus der Kaiserzeit verbindet das frisch eröffnete Arici kulinarische und visuelle Freuden. Gäste dürfen sich auf eine ehrliche, schmackhafte italienische Küche freuen. Das gesamte Interieur gleicht einem historischen Juwel, welches durch ein elegantes Marmorportal, kunstvolle Holzverkleidungen mit Intarsien aus den 1920ern, gemütliche Plätze in den originalen Schaufenstern und eine stilvoll gekachelte Perlmutt-Bar besticht.
Ein Abbild der jungen Gastronomieszene ist dafür das Bistro Fantasy. In den Räumlichkeiten dominiert ein konsequenter Minimalismus, der sich durch rohe Betonwände und eine bewusst spartanische Einrichtung auszeichnet. Dieses Konzept spiegelt sich auch auf den Tellern wider, wo die Reduktion auf das Wesentliche für ein intensives Geschmackserlebnis sorgt. Abgerundet wird das Angebot durch eine durchdachte Auswahl an Frühstückskreationen und hochwertigen Cocktails, die ebenfalls auf ganzer Linie überzeugen.
Ebenso in junger Hand ist auch das Pomali. Zwei junge Gastronominnen bringen mit dem Lokal frischen Wind in ein historisches Wiener Vorstadt-Wirtshaus. Das zeitgemäße Konzept setzt den kulinarischen Schwerpunkt auf moderne Gemüsegerichte, bietet daneben aber auch jeweils ein Hauptgericht mit Fleisch und Fisch an. Die Küche orientiert sich strikt an regionalen sowie saisonalen Produkten.
Ein neues, 1,3 Hektar großes Stadtviertel belebt seit Kurzem das Gelände des früheren Sophienspitals im 7. Bezirk und verbindet Wohnraum mit Kultur- und Freizeitangeboten. Mittendrin, im geschichtsträchtigen Kenyon-Pavillon, haben großzügige Veranstaltungsräume sowie das Lokal "Sophie 7" ein neues Zuhause gefunden. Dieses Restaurant mit integrierter Bar besticht durch seine außergewöhnliche Lage inmitten der grünen Oase des Sophienparks. Auf den Tellern dreht sich alles um das gemeinsame kulinarische Erlebnis, bei dem abwechslungsreiche vegetarische und vegane Speisen zum Teilen einladen.
Der historische Wasserturm am einstigen Nordbahnhofgelände im zweiten Bezirk wird aktuell ebenfalls revitalisiert und verwandelt sich bis zum Jahresende 2026 in einen neuen kulinarischen Hotspot. Aus dem alten Backsteingebäude, das ehemals als Speicher für das Kesselwasser von Dampflokomotiven diente, entsteht ein zeitgemäßes Café mit gemütlichem Gastgarten. Das Projekt soll als wichtige Landmark und kulturelles Zentrum für das umliegende Viertel fungieren. Für ein einzigartiges Ambiente beim Kaffeegenuss sorgt im Inneren nicht zuletzt die beeindruckende Architektur mit einer Raumhöhe von bis zu dreizehn Metern.
Ein weiteres großes Stadtentwicklungsprojekt wurde im heurigen Frühjahr erfolgreich abgeschlossen. Auf der Donauinsel erstreckt sich mit dem Pier 22 ein rund 13.000 Quadratmeter großes Freizeitareal, das mit barrierefrei zugänglichen Badeplattformen sowie konsumfreien Liege- und Sportflächen aufwartet. Neben diesen öffentlich nutzbaren Zonen beheimatet das Gelände auch drei eigenständige Gastronomiebetriebe. Durch die jüngste Neueröffnung des Inselrestaurants namens "It’s Amore" gilt die umfassende Modernisierung des beliebten Areals an der Donau nun als offiziell vollendet.
Im Bereich der gehobenen Küche gibt es ebenfalls Neuheiten zu vermelden: Inmitten einer ruhigen Wohngegend eröffnet der gebürtige Peruaner Miguel Giraldo das Restaurant "Ossa", welches ein gehobenes kulinarisches Konzept konsequent auf einer Zero-Waste-Philosophie aufbaut. Die Küche präsentiert sich dabei ungemein kreativ sowie produktorientiert und nimmt die Gäste mit auf eine geschmackliche Reise, die sich in Form eines durchdachten Erlebnisses in sechs Gängen entfaltet.
Ein authentisches italienisches Fine-Dining-Erlebnis wie aus dem Bilderbuch verspricht wiederum das Restaurant "Partenope". In einem gehobenen Ambiente serviert das Haus Seafood-Kreationen aus Italien, die durch handwerkliche Präzision überzeugen. Als besonderes kulinarisches Highlight bereichern zudem täglich wechselnde Fische aus zertifiziertem Wildfang die erlesene Speisekarte.
