Mit einem Festakt im Festspielhaus wurden die 80. Bregenzer Festspiele am Mittwochvormittag offiziell eröffnet. Bis 23. August stehen rund 80 Veranstaltungen auf dem Programm – von den beiden Opernproduktionen auf der See- und Festspielbühne über Orchester- und Kammerkonzerte bis hin zu den Jungen Festspielen und mehreren Jubiläumsprojekten. Insgesamt wurden 228.000 Karten aufgelegt. Die neue Seebühnenproduktion "La traviata" war bereits zu Ostern und damit so früh wie nie zuvor in der Geschichte der Festspiele restlos ausverkauft.
Vor dem offiziellen Festakt im Festspielhaus wurde Bundespräsident Alexander Van der Bellen vom Vorarlberger Landeshauptmann Markus Wallner offiziell empfangen. Für die musikalische Begleitung sorgte eine Militärkapelle:
Politische Spitzen bei der Eröffnung
Nach dem Einmarsch begrüßte Festspielpräsident Hans-Peter Metzler zur feierlichen Eröffnung zahlreiche hochrangige Vertreter:innen aus Politik und Gesellschaft. Angeführt wurde die Gästeliste von Alexander Van der Bellen und dessen Gattin Doris Schmidauer sowie Vizekanzler und Kulturminister Andreas Babler und dessen Ehefrau Karin Blum.
Ebenfalls an der Eröffnung nahmen Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig, die Staatssekretärinnen Elisabeth Zehetner und Barbara Eibinger-Miedl, die Landeshauptleute Markus Wallner (Vorarlberg) und Anton Mattle (Tirol), EU-Kommissar Magnus Brunner sowie Bregenz' Bürgermeister Michael Ritsch teil.
Metzler skizzierte das Jubiläum "80 Jahre Festspiele" als "80 Jahre Mut, künstlerische Neugier, Leidenschaft, Beharrlichkeit und Erinnerungskraft". Aus einer bürgerlichen Initiative sei ein Festival von internationalem Rang geworden, ein Kulturort, der weltweit mit Österreich verbunden werde. Mit der Seebühne hätten die Bregenzer Festspiele eine internationale Bildsprache geschaffen, die großen Bühnenbilder erzählten Geschichten, lange bevor der erste Ton erklinge. Metzler sprach von der Schaffung einer neuen Form, "große Oper unter freiem Himmel für möglichst viele zu erleben". Kritik übte der Festspielpräsident daran, dass die Basisförderung für das Festival 15 Jahre lang nicht angepasst worden sei und – relativ gesehen – "noch nie so gering war wie heute".
Van der Bellen und Babler warben für Demokratie und Zusammenhalt
In seiner Eröffnungsrede würdigte Alexander Van der Bellen die Bregenzer Festspiele als Ort, an dem sichtbar werde, was Menschen gemeinsam schaffen können. Wie die Festspiele sei auch Österreich immer dann erfolgreich gewesen, wenn Herausforderungen nicht als Hindernis, sondern als Ansporn verstanden worden seien.
Mit Blick auf die aktuelle gesellschaftliche Entwicklung warb das Staatsoberhaupt eindringlich für die liberale Demokratie. Diese sei keine Selbstverständlichkeit und müsse täglich gelebt werden – durch Respekt, Zuhören und die Bereitschaft zum Kompromiss. Einfache Antworten auf komplexe Fragen seien selten die richtigen. Zum Abschluss stellte der Bundespräsident den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt: "Wir gehören nicht erst dann zusammen, wenn wir alle gleich denken. Wir gehören zusammen, weil wir alle Österreich sind."
Auch Andreas Babler hob die Bedeutung der Bregenzer Festspiele als Zeichen dafür hervor, was durch gemeinsames Engagement entstehen könne. Aus bescheidenen Anfängen mit zwei Schotterschiffen habe sich in acht Jahrzehnten die größte Seebühne der Welt entwickelt. Das zeige, dass Zukunft dort entstehe, wo Menschen bereit seien, Ideen zu verwirklichen, anstatt zu resignieren.
Zugleich bezeichnete der Vizekanzler und Kulturminister Kunst als wichtigen Impulsgeber für gesellschaftliche Debatten. Sie könne Entwicklungen sichtbar machen und Fragen aufwerfen, noch bevor eine Gesellschaft bereit sei, sich ihnen zu stellen. Angesichts geopolitischer Krisen, der Klimakrise, zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und schwindenden Vertrauens in demokratische Institutionen sprach sich der Vizekanzler gegen autoritäre Tendenzen aus. Die Antwort auf diese Herausforderungen könne nur in einer starken, selbstbewussten Demokratie liegen. Auch die beiden diesjährigen Produktionen – von der Werkstattproduktion "Yum!" bis zur Seebühnenpremiere von "La traviata" – griffen Fragen auf, die weit über das Musiktheater hinausreichten.
Vorgeschmack auf Mitsing-Event
Abseits der Reden bot die live im TV übertragene Eröffnung wie gewohnt Darbietungen der Festspiel-Künstler:innen, die auf hohem Niveau in mehreren Auszügen das Festspielprogramm vermittelten.
Am 1. August um 16 Uhr findet auf der Seebühne Bregenz das große Mitsing-Event "Singalong am See" statt. Im Rahmen des 80-jährigen Festspieljubiläums sind Chöre, Gesangsgruppen und Einzelpersonen eingeladen, berühmte Opernchöre wie das Brindisi aus La traviata gemeinsam anzustimmen. Im Rahmen der Eröffnung gab es auch dazu einen Vorgeschmack:
Langjähriger Partner setzt Schwerpunkt auf Inklusion
Seit 1980 zählt Casinos Austria zu den Partnern der Bregenzer Festspiele. Im Jubiläumsjahr steht dabei insbesondere der barrierearme Zugang zu Kultur im Mittelpunkt. Das im Vorjahr gestartete Inklusionsprojekt wird fortgesetzt und ermöglicht blinden und sehbehinderten Menschen ausgewählte Vorstellungen, unter anderem mit Live-Audiodeskription und Programmheften in Brailleschrift. Zusätzlich werden über die Initiative "Glückliche Augenblicke", die gemeinsam mit der Österreichischen Krebshilfe umgesetzt wird, Menschen in herausfordernden Lebenssituationen zu den Festspielen eingeladen.
Erwin van Lambaart, Generaldirektor von Casinos Austria, betont: "Es ist für uns mehr als ein Auftrag – es ist eine Herzensangelegenheit, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und kulturelle Teilhabe für alle zu ermöglichen. Mit dem Inklusionsprojekt bauen wir gemeinsam mit den Bregenzer Festspielen Barrieren ab und schaffen neue Perspektiven."
Premiere auf der Seebühne
Am Mittwochabend feiert Giuseppe Verdis Oper schließlich ihre Premiere auf der berühmten Seebühne, wo sie heuer erstmals zu erleben ist. Regisseur Damiano Michieletto verlegt die Handlung in die schillernden 1920er-Jahre. Mittelpunkt des Bühnenbildes ist ein 28 Meter hoher Spiegel, der sich aus dem Bodensee erhebt und zum Symbol für das Schicksal der Hauptfigur Violetta wird. Bereits am Donnerstag folgt im Festspielhaus mit Leoš Janáčeks "Die Ausflüge des Herrn Brouček" die zweite Opernpremiere des Festivals.
LEADERSNET war bei der Eröffnung. Fotos sehen Sie in den Galerien in Kürze hier und hier.
www.bregenzerfestspiele.com
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