Studie zeigt Vermögenskluft beim Wohnen
Warum junge Österreicher beim Eigentum meist leer ausgehen

| Tobias Seifried 
| 13.04.2026

Die Sehnsucht nach dem Eigenheim bleibt bei der Jugend ungebrochen, doch die finanzielle Realität ist ernüchternd. Während das Haus im Grünen weiter als Ideal gilt, scheitert der Eigentumserwerb oft an fehlendem Kapital.

Die prekäre Lage junger Österreicher:innen im Alter zwischen 25 und 40 Jahren auf dem Wohnungsmarkt war zentraler Gegenstand eines Pressegesprächs, zu dem die Raiffeisen Bausparkasse gemeinsam mit der FHWien der WKW sowie Raiffeisen Research am Montag geladen hatte.

Eine in diesem Rahmen präsentierte Online-Befragung unter 988 Personen verdeutlicht die ökonomische Anspannung der Zielgruppe. So gibt mehr als jede:r Zweite an, sich häufig finanzielle Sorgen zu machen. Während 69 Prozent über ein monatlich frei verfügbares Einkommen zwischen 50 und 1.000 Euro verfügen, müssen 15 Prozent mit noch geringeren Mitteln auskommen. In der Finanzplanung rangieren Sicherheit und Planbarkeit dabei deutlich vor der Renditechance.

Wohnwunsch und Marktrealität

Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen planen 55 Prozent der Befragten eine Veränderung ihrer Wohnsituation, wobei rund 61 Prozent langfristig Eigentum anstreben. Als Idealbild fungiert dabei weiterhin das frei stehende Haus. Die Umsetzung scheitert jedoch oft an der Basis. Über ein Drittel der Befragten verfügt über weniger als 10.000 Euro Eigenkapital – eine massive Hürde für jede Finanzierung.

David Bourdin, Senior Researcher an der FHWien der WKW, erläutert, dass 62 Prozent das Gefühl von Unabhängigkeit als Motiv anführen. Zudem gaben 47 Prozent an, "im Alter keine Miete zahlen zu müssen" sei ein zentraler Beweggrund für den Eigentumserwerb. Besonders ausgeprägt ist dieser Wunsch bei Eltern mit einem Kind, während Singles und Alleinerziehende aufgrund geringer Sparfähigkeit kaum Zugang zu Krediten finden.

Makroökonomische Paradoxien

Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass Österreich seine Position als Land der Mieter:innen weiter festigt. Demnach sank die Eigentumsquote bis zum Jahr 2025 auf 47,3 Prozent – ein historischer Tiefstand. Laut Matthias Reith, Senior Ökonom bei Raiffeisen Research, werde "der Traum vom Eigenheim seit Herbst 2022 länger in der Mietwohnung geträumt". Zwar sei Wohneigentum gemessen an den Einkommen zuletzt wieder geringfügig erschwinglicher geworden, doch die Kombination aus gestiegenen Zinsen und strengen Kreditvergaberichtlinien bremse diesen Effekt vollständig aus.

Besonders die Gruppe der 25- bis 39-Jährigen gelte als Verlierer der jüngsten Marktentwicklungen. Ihr Anteil am Wohneigentum ging von 34 Prozent im Jahr 2021 auf 30,6 Prozent im Jahr 2025 zurück. Reith brachte die Lage auf der Pressekonferenz pointiert auf den Punkt: "Sicher scheint nur eines zu sein, die Unsicherheit".

Vermögensvorteil durch Eigentum

Langfristig erweise sich die Immobilie laut Reith dennoch fast immer als überlegene Option. Laut ihm arbeite die Zeit für den Eigentümerhaushalt und kaufen sowie tilgen sei fast überall in Österreich rentabler als mieten und investieren. Im Schnitt übersteige das Immobilienvermögen nach 30 Jahren das Aktienvermögen von Mieter:innen um 365.000 Euro. Auch die laufende Belastung ist im Eigentum mit durchschnittlich 568 Euro deutlich geringer als auf dem freien Mietmarkt (887 Euro). In der Pension führe die Mietbelastung zu einer um 74 Prozent höheren Kostenquote, weshalb Eigentum eine effektive Maßnahme gegen Altersarmut darstelle.

Rückkehr zur Sparkultur

Christian Vallant, Geschäftsführer der Raiffeisen Bausparkasse, betont die Notwendigkeit eines frühzeitigen Vermögensaufbaus. Er konstatiert, dass in der Niedrigzinsphase eine ganze Generation im Glauben aufgewachsen sei, Sparen sei wirkungslos und Finanzierungen stetig leistbar. Dies habe dazu geführt, dass heute oft die nötigen Eigenmittel fehlen. Es sei daher essenziell, wieder eine "gesunde Sparkultur" zu etablieren.

Aktuelle Daten zeigen einen Trend zur Vorsorge. Die durchschnittliche Sparsumme der 25- bis 40-Jährigen stieg bis 2025 auf 7.386 Euro an. Um den Zugang zu erleichtern, setzt die Branche auf flexible Modelle wie das dynamische Bausparen oder Stufenratenfinanzierungen. Diese sollen laut Vallant jungen Menschen ermöglichen, den Immobilienerwerb auch in herausfordernden Zeiten nicht hinten anstellen zu müssen.

www.bausparen.at

www.fh-wien.ac.at

www.raiffeisenresearch.com

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