Und ein absolut exklusives Konzept für koschere Küche erwartet Gäste im Restaurant "Mea Shearim Fine Dining". Das innovative Lokal verbindet die geschichtsträchtige Tradition der jüdischen Küche mit einer zeitgemäßen Fine-Dining-Kultur, wodurch es sich ein echtes Alleinstellungsmerkmal in der Wiener Gastronomieszene sichert. Auf den Tellern entfaltet sich ein kreatives Aromenspiel, das von mediterranen, orientalischen sowie asiatischen Einflüssen inspiriert und selbstverständlich vollkommen koscher zubereitet ist.
Restaurant-Neueröffnungen in Hotels
Die Wiener Gastronomielandschaft hat durch mehrere kürzlich eröffnete Hotels spannenden Zuwachs erhalten. Im luxuriösen Mandarin Oriental Vienna (LEADERSNET berichtete) erregt das ebenso exklusive Restaurant Le Sept Aufsehen, wo Thomas Seifried außergewöhnliche Meeresfrüchte- und Fischgerichte mittels französischer Küchentechniken und einem Hauch asiatischer Aromen zubereitet.
Eine moderne mediterrane Küche wird wiederum im Restaurant Boca kredenzt, das im hippen Hotel The Companion (LEADERSNET berichtete) angesiedelt ist. Hier zeichnet Lauryn Therin, die früher bereits für Ottolenghi und Neni kochte, für die Speisekarte verantwortlich. Die Location präsentiert sich in einer charmanten Optik der 1970er-Jahre, bei der freigelegte Strukturen, glänzender Marmor und handgearbeitetes Holz eine behagliche Atmosphäre kreieren. Als flüssige Ergänzung fungiert die hoteleigene Bar Calypso, die das kulinarische Ensemble vervollständigt.
Im ersten Bezirk dient Oscar Wilde als Namensgeber für das dortige Aparthotel Wilde, welches das Restaurant Rascal (LEADERSNET berichtete) beheimatet. In diesem Lokal verschmelzen klassische Brasserie-Gerichte mit osteuropäischen Einflüssen und Wiener Nuancen, wobei bewährte Speisen wie Beef Tatar oder Caesar Salad direkt vor den Augen der Gäste am Tisch inszeniert werden. Das Design des Interieurs ist vom Wien um 1900 inspiriert und verbindet historische Fragmente gekonnt mit modernen Materialien. Für eine dynamische Raumstimmung sorgt eine Lichtinstallation des Medienkünstlers SHA., die sich nach Sonnenuntergang als Freiluft-Projekt unter dem Titel "Museum of Change" im Innenhof der einstigen Postsparkasse fortsetzt.
Neues aus der Bar-Szene
Madame Seradj bringt mit ihrer Vision eines modernen Salons architektonischen Stil in das hippe Freihausviertel. In der tiefblau gestalteten Bar genießen Gäste Gerichte mit persischen Einflüssen, die eine Hommage an die familiären Wurzeln der Betreiberin sind.
Mit dem Dash X Drop bekommt Wien zudem eine moderne Cocktailbar, die auf regionale Zutaten und den aktuellen Trend zu alkoholfreien Drinks setzt. Der bekannte Barkeeper Dominik Oswald nutzt das Lokal als eine Art Labor zum Fermentieren oder Destillieren, um neue Aromen ins Glas zu bringen.
In der Zollergasse im 7. Bezirk, einer der lebendigsten Lokalmeilen der Stadt, sorgt das neu eröffnete Krawall Bar & Deli für frischen Wind. Das Konzept verbindet ein Deli für Kaffee und Sandwiches am Tag mit einer Cocktailbar für ein junges Publikum im Untergeschoß bei Nacht, auf deren Karte auch Klassiker wie Sex on the Beach zu finden sind.
Als opulentes Gegenprogramm empfiehlt sich die Cocktailbar Le Fou (LEADERSNET berichtete) am Bauernmarkt, die sich mit Kristall-Lustern, Seidentapeten und Samtmöbeln im Pariser Stil präsentiert. Hier wird französisches Flair durch ausgewählte Cocktails, Champagner und französische Weine zelebriert. Für die passende kulinarische Begleitung sorgen die edlen Tatar-Pralinen aus der benachbarten Tatarie Marie. Die Bar hat es erst kürzlich in das Prix Versaille Ranking "World's Most Beautiful Restaurants" geschafft (LEADERSNET berichtete).
www.b2b.wien.info
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